Familie und Freundschaft im Mittelpunkt des Weltalls | Neue Braunschweiger
21. Oktober 2020
Kultur

Familie und Freundschaft im Mittelpunkt des Weltalls

Die erste Inszenierung des Jungen Staatstheaters ist in jeder Hinsicht ein Erfolg: Das Stück und die Spielstätte kommen beim Publikum gut an

Braunschweig. Das Stück ist der Knaller, das hat sich in Braunschweig schon herumgesprochen. Nach der Premiere von „Clevergirl“ am 13. September sind die Folgetermine ausgebucht. Gute Nachricht von Regisseur Jörg Wesemüller: „Für Dezember und Januar planen wir Zusatzvorstellungen.“

Zugegeben, „ausverkauft“ ist jetzt nicht so eine große Sensation, denn Corona streicht die Zuschauerzahl heftig zusammen: nur rund 20 Menschen dürfen in der Halle im Lokpark Platz nehmen. Aber egal, die sind auf jeden Fall da. Und begeistert.
Noch ist die Heizungsfrage in den zugigen Hallen nicht ganz gelöst, deshalb gibt es für jeden einen heißen Tee, Handwärmer und Decke. „Aber wir rüsten nach“, sagt Wesemüller als Leiter „Junges Staatstheater“, „spätestens ab Sonntag habe wir es kuschelig warm“. Er konnte den Autor Hartmut El Kurdi 20 Jahre nach der Premiere von „Angstmän“ in Braunschweig dazu überreden, eine Fortsetzung zu schreiben. „Das Stück ist damals richtig erfolgreich geworden, an fast allen Theatern bundesweit wurde es aufgeführt.“ Und nun Teil zwei. Und da kommt die Schwester ins Spiel: „Clevergirl.“ Witzig, schrill und warmherzig geht das Stück mit Klischees um, nimmt Geschlechterrollen und Genderthematik auseinander und aufs Korn. Ohne dabei oberlehrerhaft zu nerven.

Erzählt wird eine irrwitzige Familienzusammenführung zwischen der Erde und dem Planeten Superus 4. Nina Wolf gibt Clevergirl sehr modern, patzig, genervt, burschikos und dabei süß. Ihr Bruder „Angstmän“ (Cino Djavid), der urplötzlich aus dem Weltall in ihrem irdischen Zimmer steht, macht seinem Namen alle Ehre. Er kann so verschreckt gucken und so dämlich gegen die immergleiche Wand laufen, dass das Publikum vor Lachen prusten muss. Gemeinsam entdecken die Geschwister auf ihrem Abenteuer gegenseitig ihre Stärken. Dazu gesellt sich Naima Laube als äußerst coole Freundin „Rebellion“ und Heiner Take als ­– in jeder Hinsicht ­­– außerirdischer Modeberater. Jede Dragqueen würde neidisch werden.

In dem Stück werden so viele Themen angesprochen oder auch nur angedeutet, es gibt zig Ebenen, sodass alle Zuschauer, Kleine und Große, hier richtig sind. Regisseur Jörg Wesemüller hat das Ganze flott und ohne Pathos inszeniert, die Spielfreude der Schauspieler ist ansteckend. Dazu mitreißende Musik mit Texten, die das Thema auf den Punkt bringen: „Ob Junge oder Mädel ist doch scheißegal…“
Wir freuen uns auf mehr.

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