Ein starkes Stück vom Sieg der Menschlichkeit | Neue Braunschweiger
26. Oktober 2018
Kultur

Ein starkes Stück vom Sieg der Menschlichkeit

Florian Battermanns Welturaufführung „Oskar Schindlers Liste“ wird im Lessingtheater in Wolfenbüttel begeistert gefeiert

Oskar Schindler (Stefan Bockelmann, rechts) und Amon Göth (Armin Riahi). Foto: imagemoove

Wolfenbüttel. „Das hätte ich dem Battermann nicht zugetraut“, sagt ein Besucher im Wolfenbüttler Lessingtheater zu seiner Begleitung. „Der Battermann“ ist mit seiner Komödie am Altstadtmarkt eigentlich Spezialist für vermeintlich leichte Kost, jetzt hat er eine Welturaufführung präsentiert, die am anderen Ende von „leichter Kost“ liegt: „Oskar Schindlers Liste“.

„Mir ist wichtig zu zeigen, dass Oskar Schindler kein Übermensch war, mich interessierte, was mit einem Menschen geschehen muss, der eine solche Tat vollbringt“, sagt Battermann.
Und das ist ihm großartig gelungen. Mit Stefan Bockelmann hat er einen ganz besonderen Oskar Schindler auf der Bühne: Ein Spieler, ein Lebemann, ein Frauenheld. Sein Charme und seine Klugheit öffnen ihm die Türen. Auch bei Amon Göth, dem sadistischen „Schlächter von Płaszów“ (erschütternd gut Armin Riahi).
Vor dem Krieg war Schindler als Agent in der damaligen Tschechoslowakei und flog auf. Die Besetzung des Sudetenlandes durch deutsche Truppen führte zu seiner Freilassung. Diese Todesnähe war offensichtlich ein einschneidendes Erlebnis für die erfolgsverwöhnte Spielernatur.

Er wird Chef einer polnischen Keramik-Fabrik mit jüdischen Mitarbeitern. Da er keine Ahnung hat, ist er klug genug, den ehemaligen Besitzer, den Juden Abraham Bankier (großartig Dimitri Tellis), die Geschäfte weiterführen zu lassen. Nach und nach entwickeln sich Vertrauen und Zuneigung, die Rettung der jüdischen Mitarbeiter ist letztlich ein Gemeinschaftswerk; wesentlich dabei auch die Rolle von Emilie Schindler (souverän Astrid Krenz-Straßburger)
Regisseur Lajos Wenzel gelingt es durch kluge Personenführung, die einzelnen Stationen mit wenigen Mitteln schlüssig zu verbinden. Die Bühne von Tom Grasshof ist ebenso sparsam wie wirkungsvoll, ein paar Kisten und Möbel, im Hintergrund die Listen mit den Namen der jüdischen Arbeiter.

Zwölf Schauspieler spielen 27 Rollen, ein fantastisches Ensemble. Manche Geste, mancher Dialog wirkt zunächst arg pathetisch – andererseits, wenn nicht bei diesem Thema die großen Gefühle beim Namen genannt werden werden, wann dann? Und so ist Florian Battermanns „Schindlers Liste“ vor allem ein starkes Stück. Das Publikum applaudiert begeistert

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