Eine für alle: Neue Ausbildung

Große Koalition generalisiert die Ausbildung zur Alten-, Kranken- und Kinderpflege.

Dr. Carola Reimann hat an dem Gesetz mitgewirkt. Foto: oh

Von Ingeborg Obi-Preuß, 28.05.2016.

Braunschweig. „Wir sind seit zehn Jahren an diesem Thema, jetzt endlich haben wir es geschafft“, freut sich Dr. Carola Reimann über die Regelung für den neu geschaffenen Beruf „Pflegefachkraft“.

Die Braunschweiger Bundestagsabgeordnete ist eine der sieben stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion und zuständig für die Bereiche Arbeit und Soziales, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Im Kabinett ist die Änderung jetzt beschlossen: Kranken-, Alten- und Kinderpflege werden in einer Ausbildung zusammengeführt, Schwerpunkte können gesetzt werden.

„Das ist vor allem wichtig, um das Berufsbild attraktiver zu machen“, erklärt Reimann. In einigen Regionen sei der Mangel an Pflegekräften dramatisch. Die neue generalistische Ausbildung würde dazu führen, dass die Menschen in den jeweiligen Berufen nicht ein für alle Mal festgelegt seien. Zum Beispiel könne eine Altenpflegerin auch mal ein paar Jahre als Kinderkrankenschwester arbeiten oder umgekehrt.

Es gebe Widerstände und Bedenken – vor allem aus dem Bereich der Kinderpflegeausbildung – aber Reimann ist sicher, dass in der Praxis das neue Konzept überzeugen wird. „Die Situation in der Pflege hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert“, macht sie deutlich. Der größte Teil der älteren Menschen bliebe so lange wie möglich in der eigenen Wohnung, das bedeute aber umgekehrt, dass die Menschen in den Heimen häufig besonders schwere Pflegefälle seien. Auch in den internistischen Stationen der Krankenhäuser sei der demografische Wandel spürbar, die Zahl der älteren und sehr alten Patienten steige stetig.

Da helfe es, wenn das Pflegepersonal beispielsweise auch den Umgang mit dementen Menschen in der Ausbildung gelernt habe, betont Reimann.
Daneben sei auch die Vergütung ein Thema, das die Politik mit dieser Ausbildungsveränderung zugunsten der Pflegekräfte beeinflussen möchte. „Im Durchschnitt verdienen die Mitarbeiter in der Krankenpflege 3016 Euro brutto, in der Altenpflege dagegen nur 2209 Euro.“ Das werde sich verändern, betont Reimann, „und das wollen wir auch.“

Zumindest auf die Ausbildungsvergütung habe die Politik Einfluss, sie wird vereinheitlicht. Daneben setzt Reimann auf einen Tarifvertrag Soziales, der aber zwischen den Tarifpartnern strittig ist. „Wir brauchen ihn dringend“, mahnt die Politikerin an, „das ist wichtig für alle, die in diesen Berufen arbeiten.“ Denn der Markt allein regele in diesem Fall die Ungerechtigkeiten nicht.
Anfang 2017 tritt die Neuausrichtung des Berufsbilds in Kraft, ab August 2018 soll die Ausbildung starten. Die relativ lange Vorlaufzeit sei notwendig, um die Veränderungen zu organisieren. Die einzelnen Einrichtungen und Schulen müssten sich umstellen, den neuen Lehrplan übernehmen, das Kollegium informieren.

Außerdem müsse noch die Finanzierung geregelt werden. „Bislang investieren nur die Häuser, die auch ausbilden“, erklärt Reimann, „andere Einrichtungen werben dann gern die ausgebildeten Kräfte ab.“ Das soll sich ändern. Geplant ist ein großer Topf, eine Finanzierungsumlage, an der sich alle Einrichtungen beteiligen.
Auch das Schulgeld, das immerhin noch in sieben Bundesländern gezahlt werden muss, falle in Zukunft komplett weg.
Zusätzlich zur generalisierten Ausbildung soll auch ein akademischer Grad in der Pflege angeboten werden.

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