Eine neue Chance für Buddy, Senda und die anderen

10 000 Euro: Tierheim am Biberweg freut sich über anonyme Spende

Senda braucht einen Menschen, auf den sie sich verlassen kann. Foto: Marion Korth

Ölper. Ruhige Tage im Tierheim. Etliche Zwinger sind frei, auch im Katzenhaus ist Platz. Je weniger Tiere, desto besser. Um die 35 Katzen, 30 Hunde und 150 Kleintiere (wobei die Mäuse den größten Anteil ausmachen), das ist der Stand zum Jahresbeginn 2019.

Für die meisten Tiere bleibt das Tierheim am Biberweg eine Durchgangsstation. Aber manche Pfleglinge bringen eine Geschichte mit, die den Neuanfang erschwert. Dann ist das Tierheim mehr als ein Zuhause auf Zeit.
Tierheimleiterin Verena Geißler stellt uns Labrador-Mischling Buddy vor, ein echter Schmusebär, wie’s scheint. Sie kennt ihn und seine andere Seite. Buddy testet gern mal aus, ob er nicht doch den Chefposten übernehmen kann, dann wird er unangenehm. Schon mehrere Vermittlungen waren nur von kurzer Dauer. Oder Ares. Die Englische Bulldogge ist ein Kraftpaket, verschmust, verspielt und manchmal ganz schön wild. Wer nicht mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, wird keine Freude mit ihm haben. Und Wohnungskatze Amy braucht dringend Freigang, sie kam ins Tierheim, weil sie ihre Besitzer angegriffen hat. Alles Geschichten, die noch auf ein Happy End warten. Die schönen Erlebnisse gibt es auch. 10 000 Euro hat das Tierheim in diesen Tagen als anonyme Spende erhalten. Verena Geißler sagt danke, nicht nur dafür. Weiter auf Seite 6.

Weihnachten ist längst vorbei, nur im Braunschweiger Tierheim nicht. Da sind auch nach den Festtagen liebe Tierfreunde mit Kissen und Kuscheldecken unterm Arm und Paletten voller Dosenfutter vorbeigekommen. „Die Braunschweiger halten uns die Treue, das ist nicht überall so.“ Tierheimleiterin Verena Geißler ist dankbar für die Unterstützung und die Spenden aus der Bevölkerung. In manchen Zeiten stehen mehr Freiwillige bereit, als Hunde, die ausgeführt werden sollen. „Es ist schrecklich, wenn ich dann jemand wegschicken muss“, sagt Verena Geißler. Im Vergleich zu Tierheimen anderswo ein Luxusproblem.
Die gute Vermittlungsquote wäre ohne die Leute, die sich bewusst für ein Tier aus dem Tierheim entschließen, nicht möglich. Und so kann sie hoffen, dass sich auch für diejenigen Vierbeiner, die schon lange im Tierheim sind, doch noch der „richtige“ Mensch findet. Viele Familien richten sich bei der Hundewahl allein nach der Optik. Ein Fehler, dessen Folgen oft genug die Tiere zu tragen haben. Verena Geißler sieht jeden Tag in die erwartungsvollen Augen der Hunde in den Zwingern, aber sie kann schließlich nicht alle mit nach Hause mitnehmen.
Ein Neuzugang kam gleich am ersten Weihnachtsfeiertag. „Ob es wirklich ein Fundhund ist ­– das können wir nicht wirklich nach-prüfen.“ Jedenfalls ist der Hund nicht vermisst gemeldet worden. Die Kleintiere – Meerschweinchen, Mäuse, Kaninchen und so – die werden erst im März gebracht. „Dann ist der Reiz des neuen Weihnachtsgeschenkes weg und die Eltern merken, dass die Pflege der Tiere nun an ihnen hängenbleibt“, sagt Verena Geißler. Sie kann sich an einen Fall erinnern, als eine junge Frau einen Hund abgab mit den Worten: „Den habe ich   geschenkt bekommen, aber ich weiß gar nicht, was ich mit einem Hund anfangen soll“.

Weniger Katzenbabys

Zum Glück sind da auch die gegenteiligen Beispiele. So nimmt die Zahl der Katzenbabys im Tierheim stetig ab. Früher seien es in jedem Jahr um die 120 gewesen, jetzt noch 20. „Das kann sich schnell wieder ändern, aber grundsätzlich ist da ein Trend zu erkennen.“ 2014 trat die Kastrationsverordnung in Braunschweig in Kraft, schon seit 2007 kümmert sich auch das Tierheim darum, Katzen zu kastrieren. Anfangs waren es um die 100 Kastrationen im Jahr, doch es werden immer weniger. Es scheint, als würden die Bemühungen langsam Früchte tragen.
Andere Trends halten sich dafür umso hartnäckiger. Und deshalb kaufen sich Leute weiterhin Kornnattern und andere Reptilien, ohne sich Gedanken über deren Haltung oder Fressgewohnheiten zu machen. „Schlangen werden groß und alt“, sagt Verena Geißler. Der Reptilienraum im Tierheim ist voll. Zuletzt hatte ein zweiter Kühlschrank angeschafft werden müssen, damit die Landschildkröten unter gesicherten Bedingungen ihre Winterruhe halten können. „Diese Tiere stehen unter Artenschutz, haben aber keine Papiere, wir dürfen sie nur an zoologische Einrichtungen weitergeben“, erläutert die Tierheimleiterin. Doch nur selten wird dort einmal ein Platz frei.

Neue Quarantänestation

Ein anderes Problem wird in diesem Jahr angegangen: Ein altes Hundehaus wird zur Quarantänestation umgebaut. Zuletzt hatte das Tierheim im November vom Zoll beschlagnahmte Hundewelpen aufnehmen müssen. Impfpapiere hatte niemand für die Tiere dabei, auch nicht für die Hunde, die auf dem Schützenplatz aus dem Kofferraum heraus verkauft oder von Bettlern in der Stadt angeboten werden und schließlich im Tierheim landen. Bis zu drei Monate Quarantänezeit sind notwendig, um auszuschließen, dass die Tiere nicht Tollwut oder andere Krankheiten haben. „Auch wir müssen mit der Zeit gehen“, sagt Verena Geißler.

Tito ist so, wie man sich einen Spitz-Terrier-Mix vorstellt: klein, vorlaut und eigensinnig. Was er nicht will, will er nicht. Wer ihn einfach am Halsband schnappt, wird selbst geschnappt. Wenn ihm etwas gegen den Strich geht, zeigt Tito das deutlich und wird rabiat. Das muss man wissen, um mit ihm gut klarzukommen. Das ist sehr wohl möglich, denn: Tito (hier mit Tamara Otto) ist sehr gut erzogen,gehorcht aufs Wort, lässt sich auch ohne Leine führen und gern kraulen. Foto: Korth
Buddy (Labrador-Mischling, acht Jahre alt) ist super verschmust, braucht aber klare Grenzen. „Buddy ist total nett, muss aber wissen, wo er in der Familie steht. Er stellt seine Menschen in Frage“, sagt Tierheimleiterin Verena Geißler. Sobald es um sein Futter geht oder er sich über einen anderen Hund aufregt, vergisst er sich manchmal und schnappt zu. Sein neuer Halter sollte deshalb unbedingt Erfahrung mit Hunden mitbringen. Foto: Marion Korth
Jetty ist eine sehr liebe und freundliche Hündin – auch im Umgang mit Kindern. Jetty (hier mit Frederike Braack) kommt aus einem Tierheim in Frankreich. Sie war ausschließlich als Zuchthündin gehalten worden. Obwohl sie acht Jahre alt ist, zieht sie an der Leine und muss erst lernen, was es heißt, in einer Wohnung zu leben. Jetty hat einen sehr starken Jagdtrieb (Deutsch Kurzhaar). Jetty leidet unter Leishmaniose. Dank Tabletten ist sie aber beschwerdefrei. Korth

 

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