„Es geht nur mit dem guten Willen aller“

Die NB sprach mit Oberbürgermeister Ulrich Markurth zum neuen Jahr über grundsätzliche Entwicklungen und Veränderungen

Oberbürgermeister Ulrich Markurth.   Foto: Stadt Braunschweig/Daniela Nielsen

Braunschweig. Was soll bleiben? Was kann weg? Das waren die Fragen, die ganz am Anfang standen. Dann ging es in die Tiefe, seit Ende des vergangenen Jahres gibt es das „Interesse der Stadt“ sozusagen zum Nachlesen. Fünf Leitziele, 26 Strategien und mehr als 120 Handlungsaufträge liegen jetzt quasi beim Oberbürgermeister auf dem Tisch. Was bedeutet das und wie arbeitet es sich damit?

Im NB-Gespräch zum Jahresanfang spricht Markurth von Chancen und Grenzen bei der „Wunscherfüllung.“ Der Großteil der Bewohner ist zufrieden mit dem Leben in Braunschweig. Aber: Die Unzufriedenen werden zunehmend lauter, immer häufiger sind die Diskussionen ideologisch und emotional aufgeladen.
Ein Problem von Planung und Umsetzung ist das Spannungsfeld zwischen Einzelinteressen und den Interessen des Gemeinwohls. „Wem das grundsätzliche Vertrauen in die Verwaltung fehlt, der ist schwer zu überzeugen“, sagt Markurth.

Große Erwartungen

Außerdem habe er das Gefühl, dass die Erwartungshaltung immer größer werde. „Man kann aber nicht überall alles haben“, appelliert er an die Vernunft. Wer am Stadtrand „im Grünen“ wohne, könne nicht die gleichen Angebote wie in der Innenstadt erwarten, und wer in der Innenstadt wohnt, nicht die Ruhe wie „im Grünen.“

Mitunter macht er einen „Frustbrei“ aus, nicht nur in Braunschweig, aber auch. Doch in einer sich verändernden Großstadt sei ein gewisses Maß an „Belästigung“ durch Baustellen oder Verkehrslärm normal. „Wir wachsen weiter“, sagt Markurth, „und wir werden eine natürliche Grenze erreichen.“ Maximal 280 000 Einwohner könne Braunschweig aufnehmen , „aber ob wir das anstreben sollen, das bezweifle ich.“
Zwar wird gebaut, was möglich ist, aber das dauert und auch das hat Grenzen. Zumal auch Platz für Gewerbe benötigt wird. „Wir brauchen Arbeitsplätze in der Stadt“, betont Markurth, „auf diese Steuern sind wir angewiesen.“

Platz ist Mangelware

Schon jetzt sei absehbar, dass mehrere Unternehmen die Region verlassen werden, wenn sie nicht die Möglichkeit bekommen, sich auszudehnen. Von Neuansiedlungen ganz zu schweigen. „Wir habe eine Anfrage von einem Logistikunternehmen, das gern zu uns kommen würde und 800 Arbeitsplätze schaffen will“, gibt Markurth ein Beispiel, „aber wir werden absagen müssen.“ Kein Platz. Das Scheitern eines gemeinsamen Gewerbegebiets mit Salzgitter sei ein herber Rückschlag.
„Egal, wo und was wir planen, fast überall bilden sich Bürgerinitiativen“, sagt Markurth. Häufig würde das eine gute Zusammenarbeit ergeben, neue Sichtweisen auch für die Verwaltung bringen, aber mitunter stoßen die Mitarbeiter der Stadt auf verhärtete Fronten. Jenseits aller Fakten würden dann Verschwörungstheorien blühen, oder aber Einzelinteressen stünden im Vordergrund.
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