Einen „Shutdown“ darf es hier nicht geben | Neue Braunschweiger
11. August 2020
Politik

Einen „Shutdown“ darf es hier nicht geben

Baustellenrundgang im neuen Führungs- und Lagezentrum – Im Notfall kommt es auf die Technik an

Das neue Führungs- und Lagezentrum entsteht gegenüber der alten Hauptfeuerwache an der Feuerwehrstraße/Ecke Hasenwinkel. Der Platz zwischen den beiden Gebäuden wird künftig der Feuerwehr vorbehalten bleiben. Foto: Bernward Comes/Braunschweiger Zeitung

Nördliches Ringgebiet. In dicken Bündeln hängen die blauen Datenkabel von der Decke. Noch sind sie nicht angeschlossen, noch summen auch die Großrechner nicht. „Die Hülle steht“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Markurth über das neue Führungs- und Lagezentrum der Braunschweiger Feuerwehr. Jetzt sei die Technik dran.

Genau sie ist das eigentlich Komplizierte an dem Bau und führte letztlich auch zu einem monatelangen Zeitverzug, denn eigentlich hätte das Lagezentrum bereits in diesem Sommer in den Probebetrieb gehen sollen. „Wir haben hier ein hoch komplexes Bauvorhaben vor uns, dass aufgrund seiner Spezialtechnik viel anspruchsvoller ist als andere städtische Neubauten“, erklärte Hochbaudezernent Holger Herlitschke und räumt „Planungsprobleme“ ein.

Die Verwaltung ist mit Aussagen inzwischen vorsichtig geworden, nennt als möglichen Fertigstellungstermin das kommende Frühjahr. „Und dann testen wir die Technik erst einmal auf Herz und Nieren“, betont Torge Malchau, Leiter der Berufsfeuerwehr Braunschweig.

Beim Rundgang durch den Rohbau macht er klar, worauf es bei der neuen Leitstelle vor allem ankommt: Niemals darf es dort einen „Shutdown“ geben. Und damit im Falle eines Super-GAUs, also dem kompletten Zusammenbruch des Medien- und Versorgungsnetzes in Braunschweig, alles reibungslos weiterfunktioniert, gibt es in dem 3000 Quadratmeter großen Gebäude alles in doppelter Ausführung. „Die Kommunikation ist sogar dreifach gesichert“, sagt Torge Malchau über den „Antennenwald“ auf dem Dach. Fällt die Kabelverbindung aus, wird über den eigenen Funkmast gesendet, hat der Probleme, unterstützen die Amateurfunker.

Insgesamt 22,7 Millionen Euro investiert die Stadt zusammen mit den Landkreisen Wolfenbüttel und Peine in das neue Führungs- und Lagezentrum. Das neue Führungs- und Lagezentrum wird nicht nur Sitz der Integrierten Regionalleitstelle (IRLS) sein und damit zuständig für eine halbe Million Menschen. Es ziehen auch sämtliche Büroarbeitsplätze der Berufsfeuerwehr ein, außerdem gibt es einen Stabsraum für Katastrophenfälle.

Der neue Hochbaudezernent Holger Herlitschke, Feuerwehrdezernent Christian Geiger, Torge Malchau, Leiter der Berufsfeuerwehr Braunschweig, und Oberbürgermeister Ulrich Markurth stellten den Stand der Arbeiten im neuen Führungs- und Lagezentrum vor. Die Räume lassen viel Licht herein und sind voll klimatisiert. Foto: Birgit Wiefel

„Rund 250 000 Mal im Jahr wird die 112 gewählt, bis zu 300 Mal am Tag rücken wir zu Einsätzen aus“, macht Torge Malchau den Handlungsdruck klar, warum die alte Hauptfeuerwache dringend ersetzt werden musste. Die fällt dennoch nicht dem Bagger zum Opfer. Nach dem Umzug wird das Gebäude saniert und dann die Feuerwehrfahrzeuge, Werkstätten und die Aufenthaltsräume der Kameraden aufnehmen. „Wir investieren hier in die Zukunft“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Markurth über das hochmoderne, helle und voll klimatisierte Gebäude an der Feuerwehrstraße. „Das ist wichtig – auch um langfristig motivierten Nachwuchs für die Berufsfeuerwehr zu gewinnen.“

Auch interessant