„Eine Geschichte über das Leben“

Nabucco auf dem Burgplatz: Regisseur Klaus Christian Schreiber erzählt dicht an der ursprünglichen Geschichte

Probe: Regisseur Klaus Christian Schreiber mit Abigaille (Yulianna Bawarska). Foto: Bettina Stoess/Staatstheater

Regisseur Klaus Christian Schreiber spricht im NB-Interview über sich und seine Arbeit an Nabucco:

Warum Nabucco?

Weil es mir angeboten wurde. Mein erster Gedanke war: Warum nicht?

Sie sind ein junger Regisseur, heißt, Sie sind bisher vor allem Schauspieler, Nabucco ist erst Ihre zweite Regiearbeit. Sind Sie aufgeregt?

Ich bin immer aufgeregt. Vor jedem Auftritt, vor jeder Probe.

Ihre erste Regiearbeit war auch in Braunschweig, „Die Lustige Witwe“ in der vergangenen Spielzeit. Ein Riesenerfolg. Hilft diese Erfahrung bei Nabucco?

Auf jeden Fall. Bei der Witwe war die Stimmung extrem gut. Das schafft Vertrauen.

Als Schauspieler kennen Sie beide Seiten. Welchen Einfluss hat diese Erfahrung auf Sie als Regisseur?

Ich versuche, es Sängern leicht zu machen, ich bin ein Problemlöser. Bei den Proben springe ich sofort in die Szene und zeige, wie es noch besser wirken kann. Kritikgespräche am Ende, wo jeder einzeln abgefertigt wird, gibt es bei mir nicht.

Wie sieht „Ihr“ Nabucco aus? Was für eine Sichtweise haben Sie auf diese Oper?

Ich zeige die Geschichte wie sie ist. Ich inszeniere Nabucco zum ersten Mal und ich finde, die Zuschauer, vor allem die jungen Menschen, haben ein Recht, die ursprüngliche Geschichte zu sehen. Der Skandal um jeden Preis ist nicht mein Ding. Es ist legitim, dass andere Regisseure das anders sehen, aber ich will vor allem zeigen, wie und warum Menschen anderen Menschen bestimmte Dinge antun. Das war schon tausend Jahre vor Christus so und ist es immer noch.

Wie fangen Sie an, so eine Aufführung vorzubereiten? Schreiben Sie Pläne? Machen Sie Skizzen?

Nein, es ist alles in meinem Kopf. Bei Nabucco habe ich gleich zu Beginn den Sand, die Hitze und die Helligkeit gesehen – wobei, mit der Hitze wird es jetzt vielleicht nicht klappen. Und das ich ein Pferd brauche, war auch schnell klar. Dann kommen die ersten Konzeptionsproben mit allen Beteiligten. Und die haben mehr als 15 Jahre Open-Air-Erfahrung. Da wird schnell klar, was geht, was nicht, was schwierig ist.

Und die Personenführung? Haben Sie die auch im Kopf?

Ja. Die größte Schwierigkeit war, meine Bilder von der Probebühne im Schimmelhof auf den Burgplatz zu übertragen. Da wurde viel geändert. Denn gerade der Chor spielt eine Riesenrolle. Ich habe ihnen ein Bild gegeben: ‘Stell dir vor, du stehst mit vielen Geknechteten auf dem Burgplatz, du bist umzingelt von feindlichen Soldaten, ein Gedanke liegt in der Luft, du schaust zu deinen Leidensgenossen und prüfst, ob sie das Gleiche fühlen’. Daraus entwickelt sich dann ganz langsam der berühmte Gefangenenchor.

Die musikalische Seite liegt in der Hand von Generalmusikdirektor Srba Dinic. Wie ist die Arbeit mit ihm?
Großartig. Wir kannten uns nicht. Er macht, wie er denkt, und es gab nicht eine Sekunde, wo ich dachte, ach nee, lieber anders. Es geht ihm um die Sache, das, was Srba macht, ist zu mehr als 100 Prozent das, was ich fühle. Es passt genau zwischen uns. Ich kann seinen Herzschlag fühlen.

Sie betonten in der Matinee, wie sehr Sie sich wünschen, dass die Zuschauer ihre Kinder, Enkel und Urenkel mitbringen. Heißt, sie werben um junge Besucher. Haben Sie mit Nabucco der Jugend etwas zu bieten?

Ja. Ich kann sie nicht hereinziehen, aber ich fühle mich verpflichtet, jungen Menschen im Theater gewinnbringende Geschichten über das Leben zu erzählen. Ich hoffe, mit Nabucco ist uns das gelungen.

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