Einmal zum Mond und zurück

„Sonne-Mond-Sterne“-Festival begeisterte 35 000 Gäste – Fantasievolle Kostüme und Sprüche.

Abfeiern zu E-Musik: Wie jedes Jahr war das Sonne-Mond-Sterne-Festival ausgebucht. Fotos: Falk-Martin Drescher

Von Falk-Martin Drescher, 13.08.2014.

Thüringen, Saalburg. Musik statt Gefechte: Am vergangenen Wochenende zelebrierten mehr als 35 000 Musikfans das SonneMond-Sterne-Festival in Saalburg. 1806 fand hier ein Gefecht mit Napoleon statt, seit 1997 wird am östlichen Ufer der Bleilochtalsperre alljährlich zu elektronischer Musik gefeiert.

Power Rangers, Borat, Eulen und viele mehr: Ein Spaziergang über das SMS-Festivalgelände zeigte – wie übrigens auch auf vielen anderen Festivals –, dass es der jungen Generation keinesfalls an Kreativität mangelt. Vielmehr hat man den Eindruck, die Festivalwochenenden sind der Abschluss eines langen kreativen Prozesses zwischen „Was schreibe ich auf meine Schilder?“, „Welches Kostüm fällt auf jeden Fall auf?“ und „Mit welchen Gimmicks mache ich mich einmalig?“. Das Ergebnis waren aufwendige Kostüme, amüsante Sprüche auf Pappschildern und liebevoll gestaltete Zeltvorplätze – oder eher Zeltkleinstädte.
Ein gutes Händchen bewiesen nicht nur die Gäste, auch der Veranstalter hatte unter den rund 150 Acts viele sehenswerte Künstler verpflichtet. Am Freitag etwa gastierten Lexy & K-Paul, Deadmau5 und Oliver Koletzki auf den Bühnen. Einen impulsiven Abriss legten The Bloody Beetroots hin – eines der energiegeladensten Konzerte der vergangenen SMS-Jahre. Auch der US-amerikanische DJ und Produzent Steve Aoki gab im Anschluss sein Bestes, in gewohnter Manier mit reichlich Herumhüpfen und Tortenschmeißen.
Die weitgehend friedliche Atmosphäre des Festivals unterstrichen ebenso die Bands. Frittenbude etwa wandelte die „Wall of
Death“ zur „Wall of Love“ um – statt gegeneinander zu rennen, sollten sich die Fans umarmen. „Und alle haben sich lieb“, so die Band. Auch für politische Statements nahm sich die Elektropunk-Band Zeit: „Refugees Welcome“ war auf der riesigen Videoleinwand zu lesen. Sichtlich beeindruckt vom SMS-Festival zeigte sich Rapper Marteria. Im Rahmen der bewährten Tradition „die letzten 20 Sekunden“ sagte er: „Für das SMS-Festival geben wir gerne unser letztes Hemd“. Die Leute tanzten, massenweise flogen Shirts durch die Luft.
Im Gegensatz zu vielen anderen Headlinern ist Fatboy Slim ohne große Bühnendekoration (manch ein DJ legt von einem Raumschiff aus auf) ausgekommen. Lediglich ein handelsüblicher Tisch stand auf der riesigen Mainstage als der Brite Norman Cook alias Fatboy Slim mit einem erstklassigen Set und beeindruckenden zugehörigen Animationen und Musikvideos aufwartete. Ein krönender Abschluss, der bewies: Mit 51 Jahren ist die DJ-Legende musikalisch immer noch hochaktuell unterwegs.
Das Fazit: SMS, wir sehen uns wieder.

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