Einsatz für die Schwächeren im Land

Die ehemalige Pröpstin Ute Hirschler gehört jetzt zum Vorstand der Diakonie

Uta Hirschler. Foto: oh

Braunschweig. Die Größenordnung bleibt ungefähr gleich: Bis jetzt war Uta Hirschler für 28 Gemeinden mit rund 75 000 Mitgliedern zuständig, ab sofort gehören 75 000 Mitarbeiter in ihre Verantwortung – und noch viel mehr Menschen, die von diesen Mitarbeitern betreut und umsorgt werden. Die bisherige Braunschweiger Pröpstin ist in den Vorstand der Diakonie nach Hannover gewechselt. Dem größten Wohlfahrtsverband Niedersachsens.

Eigentlich ein fast logischer Schritt, denn die Wohlfahrtspflege zieht sich durch ihr Leben wie ein roter Faden. Bei ihrem Amtsantritt 2012 in Braunschweig fand sie die ambulante Pflege in der Diakonie in einer schweren Krise vor. Zähe Gespräche, schwierige Verhandlungen, durchgearbeitete Nächte. Am Ende stand eine gGmbh. Die Umorganisation und Entwicklung des Zweckverbands Diakoniestation Braunschweig zur heutigen Diakoniestation Harz-Heide gGmbH ist geglückt. Eine Erfolgsgeschichte mit der Handschrift Uta Hirschlers. Selbst Widersacher bescheinigen der 51-Jährigen einen scharfen Verstand und eine hohe Gabe, Strukturen zu erkennen, zu verändern, zu verbessern.

„Es ist wichtig, dass wir die Ursachen von Not bekämpfen. Hier sehe ich einen besonderen Auftrag der Diakonie als Wohlfahrtsverband“, erklärt sie ihre Motivation. „Wir sind die Lobby gegen Armut“, beschreibt die Theologin ihre neue Funktion als Vorstand, eine Mammutaufgabe, die sie sich mit zwei weiteren Kollegen teilt. Gemeinsam versuchen sie, das Thema Not und gesellschaftliche Schieflagen in der Politik sichtbar zu machen und Verbesserungsvorschläge einzubringen. „In der Landesarbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände ist die Diakonie der größte Player“, macht sie das Gewicht deutlich, „sie ist ein Korrektiv zur Landesregierung.“

Ganz aktuell ist die Wohlfahrtspflege gefordert, das Bundesteilhabegesetz mit auszugestalten. „Wir hören nicht nur Angehörige und Betroffene an, wir sprechen auch mit den Vertretern der Einrichtungen“, erklärt Hirschler, „wir arbeiten an individuellen Lösungen.“ Denn noch ist längst nicht alles klar, die letzte Stufe des Gesetzes tritt Anfang 2020 in Kraft, für Uta Hirschler bleibt noch Zeit, Dinge zum Besseren zu verändern. Und vor allem, die Dinge verständlich zu transportieren. „Die meisten Betreuer sind im Moment völlig überfordert mit dem Gesetz, weil sie überhaupt nicht wissen können, was das genau für sie bedeutet. Da wollen wir helfen.“

Daneben geht ihr Blick weit in die Zukunft. Schon jetzt fehlen Pflegekräfte, schon jetzt sind Altenheimplätze knapp. Ambulant vor stationär heißt die politische Vorgabe. Aber Menschen brauchen verlässlich Kontakt. Da werden starke Nachbarschaften, Netzwerke und Initiativen gegen Einsamkeit nötig. „Wir müssen und werden Modelle entwickeln, in denen Menschen einander direkt vor Ort unterstützen. Gleichzeitig ist Kirche in Veränderung, Selbstverständliches wie die Nutzung vorhandener Gemeindehäuser oder -räume kommt auf den Prüfstand. Aber das Evangelium ist für alle da. Da habe ich für Reden und Handeln auch die Nichtkirchenmitglieder im Blick. Ich sprechen von Notwendigkeiten, aber auch von Chancen.“

Beruflich ist die neue Aufgabe in Niedersachsen für Uta Hirschler auf jeden Fall eine Beförderung. Mehr Verantwortung, andere Einflussmöglichkeiten, mehr Geld. „Mir war es nicht wichtig, mehr zu verdienen, aber es war mir wichtig, genau so viel zu bekommen wie die beiden anderen Vorstände“, streift sie kurz das Thema „Frauen und Geld.“ Zwar hat sie jetzt die tägliche Zugfahrt nach Hannover, aber auch hier genießt sie „die spannende Aufgabe, die wichtig ist für das Miteinander in unserer Gesellschaft.“

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