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„Ein Tanz auf der Rasierklinge“

Peter Vollmann erwartet von der Mannschaft, über ihre Grenzen hinaus zu gehen

Sportdirektor Peter Vollmann. Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Braunschweig. Die Vorfreude auf den Saisonstart ist auch bei Peter Vollmann groß. Der 61-Jährige ist seit knapp einem Monat als Sportdirektor bei Eintracht tätig, nachdem er in der abgelaufenen Spielzeit für Magenta-TV als Drittliga-Experte tätig gewesen ist. Davor stand er als amtierender Drittliga-Rekordcoach in 237 Partien an der Außenlinie und kennt die Spielklasse besser als viele andere.
Im Interview mit NB-Mitarbeiter Elmar von Cramon gibt Vollmann, dem 2002 als Eintracht-Trainer der Zweitligaaufstieg glückte, seine Einschätzung über den Kader, die Vorbereitung und die bevorstehende Spielzeit ab.

? Herr Vollmann, wie haben Sie Ihre ersten Wochen als Eintracht-Sportdirektor erlebt?

! Alle im Verein haben mir dabei geholfen, mich schnell und gut einzuarbeiten. Jeden Tag kamen viele Anrufe vor allem von Beratern, die es abzuarbeiten galt; parallel dazu mussten Abläufe rund um die Mannschaft organisiert werden. Daneben war und ist vor allem der tägliche Austausch mit unserem Trainer Christian Flüthmann wichtig. Gerade im Zeitraum des Transferfensters ist dies wegen der Kaderveränderungen besonders zeitintensiv.

? Christoph Menz und Jonas Thorsen haben den Verein in den letzten Wochen verlassen, während Alfons Amade und zuletzt Robin Ziegele neu verpflichtet worden sind. Inwiefern bestand Handlungsbedarf?

! Im Abwehrbereich haben wir mit Alfons nun auch die Rechtsverteidigerposition doppelt besetzt, wie es auf allen anderen Positionen ebenfalls unser Ziel war. Auch auf der Innenverteidigerposition haben wir uns mit Robin Ziegele wie geplant verbessert.

? Wie haben Sie die Vorbereitung bis jetzt erlebt?

! Die Vorbereitung ist bis jetzt gut gelaufen. Wir sind von schweren Verletzungen verschont geblieben, außerdem ist die Mannschaft in einem sehr guten Fitnesszustand. Die Vorbereitungsspiele endeten meist mit Ergebnissen, die zur Stärke des Gegners gepasst haben. Bei der Niederlage gegen Hertha BSC haben wir in der Anfangsphase gewisse Dinge nicht beherzigt. Es kann ab und zu durchaus wichtig sein zu sehen, was dann passiert um daraus zu lernen. Im weiteren Verlauf der Partie hat sich die Mannschaft aber gut auf den Gegner eingestellt und eine Reaktion gezeigt. Im Vorbereitungsmodus ist man noch nicht gezwungen, Ergebnisse abzuliefern. Das ist ganz normal. Wenn wir uns im Wettkampfmodus befinden, muss sich hingegen jeder seiner Aufgabe bewusst sein, um dies zu erreichen.

? Wie sehen Sie die dritte Liga in der kommenden Spielzeit?

! Die Liga war in der Vorsaison bereits eng und ist durch starke Aufsteiger noch dichter zusammengerückt. Mit Waldhof Mannheim kommt ein traditionsreicher, mit Viktoria Köln ein finanzstarker Verein hinzu. Auch Chemnitz sollte man keinesfalls unterschätzen, darüber hinaus kann ich mir nicht vorstellen, dass Uli Hoeneß die U23 des FC Bayern ein weiteres Mal absteigen lassen möchte. Die Zweitligaabsteiger 1. FC Magdeburg, FC Ingolstadt und MSV Duisburg sehe ich ähnlich stark wie die Zweitligaaufsteiger SV Wehen Wiesbaden, den Karlsruher SC sowie den VfL Osnabrück. Vor allem der VfL hat als Fast-Absteiger in der vergangenen Saison gezeigt, was in dieser unberechenbaren Liga möglich ist.

? Neben dem VfL Osnabrück schaffte es im Jahr davor bereits der SC Paderborn vom Fast-Absteiger zum Aufsteiger. Was haben diese Mannschaften besser gemacht als andere und inwiefern können sie für die Eintracht ein Vorbild sein?

! Wer in dieser Liga viele Gegentore bekommt, steigt ab. Wer hingegen sehr gut verteidigt und es daneben schafft offensiv zu überzeugen, kommt ganz nach oben. Osnabrück ist es gelungen, ab dem ersten Spieltag, vermutlich sogar ab dem ersten Trainingstag, eine Einheit und ein verschworener Haufen zu sein. Nur so konnten sie sich zu einem Aufsteiger entwickeln und allen zeigen, was man mit Geschlossenheit und großem Einsatz für einander in dieser Liga erreichen kann. Auch wir erwarten eine Mannschaft auf dem Platz, die bereit ist über ihre Grenzen hinaus zu gehen, um ein Spiel zu gewinnen. Nicht nur die ersten Elf sondern alle, die am Spieltag aus dem Bus steigen, müssen jede Woche dazu bereit sein. Im Gegensatz zum Beginn der Vorsaison gehen wir konkurrenzfähig an den Start. Trotzdem ist in der dritten Liga jedes Spiel ein Tanz auf der Rasierklinge. Wir können jede Mannschaft schlagen, müssen zusätzlich aber eine gewisse Konstanz herstellen, um einen guten Start hinzulegen und in der Spielklasse zu bestehen.

? Eintracht wird nicht zuletzt aufgrund der guten Rückserie und den Neuverpflichtungen bei der Konkurrenz als Aufstiegskandidat gehandelt. Wie sehen Sie die Konstellation?

! Wir starten von Platz 16 und müssen versuchen den ein oder anderen zu überholen. Wo die Reise am Ende hingehen kann, wird sich im Laufe der Hinrunde zeigen. Die Favoritenrolle wird wie üblich hin- und hergeschoben, aus meiner Sicht gibt es jedoch keinen klaren Favoriten. Ich tue mich deshalb auch schwer Prognosen abzugeben, sondern erwarte, dass ein Feld aus ungefähr acht Mannschaften oben mitspielen wird, während zwölf Teams permanent in den Rückspiegel schauen müssen. Eine genauere Einschätzung der Kräfteverhältnisse wird wahrscheinlich aber erst zur Halbserie möglich sein.

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