28. Februar 2021
Menschen

„Ein massiver Eingriff in die Natur“

Eine Bürgerinitiative hinterfragt die Notwendigkeit einer Querung der Aue von Mittelriede und Wabe

Zwei mögliche Varianten: Der Grünstreifen in der Mitte ist die Aue von Wabe und Mittelriede entlang des Karl-Hintze-Weges. Links die Trasse zum Gliesmaroder Bahnhof. Foto: Created with Google Earth Pro, copyrights by GeoBasis-DE/BKG Google Image Landsat/ Copernicus.

Braunschweig. Es gibt offenbar noch einiges zu klären, bevor eine Stadtbahn nach Querum fahren kann – zumindest darin sind sich Verwaltung und eine Bürgerinitiative einig. Größter Streitpunkt ist dabei die mögliche Überquerung der Aue von Mittelriede und Wabe. Für die Planer ist sie nach derzeitigem Stand unerlässlich, für die „Initiative zum Schutz des Lebensraumes Holzmoor-Wabe“ unerträglich.

Zwei Trassenvarianten zum Anschluss Querums haben die Planer im Vorfeld geprüft. Die eine Variante sollte über die Querumer Straße mit Anbindung an die Stadtbahnlinie nach Volkmarode verlaufen. Die andere Variante in West-Ost-Richtung mit Querung der Aue von Mittelriede und Wabe und Anschluss entweder an den Endpunkt Ottenroder Straße oder an die geplante „Cambusbahn“, die von der Hamburger Straße aus die neue Nordstadt und den Campus-Nord der TU Braunschweig erschließen soll. Das Ergebnis der Planer: Die erste Variante sei nicht wirtschaftlich und förderfähig und werde deshalb nicht weiterverfolgt. Daher sei „die Querung des weitläufigen Landschaftsraumes an irgendeiner Stelle unabdingbar für den Anschluss Querums an die Campusbahn“.

Katrin Jahnke deutet auf ein Regenwasserbecken, über das möglicherweise die Trasse nach Querum führen könnte. Mit dabei: Thomas Barthenheier (r.) und Johannes Riemenschneider. Foto: Andreas Konrad

Thomas Barthenheier von der Bürgerinitiative möchte sich mit diesem Ergebnis nicht zufrieden geben: „Es geht hier um grundlegende Dinge, die wir frühzeitig konstruktiv begleiten wollen. Dazu fehlt uns momentan aber die Transparenz in der Planung.“ Insbesondere der Eingriff in ein landschaftlich geschütztes Gebiet sei von der standardisierten Bewertung der Trassen nicht ausreichend gewürdigt.
Barthenheier und seine nach eigenen Angaben rund 60 Mitstreiter haben eine eigene Stellungnahme erarbeitet und diese an die Politik weitergeleitet. Sie schlagen als Alternative eine bessere Anbindung Querums an den derzeit im Ausbau befindlichen Verkehrsknotenpunkt Bahnhof Gliesmarode vor – entweder durch Optimierung der vorhandenen Buslinien oder durch einen direkten Zubringer.

„Wir haben viele Querumer persönlich nach ihrem Mobilitätsverhalten befragt“, erklärt Johannes Riemenschneider, einer der Autoren der Stellungnahme, „mit dem Ergebnis, dass es im Wesentlichen drei Hauptziele gab: Innenstadt, Bahnhof und Wolfsburg“. Und eben diese drei Ziele sieht die Bürgerinitiative durch die Brücken-Lösung zur Campusbahn „in keiner Weise besser bedient“.
Ein weiteres Argument gegen die West-Ost-Trasse sei zudem, dass die geplante Wendeschleife auf einer Ausgleichsfläche für das Neubaugebiet Schunterterrassen geplant sei. „Brauchen wir dann zwei neue Ausgleichsflächen?“, fragt Katrin Jahnke.

Auf Anfrage der NB verweist die Pressestelle der Stadt Braunschweig auf eine im Rat beantwortete Bürgeranfrage. „Eine Entscheidung zu einer oder mehreren Vorzugstrassen ist für dieses Teilprojekt nicht getroffen. Verwaltung und BSVG bitten darum, den geplanten Prozess mit den Bürgerworkshops weiterhin kritisch und mit Geduld zu begleiten“, heißt es darin.

Projektgruppe:
www.stadt-bahn-plus.de
Bürgerinitiative:
https://lehowa.azureedge.net

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