Erinnerungskultur, die jeden Tag gelebt wird | Neue Braunschweiger
19. März 2019
Soziales

Erinnerungskultur, die jeden Tag gelebt wird

Awo hat neue Adresse nach ihrer Gründerin

Der AWO-Kampus liegt nun am Marie-Juchacz-Platz 1 (v. r.): Rifat Fersahoglu-Weber (Vorstand),, Präsidiumsvorsitzende Gabriele Siebert-Paul und Ulrich Markurth. . Peter SierigkAWO

Querum. Der Peterskamp 21 als Adresse der Arbeiterwohlfahrt und ihres weitläufigen Kampus’ in Querum ist Geschichte. Seit Freitag heißt es: Marie-Juchacz-Platz 1.

Mit dieser Umbenennung erinnert die Arbeiterwohlfahrt an ihre Gründerin und an ihre Gründung vor 100 Jahren. Für Oberbürgermeister Ulrich Markurth war der Amtsakt der Umbenennung Ehrensache, schließlich hat er selbst den Sozialverband viele Jahre geleitet, aber auch die Person der Marie Juchacz verdient in seinen Augen eine Würdigung als große Sozialdemokratin und Sozialreformerin. „Ohne Marie Juchacz würde es die Awo als modernen Sozialverband nicht geben“, sagte Markurth. Es sei ihr um ein menschenwürdiges Dasein für alle gegangen, nicht darum, Almosen zu geben. Ihre Unterstützung habe sie stets als Hilfe zur Selbsthilfe verstanden.

Marie Juchacz verbindet beide geschichtsträchtigen Ereignisse: 100 Jahre Frauenwahlrecht und 100 Jahre Awo. Marie Juchacz hielt als erste Frau in der Nationalverfassung eine Rede. „Eine tatkräftige und aus heutiger Sicht mutige Frau“, sagte Markurth. Die Weimarer Republik und die junge Demokratie hätten mehr solcher Persönlichkeiten gebraucht, um in den kommenden Stürmen bestehen zu können.
Sonst seien Straßenumbennungen meist von heftigem Protest begleitet, in diesem Fall nicht. Auch wenn Beschilderungen, Visitenkarten, Flyer und Broschüren nun geändert werden müssen, freuen sich Anwohner und Mitarbeiter, dass sie nun jeden Tag an die Awo-Gründerin erinnert werden – am Marie-Juchacz-Platz 1.

Marie Juchacz. Foto: oh

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