Eine alte Loge mit aktuellen Konzepten

Die Freimaurer-Loge „Carl zur gekrönten Säule“ feiert 275. Bestehen: Eigene Vorbildfunktion ist das Maß, an dem gemessen wird

Henning Voß vom Verein Cura, Marlene Warstat von Kinderclassic.com und Tafel-Vorstand Bernd Assert freuen sich über Spenden der Freimaurer durch Jens von Mach. Ingeborg Obi-Preuß

Innenstadt. „Ehrwürdiger Altgroßmeister, liebe Schwestern und Brüder“, schon die Begrüßung durch Kurt Lemmer klingt eher fremd. Die Freimaurer-Loge „Carl zur gekrönten Säule“ hatte zu ihrem 275. Geburtstag eingeladen. Wer allerdings „alte Zöpfe“ erwartet hat, liegt falsch. Beim Festakt in der Dornse zeigen die Brüder, wie ernst es ihnen mit ihrem Anspruch ist: Sie verteilen Geschenke.

Je 5000 Euro gab es für den Verein Cura (Anlaufstelle für Strafgefangene), die Braunschweiger Tafel und für den Verein Kinderclassic.com. Bürgermeisterin Anke Kaphammel dankte den Freimaurern für ihren Einsatz für die Stadtgesellschaft.
Die Titel der Brüder – Großmeister oder Altgroßmeister – wirken merkwürdig, die Rituale fremd, in den Grußworten und Vorträgen aber wird der Wesenskern der Loge erklärt. „Der problembeladenen Welt, der Intoleranz und Entmenschlichung setzen wir unser Konzept entgegen“, sagte Lemmer und sprach vom „rauen Stein.“ Jeder der Brüder sei so ein rauer Stein. „Das heißt, wir müssen eifrig an uns arbeiten, das Gute wecken und weitertragen in die Familie, in die Arbeitswelt, in den Freundeskreis.“

Die Freimaurer setzten auf die Wirksamkeit dieser kleinen Schritte, dass jeder bei sich selbst anfängt, die Welt zu verbessern: „Das bessere Miteinander für eine bessere Welt, die beste Variante von mir ist das Ziel. Jeder nach seinen Mitteln und Möglichkeiten“, sagte Altgroßmeister Jens Oberheide. Selbstfindung und Selbsterziehung sind den Freimaurern dauernde Aufgabe. „Die gedachte gleiche Ebene aller“ sei das Zentrum der Freimaurer, über alle Grenzen und Religionen hinweg. „Ein Gegenentwurf, wie Leitsterne, die man nie erreicht, aber immer danach strebt.“

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