Ein Puzzle für schlaflose Nächte | Neue Braunschweiger
6. März 2015
Kulturelles

Ein Puzzle für schlaflose Nächte

Pop meets Classic: Am 25. April ab 20 Uhr in der Volkswagenhalle – Tickets im Vorverkauf.

Christian Eitner. Foto: oh

Von Ingeborg Obi-Preuß, 07.03.2015.
Braunschweig. „Das Programm wächst wie ein Wein“ – Christian Eitner wählt den Vergleich mit Bedacht; die aktuelle PMC-Produktion „gärt“ in seinem Kopf. Wie jedes Jahr. Der musikalische Leiter feilt auch beim neunten Pop meets Classic bis kurz vor Ultimo an den Feinheiten.
„Gerade kommt mir die Idee, wir könnten Jens Richwien als Double auf die Bühne holen“, sagt er breit grinsend, nachdem er über immer wiederkehrende Verwechsel-Momente mit seinem Freund und nB-Anzeigenverkaufsleiter Richwien erzählt hat.

Paul Kunze, seit fünf Jahren fester PMC-Partner bei Undercover, kann nur etwas gequält mitlachen, die spontanen Ideen des „Meisters“ haben ihn schon manches Mal vor schier unlösbare Aufgaben gestellt.

„Wie wäre es, wenn das Jackett für den Moderator mit dem Zeppelin gebracht wird?“ – auch so eine aberwitzige Eitner-Eingebung, die Kunze für die Show vor zwei Jahren in die Tat umgesetzt hat. Wie immer, fast in letzter Minute. „Oder 2012″, erinnert sich Projektleiter Kunze, „da kam er ganz kurzfristig mit dem Vorschlag, die komplette Eintrachtmannschaft auf die Bühne zu holen“ – hat auch geklappt.
„Ein Puzzle aus vielen Einzelteilen“, beschreibt Eitner sein PMC-Konzept, das sich aus einem zunächst als einmalig gedachten Event zu einer festen Kultreihe ausgewachsen hat.
„Zurzeit habe ich wieder schlaflose Nächte“, berichtet Eitner von den Wochen vor dem Konzert. „Wie kriege ich diese vielen Leute in das Programm, wo ist der rote Faden, wie sehen die Übergänge aus?“, erzählt er von den Gedanken, die sich in seinem Kopf drehen. „Die Dramaturgie ist wichtig“, weiß der Profimusiker, „sonst stockt der Abend.“

Neun Jahre PMC, gleiches Konzept, immer wieder neu – regionale Künstler, plus Special Guests. „Die können von außerhalb kommen, müssen aber eine Verbindung zu Braunschweig haben“, erklärt Eitner. So wie Pe Werner in diesem Jahr. Sie war bereits Gast im Wintertheater an der Martinikirche. „Und sie hat gerade ein Album mit dem Symphonieorchester des WDR eingespielt“, sagt Eitner, „das passt doch perfekt zu PMC.“ Großer Vorteil dabei – die Sängerin bringt das Arrangement gleich mit.
Ansonsten kümmern sich Profiarrangeure darum, dass die Popinterpreten und das Staatsorchester „zusammenpassen.“ Unter der Zielvorgabe des Chefmusikanten: „Ich höre die Tapes der Künstler und gebe dann den Arrangeuren die Richtung vor“, erklärt Eitner die Arbeit. Wo soll ein Solopart für die Band erklingen? Wo nur die Streicher? Eher schlicht oder „wollen wir ein Fass aufmachen?“, eher Richtung Filmmusik oder Chanson? Nicht zu schnulzig bitte, mit Kanten, ein kleines Intro vielleicht? In welchen Orchesterfarben? Fragen über Fragen, die in Eitners Kopf umherjagen und nach und nach das besagte Puzzle ergeben.

Gibt es keine Ermüdungserscheinungen nach all den Jahren?
„Im Gegenteil“ lacht der Musiker, „es wird immer schöner, stressfreier.“ Die Erfahrung gibt eine gewisse Gelassenheit, die enge Verbundenheit mit den Musikern vom Staatsorchester und dem Dirigenten Helmut Imig sorgt für eine relaxte Arbeitsatmosphäre. Die ist auch nötig, denn es gibt nur drei Proben. Da muss einfach alles klappen. „Am ehesten sorge ich mich um den technischen Ablauf“, erklärt Eitner, „da kann es immer wieder mal zu unvorhergesehenen Pannen kommen.“
Aber auch da sind Profis am Werk, meistens mit Braunschweiger Wurzeln. „Wir haben Lichtdesigner, die weltweit gefragt sind“, erklärt dazu Paul Kunze, „die unterbrechen Tourneen, um hier mitzumachen“, erzählt er stolz, „es ist eine Ehre für sie, bei PMC dabei zu sein.“
So, wie für viele der Künstler auch. Vor allem dem Nachwuchs will Eitner eine Bühne bieten. Diesmal „The Bensons“, eine Schülerband von der NO. „Das ist immer wieder spannend“, freut sich Eitner, „kann sein, dass das hier ihr einziger großer Auftritt wird, kann aber auch sein, dass wir den Beginn einer Superkarriere hier erleben.“

Auf jeden Fall gehören auch die Schüler in diesem Jahr zur PMC-Familie, „wir haben eine enorme Dynamik, eine kreative Begeisterung, die ansteckt“, schwärmt Eitner.
Und selbst er, der rastlose Chef, kann stoppen: „Hier, wo wir jetzt stehen, ist es gut“, sagt er kurz vor Konzertbeginne zum gesamten Team, „dann gehen wir auf die Bühne, und ich fokussiere mich ganz aufs Bassspielen. Denn wenn die PMC-Show erst läuft, dann kannst du eh nix mehr stoppen.“

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