27. Oktober 2021
Wirtschaft

Einladung an alle Skeptiker: „Fordern Sie uns heraus“

Die Kaufmännische Union feiert ihren 203. Gründungstag – „Lunch-Speaker“ Claas Schmedtje nimmt die 150 Gäste mit in die Medienwelt

Funke-Geschäftsführer Claas Schmedtje (Mitte) umrahmt von Unionspräsident Adalbert Wandt (rechts) und seinem Vize Sascha Harland. Foto: Obi-Preuß

Innenstadt. Kein Platz blieb leer: „Festlicher Mittagstisch“ stand auf der Einladung zum 203. Gründungsfest der Kaufmännischen Union. Und das ließen sich mehr als 150 Gäste nicht entgegen. Im Al Duomo ging es lebhaft zu, die Frauen und Männer des Vereins hatten sich nach der langen Zeit offensichtlich viel zu erzählen.

„Unsere letzte Mitgliederversammlung war 2019“, sagte Adalbert Wandt als Vereinspräsident, „umso schöner, dass wir uns endlich wieder persönlich treffen können.“ Und Wandt setzte voraus, dass sein „Festredner“ Claas Schmedtje Geduld mitgebracht hatte, denn zunächst gab es noch Ehrungen auszusprechen und Neuaufnahmen zu würdigen. Goldene Nadeln wurden an die Reverse gesteckt für langjährige Mitglieder, als Ehrenmitglied wurde Friedrich-Karl Fegert begrüßt, der 96-Jährige gehört seit 1953 zur Kaufmännischen Union. Seit einem denkwürdigen Auftritt der damaligen Wirtschaftsministerin Birgit Breuel 1978 gehören auch Frauen zum vormals reinen Männerclub. „Wir zählen heute mehr als 470 Mitglieder, immerhin sind 20 Prozent Frauen dabei“, sagte Adalbert Wandt.

Zwischen Vorspeise und Rinderfilet kam schließlich Claas Schmedtje zu Wort. Er verantwortet als Funke-Geschäftsführer das Hamburger Abendblatt sowie die Braunschweiger Zeitung und präsentierte dem staunenden Publikum erstaunliche Zahlen. Denn entgegen der weit verbreiteten Meinung, Tageszeitungen und seriöser Journalismus seien dem Untergang geweiht, konnte Schmedtje von einer Trendwende berichten.

„Brauchen wir in Braunschweig eine Braunschweiger Zeitung?“ stellte er eine Frage in den Mittelpunkt seines Vortrags, um direkt zu antworten: „Eindeutig ja.“ Schmedtje sprach von einer inzwischen 75 Jahre andauernden Stabilität in Europa, zu der auch die Tageszeitungen beigetragen hätten: „Unabhängiger Journalismus, verlässliche, seriös geprüfte Information gehören zum Wesen der Demokratie und sind heute wie vor 75 Jahren Kern und Seele der BZ.“
Und das sehen die Menschen offenbar genauso. „Gerade in den letzten zwei Jahren hat sich viel verändert“, fuhr Schmedtje fort, Sinn und Wert der Tageszeitung würden gerade während und nach der Pandemie stärker geschätzt. Er zitierte Zahlen aus einer aktuellen Umfrage des Bundesverbandes der Deutschen Zeitungsverleger (BVDA), wonach mehr als 75 Prozent der befragten Menschen die Tageszeitung als Medium Nummer eins nennen, wenn es um zuverlässige Informationen geht. Und besonders interessant: Auch in der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen sind es 70,7 Prozent, während die Sozialen Medien mit nur 57,9 Prozent genannt werden.

Dennoch seien die Zeiten schwierig, betonte Schmedtje, „die Digitalisierung setzt uns unter Druck.“ Steigende Papierpreise, ein auf zwölf Euro zulaufender Mindestlohn, der Mangel an Zustellern, all das zwinge den Verlag Druck bei der Digitalisierung zu machen. Mit dem E-Paper sei die BZ auf dem richtigen Weg, das Portal werde laufend optimiert. „In Hamburg sind wir in der Strategie zwei, drei Jahre voraus und haben erstmals ein Wachstum von mehr als zwei Prozent“, freute sich Schmedtje. Das mache Hoffnung für die Zukunft auch in Braunschweig. In der Gewinnzone ist der Digitalisierungsprozess noch nicht, „aber wir haben noch nie so viele Menschen erreicht wie jetzt“, freute sich Schmedtje – rund 85 Prozent der Bevölkerung.

Inhaltlich werde in der Redaktion mehr denn je auf Meinungsvielfalt gesetzt, Themen mit Pro-und-Contra-Positionen beleuchtet. „Manchmal bis an die Schmerzgrenze“, sagte Schmedtje, „ich finde auch nicht alles gut, was ich lese, aber ich finde gut, dass alle Standpunkte Raum bekommen.“
Den Skeptikern gab er eine Einladung an die Hand: „Steigen Sie mit uns in den Dialog ein, fordern Sie uns heraus.“

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