17. Juli 2021
Bildung

Erklär’s mal ganz einfach

Serie "Wir haben Zuversicht": Das „Büro für leichte Sprache“ bildet gerade sieben Guides für Museumsführungen aus

Werden mit Hilfe von Museumspädagoge Gerhard Pohl (3.v.l.) und Esma Manavbasi vom „Büro für leichte Sprache“ (7.v.l.) zu Museumsguides ausgebildet (v.l.): Aybüke Acar Karatas, Aurora Moosberg, Meike Ehlers, Lucas Richter und Sarah Gonzales. Foto: Birgit Wiefel

Braunschweig. Das kennt jeder: Beim Brief vom Amt reiht sich ein Bandwurmsatz an den anderen und wissenschaftliche Texte werfen haufenweise Fremdwörter um die Ohren. Das „Büro für leichte Sprache“ zeigt, dass es auch anders gehen kann. Einfacher.

Esma Manavbasi und Alea Stephan, beide ausgebildete Expertinnen, „übersetzten“ nicht nur Texte für Behörden, Unternehmen und soziale Einrichtungen. Sie entwickeln auch neue Angebote wie Museumsführungen. Gleich das Pilotprojekt im Staatlichen Naturhistorischen Museum war so ein Erfolg, dass Museumschef Ulrich Joger die Führungen als ständige Einrichtung anbieten möchte. Voraussichtlich Ende des Jahres werden sieben ausgebildete Guides besonderen Gruppen Fische, Vögel und Bären präsentieren.

„Leichte Sprache hat nichts mit Babysprache zu tun“, stellt Esma Manavbasi klar. Und sie richte sich auch nicht nur an Menschen mit Behinderungen oder an Menschen, die der deutschen Sprache noch nicht so mächtig sind. „Leichte Sprache verzichtet ganz einfach auf komplexe Satzstrukturen, auf Genitiv und Konjunktiv, erklärt Fremdwörter und arbeitet viel mit Bildern“, stellt die ausgebildete Expertin klar. Gerade, wer wenig Zeit habe, empfinde das als echte Erleichterung. „Ich selbst nutze Texte in leichter Sprache, um mich schnell zu einem Thema zu informieren“, sagt Manavbasi.

Anfragen aus der Region

Mittlerweile erhält das „Büro für leichte Sprache“ Anfragen aus der ganzen Region. Ob Gerichte oder Universitäten – alle suchen Unterstützung. Auch das Stadtmarketing Braunschweig arbeitet mit dem Büro zusammen. „Wer sich klar ausdrückt, vermeidet Missverständnisse und lässt den Zuhörern oder Lesern überhaupt erst teilhaben“, sagt Manavbasi.
Die künftigen Guides im Naturhistorischen Museum lernen übrigens nicht nur, wissenschaftlichen Fakten verständlich weiterzugeben. Sie bekommen auch Tipps zur Körpersprache und zur Rhetorik. „Die rund 15-minütigen Kurzführungen werden dann auf Anfrage oder am Internationalen Museumstag angeboten“, kündigt Museumspädagoge Gerhard Pohl an.
Aybüke Acar Karatas kam vor zwei Jahren nach Deutschland und nahm an einer Pilotführung teil. Jetzt will sie selbst Gruppen durch die Ausstellung leiten. „Ich will die tolle Erfahrung weitergeben“, sagt sie und strahlt.

Das „Büro für leichte Sprache“ läuft unter der Regie der Lebenshilfe. Mehr Informationen unter www.lebenshilfe-braunschweig.de/dienstleistungen/buero-fuer-leichte-sprache und bei Esma Manavbasi, Telefon 0151/62 66 43 77, E-Mail: esma.manavbasi@lebenshilfe-braunschweig.de.

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