Eine komplette Uni ins Netz gehievt | Neue Braunschweiger
1. November 2020
Menschen

Eine komplette Uni ins Netz gehievt

Gute Organisation: Professorin Dr. Katja Koch hat den Präsidentinnen-Job und ihr Haus im Griff

Alles online. Die Erstsemester wurden mit einer Lichtinstallation begrüßt. Foto: TU

Braunschweig. „Was bin ich froh, dass ich an der TU Braunschweig bin“ – ein Gedanke, den Professorin Dr. Katja Koch schon vor längerer Zeit auf einem Kongress durch den Kopf schoss. Denn „ihre“ TU Braunschweig entpuppte sich – vor allem im Vergleich – als sehr gut organisiert. Ein Vorteil, der jetzt unter Coronabedingungen, doppelt und dreifach wiegt. „Wir haben einen Krisenstab, der großartige Arbeit leistet“, lobt die aktuelle Präsidentin ihr Team, „und einen Stufenplan, der transparent ist.“

Mit einer Art Schneeballsystem werden Mitarbeiter und auch Studierende sofort informiert, wenn es Veränderungen gibt. Ein Ampelsystem regelt die aktuellen Abläufe. „Die Rückmeldungen zeigen uns, dass dieser Weg wertgeschätzt wird“, sagt Koch.
Sie kennt die Uni wie ihre Westentasche, gut zehn Jahre ist sie in Braunschweig. „Nach einer Vertretung 2008 habe ich mich für diese Universität entschieden“, blickt sie zurück, „die Möglichkeiten der Forschung haben mich überzeugt.“

Als eine von fünf Vizepräsidentin hatte sie genug Erfahrungen gesammelt, um jetzt die Führungsrolle – Übergangsweise – zu übernehmen.
Die bisherige Präsidentin, Anke Kaysser-Pyzalla, ist seit kurzem Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Und deshalb macht jetzt Katja Koch diesen Job mit. Gremienarbeit, Konferenzen, Krisensitzungen und mehr. „Ich moderiere zahlreiche Prozesse“, erklärt sie, „um die Umsetzung kümmern sich meist andere.“

Dr. Katja Koch. Foto: Marc Stantien

Und da kann sie wieder auf die gute Organisation zurückgreifen. „Wir waren und sind für diese Pandemie ziemlich gut aufgestellt“, erklärt sie. Seit zehn Jahren finanziert die Uni aus Drittmitteln den „Qualitätspakt Lehre“. Hierbei geht es auch um digitale Kompetenz. „Der Grundstock war also da“, blickt Koch auf den Beginn der Pandemie, „allerdings noch nicht für alle.“ Innerhalb kurzer Zeit konnten die Schulungen ausgeweitet werden.
Bereits im März beschloss eine Konferenz, die nötige Technik anzuschaffen, um weite Teile der Lehre online zu stellen. Das „Projekthaus“ schult die Lehrenden, unieigene Whats-App-Gruppen sind eingerichtet, Softewarelizenzen wurden angeschafft, damit sich Hunderte von Studenten auf einmal einloggen können, es gibt extra Portale für Hausaufgaben und vieles mehr.

Auch das Projekt „We Care“ wurde ins Leben gerufen, um Studierenden in Notlagen zu helfen, ein Foodtruck steht im Univiertel, weil die Mensen geschlossen sind. Alle Vorlesungen laufen im Netz. Solange die Ampel noch nicht umschaltet war, gab es noch einige Präsenzveranstaltungen. Manches geht eben nicht im Homeoffice: Laborversuche zum Beispiel oder auch Übungen im Sport. „Der Aufwand ist für alle sehr viel größer“, ordnet Katja Koch ein. Macht aber den Erstsemestern auch Mut: „Finden Sie heraus, wann Sie wie am besten arbeiten und lernen können“, empfiehlt sie. „Für mich war immer ein fester Plan hilfreich. Ich habe mir am Anfang meines Studiums ausgerechnet, wie viele Hausarbeiten ich schreiben muss und wie lange ich dafür brauchen werde. Und dann habe ich diesen Wert durch meine Semester geteilt. Und angefangen.“
Wichtig sei dranzubleiben, nicht aufgeben, im Zweifel den Dozenten ansprechen. Und: „Pausen, und Dinge, die Spaß machen, gehören unbedingt dazu“, sagt die Präsidentin.

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