Es ist wieder „Wilhelm-Tag“

Polizei sagt Trick-Betrügern den Kampf an

Der Leiter des Arbeitsfeldes „SÄM", Jörn Memenga (l.), und der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, Uwe Lietzau. Foto: Andreas Konrad

Braunschweig. Immer dieselbe Masche: Entweder am Telefon oder direkt an der Haustür versuchen Gauner unter Vorspiegelung falscher Identitäten, Geld zu erbeuten. Die Opfer, die überrumpelt werden, sind häufig ältere Menschen.

Jetzt hat die Braunschweiger Polizei zum 1. November ihre Kräfte gebündelt und ein zentrales Arbeitsfeld für falsche Enkel, Polizisten und Co. eingerichtet. „Die Täter sollen wissen, dass es in Braunschweig nicht leicht ist, diese Straftaten zu begehen“, kündigt Jörn Memenga an.
Der Hauptkommissar leitet das neue, fünfköpfige Team zur Bekämpfung von Straftaten zum Nachteil älterer Menschen (SÄM). Am Freitag stellten er und der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, Uwe Lietzau, das Projekt vor. „Hinter vielen Taten stehen oft gut organisierte Banden, die gezielt Menschen mit bestimmten, meist nach höherem Alter klingenden Namen wie Wilhelm anrufen“, weiß Lietzau.

Die Täter sprächen meist fließend Hochdeutsch und seien sehr strukturiert, so Lietzau weiter. So werden an einem Tag beispielsweise gezielt Menschen mit dem Vornamen Wilhelm in Braunschweig angerufen und zwei Tage später alle, die in Gifhorn Wilhelm heißen. Das könne sogar so weit gehen, „dass im Display des Telefons die 110 erscheint.“ Spoofing nennen Fachleute diese technische Manipulation. Die Opfer werden dann dazu gebracht, Geld an vor Ort agierende Komplizen zu übergeben.

Eine zweite häufige Masche ist der direkte Besuch an der Haustür. Die Betrüger geben sich als Polizisten oder Handwerker aus. Immer mit dem Ziel, eine zweite Person unbemerkt in die Wohnung zu schleusen, die dann alles von Wert einsammelt.

Ausschlaggebend für die Einrichtung von „SÄM“ war die in der rückwirkenden Betrachtung hohe Zahl derartiger Straftaten. In Braunschweig gab es im Jahr 2018 52 vollendete Taten mit einer insgesamt siebenstelligen Schadenssumme. Die Polizei geht aber davon aus, dass das Dunkelfeld deutlich höher liegt.

„Wir raten, jeden Versuch unbedingt anzuzeigen“, bittet Memenga um Unterstützung. Jeder Hinweis könne bei der Ermittlung der Täter helfen. Weiter rät die Polizei, Fremden gegenüber sowohl am Telefon als auch an der Haustür immer misstrauisch zu sein. Unter der Rufnummer 0531/476-30 51 steht das Präventionsteam mit weiteren Tipps zur Verfügung. Und ist es zum Betrug oder zum Betrugsversuch gekommen: Über die 110 landet der Fall auf Memengas Schreibtisch.

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