Faszinierende Einblicke | Neue Braunschweiger
15. Januar 2016
Natur

Faszinierende Einblicke

Bis zum 10. April sind die „Körperwelten der Tiere“ in Braunschweig.

Kuratorin Dr. Angelina Whalley und Museumsdirektor Dr. Ulrich Joger vor dem Plastinat einer Elefantenkuh. Fotos (2): T.A.

Von Christoph Matthies, 15.01.2016.

Braunschweig. Ganz neue Ansichten auf die Tierwelt bietet die Ausstellung „Körperwelten der Tiere“, die von heute an bis zum 10. April in den Räumlichkeiten des Naturhistorischen Museums an der Hamburger Straße 267 zu sehen ist. Die beeindruckenden Ganzkörperplastinate Gunther von Hagens’ sind das Highlight im diesjährigen Kalender des größten Naturkundemuseums Norddeutschlands.

Mittels eines besonderen Plastinationsverfahrens ist es möglich, Knochen, Muskeln und Sehnen, aber auch Blutgefäße und innere Organe der ausgestellten Tiere zu zeigen. Das ist nicht nur interessant und äußerst lehrreich, sondern mitunter auch ästhetisch eindrucksvoll. Kuratorin Angelina Whalley, die für Konzeption und Gestaltung der Ausstellung verantwortlich ist, gefallen besonders die Objekte, bei denen die Blutgefäße zu sehen sind. „Wir injizieren einen roten Kunststoff in die Arterien, der die Form des Gefäßsystems annimmt. Wenn der Kunststoff hart ist, lösen wir das umliegende Gewebe heraus“, beschreibt die wissenschaftliche und private Partnerin Gunther von Hagens’ den Vorgang, der zu künstlerischen Plastinaten führt, die dem Besucher das Wunder des Lebens und die Komplexität der Körper nahebringen.

Die „Stars“ an der Hamburger Straße sind sicher die größten Tiere der Ausstellung, die Asiatische Elefantenkuh Samba und eine baumhohe Giraffe. Doch auch der plastinierte Hund, der lebensgroße Braunbär oder der Längsschnitt durch eine Kuh, der die verschiedenen Mägen des Wiederkäuers zeigt, faszinieren.
„Wenn man durch die Ausstellung geht, lernt man Wertschätzung und Respekt für diese Lebewesen“, beschreibt Whalley ihren Eindruck. Der Kuratorin ist auch deshalb besonders wichtig zu betonen, dass für die Ausstellung keine Tiere getötet wurden: „Es sind alles verstorbene Tiere von privaten Haltern oder aus Tierparks.“ Eine größere ethische Kontroverse, wie bei den vor 20 Jahren erschaffenen menschlichen „Körperwelten“, habe es deshalb auch nicht gegeben.

Im Vorgriff auf Kritik wie die, die am Freitagbend von Landesbischof Christoph Meyns kam, der die Ausstellung als „ethisch grenzwertig“ bezeichnet, äußerte Museumsdirektor Ulrich Joger sein Unverständnis: „Tiere, die in Zoos sterben, werden nicht beerdigt, sondern kommen in eine Tierkörperverwertungsanlage. Als Lehrmaterial kann man mit diesen Tieren Besseres anfangen, als daraus irgendwelche Produkte herzustellen.“ Und Joger betont: „Die Würde der Tiere ist hier durchaus gewahrt.“

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