17. Juli 2021
Bildung

Erzieher: Weit mehr als nur „Stütze in der Krise“

Eine Kampagne der Braunschweiger Kita-Träger wirbt für Fachkräfte – „Markenbotschafter“ erzählen aus ihrem Alltag mit Kindern

Sinoui Rzouga, stellvertretender Leiter in der Kita Schuntersiedlung, wirbt in einem Kurzfilm für den Beruf des Erziehers Foto: Stadt Braunschweig

Braunschweig. Sinoui Rzouga kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen. „Das Arbeiten mit Kindern – das macht unheimlich Spaß“, sagt der Erzieher des städtischen Kindergartens in der Schuntersiedlung – und so wie er das sagt, nimmt man ihm das ab. Sinoui Rzouga ist zusammen mit Swantje Perner und Clarissa Schemel „Markenbotschafter“ der neuen Kampagne „Gute Aussichten für Erzieherinnen und Erzieher“. Stadt und freie Träger werben damit intensiv um Fachkräfte für die 140 Kitas in Braunschweig.

„Wir brauchen viel Wohnraum, aber wir brauchen auch die Kitas, damit sich Beruf und Familie vereinbaren lassen“, bringt es Dr. Thorsten Kornblum, zuständiger Dezernent für das Personal in den städtischen Kindertagesstätten, auf den Punkt.

„Land muss draufsatteln“

Genau da liegt die Krux, denn der Beruf des Erziehers oder der Erzieherin erscheint vielen als unattraktiv. Beispiel Vergütung. „Bis zur Anerkennung als Fachkraft muss die Ausbildung quasi vorfinanziert werden“, sagt Matthias Konrad, Vorstand des Caritasverbandes Braunschweig, über die aktuelle und in seinen Augen kontraproduktive Regelung. Er könne deshalb bei einer Neubesetzung nicht aus einem Pool an Bewerbern auswählen, sondern sei froh, „wenn zwei oder drei Anfragen eingehen.“
Konrad, aber auch Sascha Ostermann vom Dachverbandes der Elterninitiativen Braunschweig sowie Andrea Streit vom Fachbereich Kinder, Jugend und Familie der Stadt und Thorsten Kornblum ist bewusst, dass die Kampagne nur ein erster Schritt zur Fachkräftegewinnung ist. „Die vom Land in Aussicht gestellte dritte Kraft kommt, aber es muss bei den Rahmenbedingungen draufsatteln“, fordert Kornblum, der noch einmal die Rolle der Erzieher in der Pandemie unterstreicht: „Sie haben in der Krise viel geleistet, sind ins Risiko gegangen, damit andere zur Arbeit gehen konnten.“

An einem Strang ziehen

Mit der Kampagne wollen sich die Braunschweiger Träger als attraktive Arbeitgeber präsentieren. Ihre Kernaussagen: „Vielfalt bewegen“, „Jeder Tag anders“ und „Mitbestimmt Beruf leben“. Auf der Webseite www.braunschweig.de/gute-aussichten gibt es eine Übersicht über alle Einrichtungen mit Kontaktdaten und Stellenangeboten. „Wir haben eine sehr vielfältige und große Kita-Landschaft mit verschiedensten pädagogischen Schwerpunkten“, ist Andrea Streit stolz. Allein in den 33 städtischen Einrichtungen arbeiteten rund 500 Fachkräfte. Um die 2017 vom Rat beschlossene Qualitätsentwicklung umzusetzen, unterstützt die Stadt die Einrichtungen aller Träger mit zusätzlichen Programmen und Konzepten wie etwa Familienzentren und einer zusätzlichen Personalausstattung. Die aktuelle Kampagne hilft vor allem kleinen Trägern bei der Suche nach Personal.
„Es soll keinen Verdrängungswettbewerb der Träger bei der Suche nach Fachkräften geben“, betont Matthias Konrad. Vielmehr werde an einem Strang gezogen: „Wir wollen zeigen, dass wir alle Fachkräfte brauchen. Und wer sich für den Beruf interessiert, kann sich auf der Website quasi die ‘leckerste’ Kita aussuchen.“

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