Eine gute Zwei fürs Einkaufen in Braunschweig | Neue Braunschweiger
2. November 2019
Wirtschaft

Eine gute Zwei fürs Einkaufen in Braunschweig

55 jahre NB: Braunschweiger Innenstadt im Wandel der Zeit: Befragte der Studie „Vitale Innenstädte“ bewerten die Löwencity insgesamt mit der Note 2,1

Der City-Point ist ein Teil der Geschichte der Braunschweiger Innenstadt - die Entwicklung ging weiter. Fotos (2): Braunschweig Stadtmarketing GmbH/oh

Innenstadt. Innenstädte sind einem ständigen Wandel unterworfen. Als Zentrum der Stadt müssen sie sich weiterentwickeln, sich an den Erwartungen und Wünschen der Einheimischen und Gäste orientieren und sich an die sich verändernden Strukturen anpassen. Das gilt auch für die Braunschweiger Innenstadt, in der sich in den vergangenen Jahren vieles getan hat.

Vor 55 Jahren steckte die Braunschweiger Innenstadt mitten in einem Aufschwung. Damals gab es noch deutliche Spuren des Krieges, nur kurz zuvor war die Trümmerräumung abgeschlossen worden. Die Innenstadt befand sich im Wiederaufbau, der sich am von Kurt Seeleke entworfenem Konzept der Traditionsinseln orientierte.
So wurde die Bausubstanz in der Nähe der Kirchen wiederhergestellt. Gleichzeitig entstanden neue Gebäude und Konzepte. Im Straßenzug Sack hatte beispielsweise 1953 das Warenhaus Hertie seinen Neubau eröffnet. Mit der ersten Rolltreppe Braunschweigs, Fahrstühlen und einer Dachterrasse machte es die Braunschweigerinnen und Braunschweiger so neugierig, dass eine Reiterstaffel der Polizei die Türen bei der Eröffnung des Kaufhauses schützen musste.

Wirtschaftsdezernent Gerold Leppa. Foto: Peter Sierigk

1986 wurde es geschlossen, umgebaut und zwei Jahre später als Einkaufszentrum City-Point wiedereröffnet. Mit über 12 000 Quadratmetern Verkaufsfläche und zahlreichen Fachgeschäften, Dienstleistungs- und Gastronomiebetrieben auf sechs Etagen gehörte es zur neuesten Generation innerstädtischer Einkaufszentren.

Belebung der City

Heute, gut 30 Jahre später, ist der City-Point wie das Hertie-Kaufhaus ein Teil der Geschichte der Braunschweiger Innenstadt, denn die Entwicklung ging weiter. Erst dieses Jahr hat dort das Konrad-Koch-Quartier eröffnet, nach einer Runderneuerung des Gebäudes und mit neuem Konzept, angepasst auf die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden. „Bereits wenige Monate nach seiner Eröffnung erleben wir hier eine spürbare Belebung“, sagt Gerold Leppa, Braunschweigs Wirtschaftsdezernent, und ergänzt: „Im Gebäudeensemble gegenüber findet die Veränderung aktuell statt: Das Langerfeldt-Haus wird aufwendig saniert, damit es seine Türen bald mit neuen Nutzungen wieder öffnen kann.“
Die Entwicklungen im Straßenzug Sack sind nur Beispiele der Veränderungen. Es gibt viele weitere: Viel Aufmerksamkeit haben 2007 die Rekonstruktion der Residenzschlossfassade und der Bau der Schloss-Arkaden erregt. Es war damals eine knappe Entscheidung für das Projekt, das in einer solchen Dimension noch nicht in Braunschweig vorgekommen war. „Dass es so polarisieren konnte, zeigt nur, wie wichtig den Braunschweigerinnen und Braunschweigern ihre Innenstadt ist. Umso schöner ist, wie es sich seither entwickelt hat. Durch die Zusammenarbeit aller Akteure konnten sich die Schloss-Arkaden wunderbar in das Konzept der Innenstadt integrieren und das Angebot bereichern anstatt bloß mit dem ansässigen Einzelhandel zu konkurrieren. Darauf kann Braunschweig stolz sein. Das war ein Grund für unsere Kampagne ‘Ist schön. Wird schön.’“, sagt Gerold Leppa.

Das neue Gesicht

Das Stadtmarketing wollte an diesen Meilenstein erinnern und gleichzeitig zeigen, was weit darüber hinaus in der Innenstadt passiert und noch passieren wird, aber vielleicht weniger auffällig ist. Denn mit der Rekonstruktion der Schlossfassade und dem Bau der Schloss-Arkaden ging ein umfassendes Umgestaltungsprogramm für die Braunschweiger Innenstadt einher, das kleine und große Veränderungen mit sich brachte. Ganze Plätze wie der Bankplatz erhielten ein neues Gesicht, manche Orte wurden aufgewertet und erhielten wie der Domplatz zusätzliche Bänke, während anderen wie dem Friedrich-Wilhelm-Viertel mit beleuchteten Blumenkübeln oder dem vorher als Parkplatz genutzten Platz der Deutschen Einheit mit dem Brunnenfeld individueller Charme verliehen wurde. „All diese Veränderungen sind wichtig. Heute stehen Innenstädte vor einer großen Herausforderung. Sie müssen neue Funktionen erfüllen, sind nicht mehr nur Handelsort, sondern Treffpunkt für Einheimische und Gäste“, meint Gerold Leppa. Längst gehe es in der Innenstadt nicht mehr nur darum, ein vielseitiges Angebot zu haben, sondern darum, eine hohe Aufenthaltsqualität zu bieten und attraktive Erlebnisse für die Freizeit zu schaffen. „Daran arbeiten wir als Stadtmarketing gemeinsam mit zahlreichen Akteuren, sei es mit der Stadtverwaltung mit der Realisierung baulicher und stadtgestalterischer Maßnahmen oder mit dem Arbeitsausschuss Innenstadt Braunschweig (AAI) mit dem City-Check zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität und der Entwicklung der Servicequalität im Handel. Außerdem unterstützt uns der AAI dabei, zahlreiche Veranstaltungen in der Innenstadt zu realisieren“, erläutert Gerold Leppa.

Die Kombination von vielseitigem und kompetentem Einzelhandel aus lokalen eigentümergeführten Fachgeschäften und führenden Filialisten, sehenswertem Stadtbild, hoher Aufenthaltsqualität, abwechslungsreichen Kultur- und Freizeitangeboten und Veranstaltungen funktioniert. Die Innenstadt ist lebendig.
Das zeigt die Beobachtung und Reflexion, die die Weiterentwicklung erfordert. „Mittlerweile erfassen wir die Besucherfrequenzen in der Innenstadt seit drei Jahren digital per Laser. Sie überzeugt mit Werten von über 39,5 Millionen Passantenbewegungen bei der letzten Auswertung von September 2018 bis August 2019“, erklärt Gerold Leppa.

Investitionen geplant

Dass die Innenstadt gut bei ihren Besuchern ankommt, hat erst Anfang des Jahres die aktuelle Auflage der Studie „Vitale Innenstädte“ des Instituts für Handelsforschung ergeben. Die Befragten bewerteten die Braunschweiger Innenstadt mit der Gesamtnote 2,1 und damit nicht nur 0,2 Prozent besser als bei der letzten Umfrage 2016, sondern auch 0,4 Prozent besser als der Durchschnitt der Städte vergleichbarer Größe. „Doch darauf wollen und können wir uns nicht ausruhen. Der Wandel vollzieht sich stetig und erfordert Mut zur Veränderung und Weiterentwicklung, sei es im Hintergrund mit dem Ausbau digitaler Serviceleistungen im Handel oder gut sichtbar wie bei der Umgestaltung der Burgpassage zur Burggasse“, betont Leppa. Das mehr als 30 Jahre alte Einkaufszentrum soll zu einer offenen Ladengasse umgebaut und eine einladende Wegeverbindung zwischen Schuhstraße und Hutfiltern werden. Auch für den Welfenhof gibt es Überlegungen für Investitionen. „Es bleibt also spannend in unserer Braunschweiger Innenstadt“, ist Leppa überzeugt.

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