Eine Ehre aus und für Braunschweig | Neue Braunschweiger
1. September 2020
Menschen

Eine Ehre aus und für Braunschweig

Der Rat der Stadt verleiht Salomon Perel die Ehrenbürgerschaft – coronabedingt mit Abstand

Die Technik macht es möglich: Oberbürgermeister Ulrich Markurth überreicht die Ehrenbürgerschaftsurkunde für Sally Perel (rechts im Bild) scheinbar direkt an Ido Grinblum, Bürgermeister von Kiryat Tivon. Foto: Peter Sierigk

Stadthalle. „Ich liebe die Stadt Braunschweig, hier habe ich die schicksalhafteste Zeit meines Lebens verbracht“, sagt Salomon „Sally“ Perel im fast 3000 Kilometer entfernten Kiryat Tivon. Er ist aus Braunschweigs Patenstadt in Israel zugeschaltet, berührt aber die Menschen in der Stadthalle so, als wäre er im Raum. Sally Perel wird Ehrenbürger der Stadt Braunschweig. Ein 95-jähriger Mann, vor dessen Haltung, Handeln und Denken sich die Welt verneigt.
Zumindest große Teile der Welt, denn seine Geschichte hat Salomon Perel aufgeschrieben, die polnische Regisseurin Agnieszka Holland drehte 1990 aus dem Buch einen erfolgreichen Spielfilm.

 Nur Sally und seine beiden Brüder überlebten

Der 1925 in Peine geborene Salomon Perel überlebte als Jude den Naziterror in der Uniform eines Hitlerjungen. In Braunschweig. Außer ihm und seinen Brüdern Isaak und David wurden alle Mitglieder der Familie Perel im Holocaust ermordet.
Oberbürgermeister Ulrich Markurth zeichnet diesen Lebensweg nach, erinnert an die Jahre 1942 bis 1945, in denen Salomon Perel Hitlerjunge in Braunschweig war und Lehrling im VW-Werk.
Nach dem Krieg geht Sally Perel nach Israel. Erst 40 Jahre später wird er das Erlebte aufschreiben.
„Und seitdem sind Sie unermüdlich im Einsatz, um junge Menschen vor allem in Deutschland, und speziell in Braunschweig, zu sensibilisieren. Sie haben tausende Jugendliche mit Ihrer Geschichte tief bewegt“, sagt Markurth, „wir brauchen Menschen wie Sie, die trotz und gerade wegen des eigenen, schweren Schicksals ohne Hass und bereit zur Versöhnung sind.“

Uwe Fritsch, Vorsitzender des Betriebsrates von Volkswagen Braunschweig, spricht von der zunächst schwierigen Aufarbeitung der VW-Firmengeschichte in der NS-Zeit, jetzt aber gehöre Erinnerung und Mahnung zur festen Unternehmenskultur. Fritsch erzählt von seiner ersten Begegnung mit Sally Perel im Jahr 2003 beim Gemeinsam Preis der Braunschweiger Zeitung, aus der eine enge Freundschaft wurde, aber auch eine enge Verbundenheit zum VW-Werk in Braunschweig. „Du sagst den jungen Menschen immer wieder: Glaubt nicht den simplen Antworten“, sagt Fritsch, „lieber Sally, deine Botschaft heißt Respekt und Toleranz.“

Dankesworte aus Kiyat Tivon

Salomon Perel lässt es sich in Kiryat Tivon schließlich – trotz des hohen Alters –nicht nehmen, für seine Dankesworte aufzustehen. „Dass ich überlebt habe, ist ein Wunder“, sagt er mit fester Stimme und erzählt von seiner Zeit als Hitlerjunge, von seiner Angst, die ihn bis in seine Träume verfolgte. Und vom Kriegsende in Braunschweig.
„Die Ehrenbürgerschaft berührt mich tief“, sagt er und fügt hinzu: „Möge Braunschweig immer die Stadt der Demokratie und des Friedens sein. Schalom.“

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