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Einbrechern einen Riegel vorschieben

Kostenlose Beratung der Polizei wird noch immer relativ wenig genutzt – Wertvolle Tipps

Hausbesuch: Dirk Nietzold zeigt auf eine Schwachstelle im Türrahmen. Fotos: Ingeborg Obi-Preuß

Braunschweig. Ein bisschen ist es ja schon zum Verzweifeln: Da predigt Peter Voiß seit Jahren, doch irgendwie geht es beim Thema Einbruchschutz nur schleppend voran. „Dabei gibt es sehr wirksame Möglichkeiten, Fenster und Türen ziemlich gut abzusichern“, erklärt der Kriminalhauptkommissar.

Zurzeit arbeitet er seinen Nachfolger in der Beratungsstelle an der Friedrich-Voigtländer-Straße ein, Oberkommissar Dirk Nitzold übernimmt demnächst den Staffelstab. Nietzold kommt direkt aus dem Einbruchsdezernat, ist also immer dann vor Ort, wenn das sprichwörtliche Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

Die beiden Polizisten beraten gern jeden zum Thema Einbruchschutz. Kostenlos. Idealerweise, bevor ein Haus überhaupt gebaut wird. In ihren Kellerräumen im Polizeipräsidium können die Besucher direkt ausprobieren, wie leicht sich ein „normales“ Fenster aufhebeln lässt. Ein kurzer Ruck, schon kann jeder einsteigen. „Ich schätze bei 90 Prozent der Neubauten wird zwar auf Wärmedämmung und Schallschutz geachtet, aber das Thema Einbruch haben die meisten Bauherren nicht auf dem Schirm“, sagt Peter Voiß. Und die Architekten auch nicht. Seit einigen Jahren versucht Voiß das Übel an der Wurzel zu packen und hält Vorlesungen vor angehenden Architekten an der TU. „Die Studenten hören sonst im Studium nichts zu diesem schwerwiegenden Themenkomplex“, weiß Voiß. Für alle, die schon in ihrem Haus oder einer Wohnung wohnen, gibt es aber auch Hilfe, denn die beiden Berater kommen nach Hause. Ebenfalls völlig kostenfrei. Rund anderthalb Stunden lang schauen sie sich jeden Türgriff, jeden Fensterrahmen, jedes Schloss genau an. Und dann folgt eine eingehende Beratung.

„Die Eingangstür ist schon mal in Ordnung“, sagt Peter Voiß, als er in den Flur meiner Wohnung tritt und sofort mit prüfendem Blick das Schloss und den Türrahmen inspiziert. Auch die Fenster zur Straßenseite werden mit einem „das geht so“ durchgewunken. „Erfahrungsgemäß steigen die Einbrecher ungern ein, wenn das Fenster völlig frei liegt und dann noch von der Straße aus einsehbar ist“, erklärt der Profi.
Aber dann, die Terrassentür. Die zeigt Schwächen. „Hier müsste dringend nachgerüstet werden, denn ohne zusätzliche Sicherung ist die ruckzuck aufgehebelt“, erklärt Voiß. Rund 350 Euro kostet die Sicherheit an dieser Stelle. „Reden Sie doch mal mit Ihrem Vermieter“, empfiehlt er, „es gibt staatliche Förderung für den Einbruchsschutz, zinsgünstige Kredite und auch Zuschüsse.“

Dann geht es ins Schlafzimmer. Hier wird es schwierig, die Wohnung ist im Erdgeschoss, unter dem Fenster ist ein Außenwasserhahn, der von Einbrechern bequem zum Einsteigen genutzt werden könnte, die Jalousien würden sich einfach hochschieben lassen. „Ich schlafe aber so gern bei geöffnetem Fenster“, sage ich. „Tja“, sagt Voiß, „hier gibt es keine einfache Lösung, ich mache mir mal Gedanken“, verspricht er. Er wird mir später zwei Querstangen empfehlen.
Zum Abschluss gibt es noch einen dringenden Hinweis: Fenster nie gekippt lassen, wenn man das Haus verlässt und die Tür immer abschließen.

Beim Besuch in der Beratungsstelle an der Friedrich-Voigtländer-Straße darf ich selbst erfahren, warum dieser Tipp so wichtig ist. Mit einfachsten Tricks und wenigen Handgriffen gelingt es mir, eine Wohnungstür zu öffnen und ein Fenster aufzubrechen. Völlig ohne Anstrengung in Sekundenschnelle. Ich bin beeindruckt und werde mich jetzt um die Sicherung meiner Wohnung kümmern. Wenn Sie das auch tun möchten, hier die Kontaktdaten von Peter Voiß aus der Beratungsstelle: 0531 / 476-30 52, E-Mail: peter.voiss@polizei.niedersachsen.de
Die Kollegen von der Beratungsstelle kommen kostenfrei zu Ihnen nach Hause. Bei Neubauten empfiehlt sich vor Baubeginn ein Besuch in der Beratungsstelle.

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