Eine Entscheidung der Vernunft | Neue Braunschweiger
27. Februar 2021
Menschen

Eine Entscheidung der Vernunft

Ulrich Markurth tritt im Herbst nicht für eine zweite Amtszeit als Oberbürgermeister an

Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth geht nicht in die Verlängerung. Foto: Privat

Braunschweig. Selbst in der etwas distanzierten Atmosphäre einer Videokonferenz war förmlich zu spüren, wie schwer Ulrich Markurth seine Entscheidung fällt: Im Herbst wird er nicht erneut für den Posten des Oberbürgermeisters kandidieren.

„Vernunftgründe“ führt er an. Denn rein gefühlsmäßig würde er liebend gern weitermachen. Das wissen alle, die ihn auch nur ein wenig kennen. Er ist nicht nur mit dem berühmten Okerwasser getauft, es fließt vermutlich auch in seinen Adern (zumindest badet er ab und an darin). Ein Braunschweiger durch und durch.

Und als Oberbürgermeister hat er noch zahlreiche Projekte auf seiner To-Do-Liste, die er nur zu gern weiterbringen oder sogar abschließen würde: den Stadtbahnausbau, die Innenstadtentwicklung, die Sicherung der Sparkasse im Braunschweiger Land, die Krankenhausfinanzierung und und und. Auch in der Bewältigung der Coronapandemie kämpft er an vielen Fronten, ist aber zuversichtlich, dass es Ende des Jahres besser ist.

Eigentlich liegt ihm alles, was in dieser Stadt passiert, am Herzen. Und doch hört er auf. „Nach langem Überlegen“, beschreibt er einen schmerzhaften Prozess, „es fiel mir extrem schwer.“ Noch vor zwei Jahren hätte er nicht mal die Frage nach seinem Amtsende verstanden.
Im vergangenen Sommer aber ging es ihm gesundheitlich nicht gut, selbst der geliebte Paddelurlaub musste abgesagt werden. „Ich wurde mehrfach auf Corona getestet, aber immer negativ.“ Bis heute ist nicht klar, was genau es war.

Klar ist aber, dass Markurth ins Grübeln kam. „Noch eine Amtszeit, dann bin ich 70 Jahre alt“, habe er sich überlegt, „schaffe ich das?“. Denn das Amt des Oberbürgermeistes brauche auch physische Kraft, weiß er aus Erfahrung. Und noch wichtiger waren wohl die Fragen: Will ich das? Ist das meine Lebensplanung?

Am Ende hat er sich entschieden. Gemeinsam mit seiner Frau. „Viele werden enttäuscht sein, dass ich sie nicht um Rat gefragt habe“, sagt Markurth, „aber diese Entscheidung musste ich allein treffen.“ Das hat er getan. In acht Monaten ist Schluss. „Bis dahin allerdings bin und bleibe ich mit allem Einsatz Braunschweigs Oberbürgermeister.“

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