Erste Kandidat für neuen OB steht | Neue Braunschweiger
8. Februar 2021
Politik

Erste Kandidat für neuen OB steht

Unternehmer Kaspar Haller ist Kandidat der CDU

Der neue OB Kandidat der CDU der Parteilose Kaspar Haller wird in einer virtuellen Pressekonferenz von Carsten Müller vorgestellt. Foto: Peter Sierigk

Kaspar Haller am Wilhelm Gymnasium. Jeder Abiturjahrgang hinterlässt hier ein „Denkmal“. Haller zeigt auf „sein“ Schild aus dem Jahr 2002. Foto: Scala-GastHaller

Braunschweig. In acht Monaten steht die Kommunalwahl an. Am 12. September wird nicht nur ein neuer Braunschweiger Rat gewählt, sondern auch ein neuer Oberbürgermeister oder eine Oberbürgermeisterin. Als erste Partei präsentiert die CDU einen Kandidaten: Der Landwirt und Unternehmer Kaspar Haller (37) von der Domäne Schickelsheim in Königslutter soll ins Rennen gehen.

Der Kreisvorsitzende der CDU, Carsten Müller, stellte den parteilosen Haller in einer Pressekonferenz vor. Wir haben uns mit ihm an „seinem“ Braunschweiger Wilhelm Gymnasium zum Gespräch getroffen.

Grenzen überwinden – das ist für Kaspar Haller mehr als ein Spruch, sondern ganz konkret. Der 37-Jährige, der im September Braunschweigs Oberbürgermeister werden will, ist mit Blick auf die innerdeutsche Grenze aufgewachsen. Hautnah hat er erlebt, dass sich Mauern, Zäune und Stacheldraht einreißen lassen, dass es sich lohnt, für Neues, für Besseres zu kämpfen.

Jugend in Braunschweig

Treffpunkt Braunschweig, Wilhelm-Gymnasium. Hier hat Kaspar Haller seine Jugend verbracht. Der Schulweg war lang – erst vier Kilometer mit dem Rad von der Domäne Schickelsheim zum Bahnhof nach Königslutter, dann mit dem Zug nach Braunschweig. Die letzten Jahre bis zum Abitur ist Kaspar häufig gar nicht mehr nach Hause gefahren, sondern hat gleich bei Freunden in Braunschweig geschlafen. „Mein Lebensmittelpunkt war einfach hier“, erzählt Kaspar, „erst Schule, dann Hockey oder Fußball.“

Kaspar Haller am Wilhelm Gymnasium. Jeder Abiturjahrgang hinterlässt hier ein „Denkmal“. Haller zeigt auf „sein“ Schild aus dem Jahr 2002. Foto: Scala-GastHaller

Die Schulzeit hat ihn geprägt. „Ich hatte immer wieder Lehrer, die mich gefesselt und begeistert haben“, erzählt Haller. In der Dorfschule, damals in Rottorf bei Königslutter, war es Frau Lukas, die in dem kleinen Jungen die Freude am Lernen weckte, am Wilhelm Gymnasium ein Religionslehrer. „Er hatte die ganze Welt bereist, konnte uns wunderbar aus fremden Kulturen erzählen“, schwärmt Kaspar Haller, „und er hat uns beigebracht, Texte kritisch zu lesen und zu verstehen.“ Dazu hat er unter anderem Originalpassagen der Bibel in Hebräisch, Griechisch und Latein lesen lassen – und dann wurde diskutiert. „Eine Erfahrung, die mir deutlich gezeigt hat, wie wichtig es ist, genau auf die Quellen zu schauen“, erzählt der OB-Kandidat.
Politisch geprägt wurde Kaspar Haller schon als Kind, auch wenn ihm das gar nicht bewusst war. Die Mutter war und ist eine Frau, die sich einmischt und einbringt. In der Schul- und Bildungspolitik, in der Kirche, im sozialen Leben. Für ihr Ehrenamt bekam Barbara Haller das Bundesverdienstkreuz.

Der Familienbetrieb Schickelsheim liegt direkt an der ehemaligen Grenze. „Von meinem Kinderzimmer aus habe ich am Horizont die Grenze gesehen“, erzählt Haller. Als jüngstes von drei Kindern hatte die Mutter den kleinen Kaspar häufig mitgenommen, wenn sie in ihren verschiedenen Engagements unterwegs war. Ob beim Kirchenvorstand, einer Elternversammlung oder einer Ratssitzung, der Junge saß häufig dabei.

Demos in Magdeburg

Und die Mutter war es auch, die ihn mitnahm zu den Montagsdemos nach Magdeburg. „Ich saß hinten im Auto“, weiß Kaspar Haller genau, „und es war schon etwas unheimlich.“ Die Grenze, der Stacheldraht, die bewaffneten Grenzbeamten, die Hunde, die Kontrollen. „Für mich war das enorm spannend“, erzählt er im Rückblick. Es war 1989. „Ich erinnere mich, dass wir zunächst ganz allein vor dem dunklen Dom in Magdeburg standen. Punkt 18 Uhr aber kamen von allen Seiten die Menschen geströmt. Viele hatten Kerzen in den Händen. Und fast alle grau in grau, nur wir hatten diese grellen Jacken an, die damals modern waren.“ Hunderte zogen durch den Kreuzgang, sie beteten gemeinsam für die Einheit, für Freiheit. Sie diskutierten über Demokratie und Teilhabe. Und mittendrin der Sechsjährige mit Herzklopfen. Eine Erfahrung, die sich tief im Herzen von Kaspar Haller verwurzelt hat. „Ich weiß sehr genau, was Demokratie bedeutet, wie kostbar sie ist“, sagt er.
Einige Jahre später hat er als Schüler in Braunschweig vor allem den Aufwind wahrgenommen, den die Grenzöffnung für die Stadt bedeutete. „Alles war im Aufbruch und im Umbruch“, blickt er zurück.
Auch die Schullandschaft. „Unser Wilhelm Gymnasium stand zur Diskussion“ erinnert er sich an Aufregung und Demonstrationen der Schüler für ihr WG, „Zusammenlegungen waren im Gespräch, sogar die Schließung.“

Schulpolitik im Herzen

Die Schulpolitik liegt Kaspar Haller am Herzen. Kleine Schulen, kleine Klassen, enge Bindung zum Lehrer. „Manchmal ist es auch sinnvoll, wieder zu alten Modellen zurückzugehen“, sagt er. „Das Wichtigste ist, die Freude am Lernen zu wecken. Positives begleiten und verstärken, weniger Leistungsdruck, die Neugier unterstützen und fördern – und zu bewahren“, sagt er.
Als Vater von vier Kindern weiß er, wovon er spricht. „Aber ich weiß auch um die Schwierigkeiten und die Grenzen, an die man als Eltern stößt“, erzählt er lachend.

Selbst hat er durch einen Freund erkannt, dass Leistung und Ehrgeiz positive Werte sein können. „Bis zum Abi habe ich alles so lala gemacht“, blickt er auf seinen Notendurchschnitt von 3,1. Aber dann hat der besagte Freund ihm vorgemacht, dass ein klarer Fokus auf eine Sache die Lernkurve steil nach oben steigen lässt. „Als ich das kapiert hatte, ging alles viel schneller und besser“, erzählt Haller. Fünf Scheine in einem Semester an der Uni in Göttingen, die er erfolgreich dank des Wissens aus seiner Lehre ablegen konnte, bevor das Semester überhaupt begonnen hatte, sind da nur ein Beispiel.

Mit dem neuen Fokus hatte er sich gleich nach dem Abi konsequent aufgestellt: Wehrdienst bei den Gebirgsjägern und parallel eine Lehrstelle in der Landwirtschaft suchen, während der Lehrzeit schon immatrikulieren und die besagten fünf Scheine machen. Daneben hatte er auch ein vom Vater vorgegebenes straffes Zeitkorsett. „Ich hatte nach dem Abi nicht wirklich einen Plan für mein Berufsleben“, erzählt Kaspar Haller, „da kam mir das Angebot meines Vaters zur Übernahme des elterlichen Betriebes nach Abschluss meines Studiums gerade recht.“
Das bedeutete aber auch, die vom Vater vorgegebenen Zeitvorgaben zu akzeptieren. Mit seinem neuen Verhältnis zum Thema Leistung war das kein Problem mehr. Das Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Göttingen und England schloss er mit Auszeichnung ab und konnte „fristgerecht“ auf der Domäne Schickelsheim einsteigen.

Teamarbeit als Programm

Kaspar Haller steht für „Matrix-Management“, heißt: agile Teams für komplexe Themen. „So arbeiten wir nicht nur auf unserer landwirtschaftlichen Domäne“, erklärt er, „wir gestalten hier einen sogenannten Dritten Ort zum Austausch von Familienunternehmen und anderen Organisationen zur strategischen Zukunftsgestaltung.“ 2010 gründete Haller auch einen Onlinehandel mit Lebensmitteln, die mit handwerklicher Fürsorge hergestellt werden. Der Betrieb musste in Folge der Corona-Pandemie eingestellt werden.
Kaspar Haller schaut zuversichtlich in die Zukunft. Und die würde er auch gern als Oberbürgermeister für Braunschweig positiv gestalten. Bei der ersten Anfrage der CDU an den parteilosen Haller, hatte er sich noch Bedenkzeit ausgebeten, „aber gleichzeitig begann auch ein Funke zu glühen.“ Gerade jetzt sieht er seine Zeit gekommen. „Nach über einem Jahr Coronakrise wird vieles in Frage gestellt“, weiß er, „und anderes gilt nicht mehr.“ Dazu komme der stetig schwindende Einfluss der für Jahrhunderte die Menschen verbindenden Elemente wie Kirchen, Vereinen oder Parteien. „Wir brauchen jetzt einen Aufbruch, neue Ideen“, sagt er.

OB-Qualifikationen

Auf die Frage, was ihn qualifiziert, um eine Stadt wie Braunschweig mit einer Verwaltung von mehr als 4000 Beschäftigten führen zu können, beschreibt er einen Weg: „Ich habe gelernt und verstehe, wie politische Mechanismen greifen, als landwirtschaftlicher Unternehmer habe ich in den vergangenen Jahren mit vielen Politikern und Organisationen über Veränderung gesprochen und diese gestaltet, mich in Brüssel und Berlin eingesetzt. Ich möchte die Mitarbeiter in dieser hoch qualifizierten Verwaltung und die erfahrenen Politiker im Rat ermuntern und auffordern, mit mir gemeinsam in eine neue Richtung zu gehen.“

Drei für ihn wesentliche Bereiche hat Haller benannt: 1.) Die Digitalisierung, besonders in den Schulen. „Für Schülerinnen und Schüler, für Lehrerinnen und Lehrer und für die Eltern müssen die Möglichkeiten und Potenziale der Digitalisierung erschlossen werden. Hier müssen wir sofort handeln.“ 2.) Umweltschutz: „Nachhaltige Konzepte müssen direkt umgesetzt werden und nicht nur Thesenpapiere bleiben. Hier denke ich zum Beispiel an die Weiterentwicklung der Ideen einer grünen Stadt.“ 3.) Das Miteinander: „Ich wünsche mir, dass sich die rund 250 000 Einwohner unserer Stadt als Einheit fühlen, dass wir uns gemeinsam in die Zukunft aufmachen, alle zusammen.“

Dazu möchte er die städtische Verwaltung zu mehr Transparenz, Eigenverantwortung und Serviceorientierung motivieren. „Braunschweig kann ein Vorbild werden. Ein Vorbild für das Gestalten unserer Zukunft.“

Erstes Treffen mit dem Kandidaten
Kennenlern- und Fragestunde: Kaspar Haller bietet ein regelmäßiges, hybrides Kennenlernen an verschiedenen Orten an.
Das erste findet am kommenden Freitag (12. Februar) von 11 bis 12 Uhr sowie von 17 bis 18 Uhr statt. Ort: Trafo Hub, Sophienstraße 40, 38118 Braunschweig sowie digital über www.kasparhaller.de, wo die verschiedenen Kanäle aufgeführt sind.

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