Einer der Gründungsväter der NB ist gestorben: Verleger Sigfried Jungfer | Neue Braunschweiger
14. Januar 2019
Menschen

Einer der Gründungsväter der NB ist gestorben: Verleger Sigfried Jungfer

Gemeinsam mit seinem Vater gründete Sigfried Jungfer Verlage im Harz und die NB

Sigfried Jungfer. Foto: privat

Herzberg. Er war einer der prägenden Köpfe der südniedersächsischen Zeitungslandschaft. Jetzt ist der Verleger und Druckunternehmer Sigfried Jungfer im Alter von 85 Jahren verstorben.

Mitte der 60er Jahre hatte er gemeinsam mit seinem Vater Erwin Jungfer den Sprung vom Harz in die 250 000 Einwohner zählende Stadt Braunschweig gewagt, um die eigene Druckerei in Helmstedt zu stärken. „Man wird auch die neue Braunschweiger lieben lernen“ – mit diesen Worten hatte Erwin Jungfer die Leser auf der Titelseite der ersten „Neuen Braunschweiger“ begrüßt.

Der Anfang der Verlegerkarriere liegt im Harz: Eine kleine Buchdruckerei in der Herzberger Hauptstraße mit Setzkästen und Bleilettern, die Vater Erwin Jungfer 1950 pachtete und zehn Jahre später erwarb, legte den Grundstein für seinen unternehmerischen Werdegang. Der gebürtige Schlesier Sigfried Jungfer fand in Herzberg seine zweite Heimat, mit der er sich bis zu seinem Lebensende eng verbunden fühlte. Im Jahre 1954 trat er in den väterlichen Betrieb ein.
Als Anzeigenberater, Abonnentenwerber, Drucksachenverkäufer und Techniker an der Druckmaschine erwarb er sich das Know-how, um als Verleger und Druckunternehmer erfolgreich durchzustarten. Mit Weitblick und der ständigen Bereitschaft, in neue Entwicklungen zu investieren, schuf er ein auf Wachstum ausgerichtetes Unternehmen. Neben dem Zeitungsverlag, der mit dem Harz Kurier auch Anzeigenblätter herausgibt, entstand eine der größten Rollenoffset-Druckereien in Deutschland, die Kunden aus ganz Europa beliefert.

NB in Braunschweig

„Man will nicht, dass mehr als 35 000 Haushalte mit Weib und Kind und Kegel ohne Ortszeitung sind“, hatte der Verleger Erwin Jungfer die Menschen in seinem ersten Leitartikel wissen lassen. „Wir fördern weder die Unmoral noch die Prüderie“, hatte er geschrieben, „melden auch Sie sich zu Wort, wenn Sie zum Wohle Braunschweigs eine Aussage zu machen haben.“ So klang das damals, wenn der „Chefredakteur“ sich zu Wort meldete. Sohn Sigfried Jungfer erinnerte sich im Gespräch mit der NB gut an die Anfangsjahre. Er hatte sich damals um den Vertrieb gekümmert. „Unser Ziel damals war nicht journalistische Höchstleistung, sondern zunächst einmal, sich überhaupt am Markt zu behaupten“, blickte der Sohn im Gespräch 2014 zurück. Obwohl es 1964 bereits 170 Wochenblätter in Deutschland gab, war die „neue Braunschweiger“ hier in der Region etwas absolut Neues. Zehn Jahre hielten Vater und Sohn durch, dann verkauften sie an die Braunschweiger Zeitung.

Aus kleinen Anfängen

Aus kleinen Anfängen heraus hatten die Familienmitglieder, die als Vertriebene in den Harz kamen, „ihr persönliches Wirtschaftswunder geschaffen“, beschreibt Sigfrieds Tochter Christiane Jungfer-Hübner in ihrem Buch „Am Anfang stand die Zukunft“.

Für Sigfried Jungfer stand bei allen Entscheidungen das Verantwortungsgefühl für die Mitarbeiter und die Sicherung der Arbeitsplätze immer an erster Stelle. Mit unermüdlichem Einsatz und großer Selbstdisziplin hat er über 50 Jahre für sein Unternehmen gearbeitet. 2007 übergab er die Rollenoffset-Druckerei durch ein Management-Buy-Out an führende Mitarbeiter. Den Verlag mit der Tageszeitung Harz Kurier und den Anzeigenblättern Echo zum Sonntag und Harzer Wochenspiegel verkaufte er an den Braunschweiger Zeitungsverlag, der heute zur Funke Mediengruppe gehört.
Gemeinsam mit seinem Jugendfreund und langjährigen Redaktionsleiter Adolf Bischof (1933-2016) wurde er nicht müde, mit dem Harz Kurier eine Heimatzeitung herauszugeben, die die Menschen von Bad Grund bis Walkenried im heutigen Altlandkreis Osterode verbinden sollte.

Sein Wirken war jedoch auch von harten Auseinandersetzungen, Enttäuschung und der Sorge um das Wohlergehen seines Unternehmens geprägt. Ein schwerer Schicksalsschlag traf die Familie, als Sohn Reinhard bei einem Autounfall tödlich verunglückte. Die Kraft für seine Aufgaben fand er in der Unterstützung seiner Familie, aber auch in einem großen Freundeskreis. Sigfried Jungfer pflegte die Geselligkeit, sein Haus am Freudenstein stand immer offen für Gespräche.
Mit seiner Frau Irmgard holte er nach, was in arbeitsreichen Jahrzehnten versäumt wurde. „Gleich zu Beginn meines Ruhestandes sind wir vier Monate um die Welt gefahren“, hatte Sigfried Jungfer im NB-Gespräch erzählt.
Zuletzt verließen ihn, den „Macher“, jedoch die Kräfte. Sigfried Jungfer starb umsorgt im Kreis seiner Familie.

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