Einmal nach den Sternen greifen | Neue Braunschweiger
10. Mai 2020
Menschen

Einmal nach den Sternen greifen

Bianca Schuchardt erobert die Männerdomäne Luft- und Raumfahrt

Ingenieurin Bianca Schuchardt forscht derzeit an unbemannten Drohnen, die im maritimen Einsatzgebiet der Bundespolizei Lagebilder erfassen und sicherheitskritische Situationen erkennen können. Foto: Maria Lüer

Lehre. So unendlich das All auch sein mag, aus weiblicher Sicht ist es immer noch ein Raum der begrenzten Möglichkeiten und vorwiegend eine Männerdomäne: Weltweit sind erst 60 Frauen im Orbit gewesen. Darunter noch keine einzige Deutsche.

Einmal nach den Sternen greifen, das wollte auch Dr. Bianca Schuchardt aus Lehre. Und so bewarb sich die 34-Jährige bei der Initiative „Die Astronautin“, die im Frühjahr 2021 erstmals eine Deutsche zur Internationalen Raumstation ISS fliegen lassen will. „Die Bewerbung begann ganz klassisch mit Lebenslauf und Motivationsschreiben“, erzählt Bianca Schuchardt, „außerdem sollte ein Bewerbungsvideo eingereicht und ein medizinischer Fragebogen ausgefüllt werden.“ Die Ingenieurin, die beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Institut für Flugführung arbeitet, landete schließlich bei 400 hoch qualifizierte Bewerberinnen – Naturwissenschaftlerinnen, Pilotinnen, Ingenieurinnen – unter den Top-90-Kandidatinnen.

„Leider wurde ich dann nicht für die eigentliche Ausbildung zur Astronautin ausgewählt“, bedauert Bianca Schuchardt. Den Luftraum erobert die zweifache Mutter trotzdem.
So entwarf sie 2017 ein Pkw-ähnliches Steuerungskonzept für den Einsatz im Hubschrauber. Und derzeit arbeitet sie an unbemannten Luftfahrzeugen, die im maritimen Einsatzgebiet der Bundespolizei Lagebilder erfassen und sicherheitskritische Situationen erkennen können. „Drohnen können die Arbeit der Bundespolizei enorm erleichtern“, erläutert Schuchardt. „Technologien, die wir an solchen unbemannten Systemen erforschen, können später auch für bemannte Systeme oder autonome Lufttaxis eingesetzt werden.“ Bianca Schuchardt hat ihre Entscheidung, Maschinenbau beziehungsweise Luft- und Raumfahrttechnik zu studieren, nie bereut. Sie will beim DLR bleiben, sagt die 34-Jährige. Weiter forschen. Und Beispiel für junge Frauen sein. Eine Inspiration eben „für jeden, der einen großen Traum hat und hart dafür arbeitet, diesen Traum wahr werden zu lassen.“

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