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„Eine Tube Marketing reicht einfach nicht“

Frank Oppermann, Theaterleiter des C1 Cinema, über den großen Kinoumbau und die Wohlfühloffensive

Frank Oppermann, langjähriger C1-Cinema-Theaterleiter, kämpft mit neuen Konzepten, mehr Qualität und Service, gegen die zurückgehenden Besucherzahlen. Holger Isermannoh

Innenstadt. Es ist einer der am meisten frequentierten Treff- und Anziehungspunkte in der Innenstadt Braunschweig: Das C1 Cinema. Nun soll es für sieben Millionen Euro renoviert, umgebaut und fit für die Zukunft gemacht werden.
Die Kinosäle und das Foyer werden „veredelt“, die neuen Premiumsäle werden zukünftig mehr Wohlfühlkomfort bieten. Die Branche muss sich bewegen: Das Kinojahr 2018 ist schlechteste seit Jahrzehnten. Zudem konkurriert man mit Internetgiganten wie Netflix, Amazon und Co. um Zuschauer.
NB-Mitarbeiter Christian Göttner sprach mit dem ­C1-Cinema-Theaterleiter über den Umbau, neue Konzepte und das „große gemeinsame und außergewöhnliche Sinnenerlebnis“.

Herr Oppermann, warum wird das C1 umgebaut?
Um der Konkurrenz der Streamingdienste und des Internetkonsums etwas entgegenzusetzen, muss sich das Kino immer wieder neu erfinden. Die Renovierung ist ein Bestandteil des Konzeptes, das wir in dem nächsten Jahr weiterführen und abschließen möchten.

Was genau wird verändert und verschönert?
In erster Linie werden die Kinosäle und das Foyer „veredelt“. Die neuen Premiumsäle bieten neben den klassischen Kinostandards einen Wohlfühlkomfort, den sich der Gast zu Hause nur schwer bereiten kann, und der in der Gemeinschaft nur hier im C1 zu finden ist. Drei Platzgruppen laden zum Genießen ein. Erstens Premiumsessel: elektrisch verstellbare Ledersessel mit Beinstütze und großzügigem Reihenabstand. Zweitens Komfortsessel: bequeme Ledersessel mit verstellbaren Rückenlehnen. Und drittens Liegesessel, die eine bequeme Sicht in der ersten Reihe ohne Genickstarre garantieren. Im Laufe des kommenden Jahres werden während des laufenden Kinobetriebs alle weiteren Säle veredelt und der Service um Garderobe, Begrüßungsgetränk und direktem Bedienservice im Kinosaal erweitert.

Wie sieht die aktuelle Lage in der regionalen Kinolandschaft aus?
Der Jahrhundertsommer hat dem ohnehin schon schwächelnden Kinojahr zu dem schlechtesten Ergebnis seit Jahrzehnten verholfen: der Branchenrückgang liegt bei mehr als 20 Prozent gegenüber Vorjahr; das C1 kommt dabei mit knapp 17 Prozent vergleichsweise glimpflich weg.

Wie beurteilen Sie das Kinojahr 2018, wie wird 2019?
Das Kinojahr 2018 hat eines unmissverständlich für die Gesamtbranche klargestellt: So weitermachen wie immer, hier ein paar kleine Schönheitskorrekturen und eine Tube Marketing mehr, werden nicht ausreichen, um den Abwärtstrend aufzuhalten. Es braucht zukunftsfähige Konzepte – auf lokaler Ebene genauso wie auf branchenweiter Ebene in allen Bereichen: Sowohl, was die Filmangebote – national und international – anbetrifft, als auch, was die Aufstellung der Filmtheater in Bereichen des Service, der Wohlfühlqualität und der Technik anbelangt, die mit echten Mehrwerten überzeugen müssen. In 2019 werden dafür die Weichen gestellt!

Wie hart ist und wird der Kampf der Kinos gegen Streamingdienste wie Netflix, Amazon und Co.?
Ein Kampf gegen Internetgiganten wie Netflix und Amazon ist sinnlos, da die Kinos weder lokal noch national die Möglichkeiten dazu besitzen. Das Kino kann nur punkten, wenn es seine individuellen Vorzüge herausstellt und seine Gäste weiterhin mit Qualität und Service an sich binden kann. Das Kino der Zukunft funktioniert als das große gemeinsame und außergewöhnliche Erlebnis für die Sinne. Wir hoffen, mit der Renovierung einen Schritt dazu beizutragen.

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