22. Februar 2020
Menschen

Ein Narrenherz: Wie der Vater…

Roland Klein hat mit der Gründung der 111er das Sponsoring für den Karneval gesichert

Jedes Jahr lädt Zugmarschall Gerhard Baller (rechts) die 111er ins Schoduvelzentrum zur Wagenvorbesichtigung ein. In der Mitte Roland Klein zwischen Daria Helck und Dieter Heitmann. Fotos (2): Ingeborg Obi-Preuß

Vechelde. „Irgendwann in den 70er Jahren bin ich beim ersten Braunschweiger Umzug überhaupt auf dem Coca-Cola-Wagen mitgefahren, spätestens seit diesem Zeitpunkt hat mich der Karneval nicht mehr losgelassen“, blickt Roland Klein auf seine närrischen Anfänge zurück. Heute ist der 55-Jährige der Herr der 111er, eine von ihm ins Leben gerufene Sponsorengemeinschaft.

Der Karneval-Virus lag ihm in der sprichwörtlichen Wiege, sein Vater, Georg-Peter – oder besser Pit – gehörte neben Gerhard Glogowski zu den Gründervätern des heutigen Schoduvel.
„Später habe ich mit meinem Vater unsere Firma geführt, wir saßen gemeinsam in einem Büro, ich kriegte also genau mit, was los war“, erzählt Roland Klein. Neben dem Geschäftlichen rund um das Thema Verpackungen ging es immer auch um den Karneval. „Und meistens ums Geld“, erzählt Klein.

Vater Pit ist 2005 gestorben, ein bis heute schmerzhafter Verlust für den Sohn – und für den Karneval. Kurz darauf setzte Roland Klein seine Idee der 111er um. Der Traum dahinter: „Unternehmer als solide Basis an Sponsoren, mit der verlässlich geplant und gearbeitet werden kann.“

Roland Klein mit der Trophäe für den „Sponsor des Jahres“.

Das erste Etappenziel hat der Club inzwischen erreicht. Das Schoduvelzentrum in Kralenriede ist saniert, ein Multifunktionstrecker angeschafft, der die großen Wagen rangieren kann, eine neue Halle gebaut – alle Motivwagen können jetzt gemeinsam von dort aus zum Umzug starten.

Ein finanzieller Kraftakt, der nur zu schaffen war, weil der 111er inzwischen wirklich 111 Förderer hat. „Seit dieser Session sind wir komplett“, freut sich Roland Klein. Der Weg war durchaus steinig. „Die ersten 50 waren die schwersten“, blickt er auf jahrelanges Klinkenputzen zurück. Zwar ist der Jahresbeitrag nicht astronomisch hoch (ein karnevalistisches Geheimnis), aber die Mitglieder verpflichten sich zur Treue, wenn auch nur ideell. Heißt: Einmal 111er, immer 111er (meistens).

Die Mitgliederliste auf der Homepage liest sich wie das Who is Who der Braunschweiger Wirtschaft. Sie alle sind im sogenannten Werbeblock, gemeint sind die ersten Wagen vor dem sonst werbefreien Schoduvel, vertreten. Mit einem Namensschild auf einem unbesetzten Extra-Wagen. Der 111er-Prunkwagen selbst ist reine Privatsache. Heißt: Die 24-köpfige Wagenbesatzung rund um Roland Klein fährt jedes Jahr unter einem anderen Motto, finanziert ist der Wagen, inklusive des Wurfmaterials, ausschließlich von den Mitfahrern. „Kein Cent unserer Sponsorenbeiträge wird dafür ausgegeben“, versichert Klein.

Das Geld wird nach wie vor zur Förderung des Karnevals eingesetzt: Das Schoduvelzentrum soll noch verschönert werden, die alten Hallentore entrostet und gestrichen, außerdem hat Roland Klein noch jede Menge Ideen für die Jugend- und Nachwuchsarbeit. Selbstverständlich bestimmt er das nicht allein, alles hat seine Vereinsordnung, Vorstand und Sponsoren-Beirat beraten, wohin die Gelder fließen sollen. Alles für den Karneval.

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