5. April 2021
Bildung

Feiertag für Rechenfüchse

Dr. Andreas Bauch (PTB) über christliche Traditionen, Astronomie und eine Formel von Gauß

PTB Portrait Andreas Bauch Foto: Daniela Nielsen 0179/7433537 Braunschweig

Braunschweig. Warum kann es mit Ostern nicht so einfach sein wie mit Weihnachten? Ein Feiertag, ein Datum. Punkt. Warum ist für das höchste christliche Fest ein Taschenrechner nötig, wenn gerade kein Kalender zur Hand ist?

Wir haben uns bei jemandem erkundigt, der sich damit auskennt: Dr. Andreas Bauch von der Physikalisch-Technischen-Bundesanstalt (PTB). Der Physiker hat mit seinem Team nicht nur die Atomuhr im Blick. Seine Abteilung hat auch eine praktische Osterfesttabelle ins Internet gestellt, in der genau nachzulesen ist, wann bis 2031 die Feiertage stattfinden.

Herr Bauch, noch einmal zum Mitschreiben: Warum findet das Osterfest mal im März und mal im April statt und nicht einfach wie Weihnachten an einem Datum?

Weil die Festlegung des Weihnachtsfestes willkürlich war. Die frühen Päpste griffen dafür auf eine römische Tradition zurück: Die Wiedergeburt des Lichts. Dieses Fest fand Ende Dezember statt, rund um den kürzesten Tag des Jahres. Tatsächlich gibt es in der Bibel keine eindeutige Angabe, wann die Geburt Christi genau stattgefunden hat. Ostern wiederum lehnt sich an das jüdische Pessach-Fest an, dessen Datum vom Frühlingsvollmond abhängt. Es ist also ein bewegliches Fest. Um sich vom jüdischen Kalender abzugrenzen, legten die frühen Christen folgende Regelung fest: Ostern findet immer am Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang statt.

Das klingt erst einmal einfach. Da reicht doch ein Blick zum Himmel …

Ganz so einfach ist es nicht und vor allem wissenschaftlich gesehen ziemlich ungenau. Als Frühlingsanfang wurde kurzerhand der 21. März festgelegt und auch für die Vollmondtage galt eine vereinfachte Formel. Die Absicht dahinter war klar: Der Priester auf dem Land sollte nicht erst über das Datum rätseln oder Himmelsphänomene studieren müssen, um mit der Gemeinde Ostern zu feiern – und zwar möglichst am selben Tag wie alle anderen. Also gab es eine praktische Tabelle, in der die Feiertage verzeichnet waren.

Und was ist das Problematische mit dieser Tabelle?

Sie nimmt zum Beispiel keine Rücksicht darauf, dass der Frühlingsanfang, also die Tag-Nacht-Gleiche, sich verschieben kann, also nicht nur am 21. März, sondern auch am 19. oder 20. März stattfindet. Früher hatte man dafür schlicht nicht die nötigen Instrumente, heute lässt sich der Frühlingsanfang auf die Minute genau berechnen.

Irgendwann konnte die Rechnung also nicht mehr aufgehen …

Genau. Mit der Einführung des Gregorianischen Kalenders wurden die ersten Korrekturen vorgenommen, um die tatsächlichen Umlaufzeiten von Erde und Mond anzupassen. Der Braunschweiger Carl Friedrich Gauß hat schließlich vor zweihundert Jahren eine Rechenvorschrift entwickelt. 1997 ergänzte sie Heiner Lichtenberg, so dass sie sich leicht in ein Computerprogramm übersetzen ließ. Das Osterdatum zu kennen, ist deshalb so wichtig, weil auch andere Feiertage wie Aschermittwoch, Christi Himmelfahrt, Pfingstsonntag und Fronleichnam davon abhängen.

Wir brauchen also nicht selbst zum Taschenrechner zu greifen, um die nächsten Osterfeiertage zu kennen?

Nein. Das hat längst der Computer erledigt. Auf den Seiten der PTB gibt es eine übersichtliche Tabelle bis zum Jahr 2031. Schauen Sie einfach mal nach unter www.ptb.de, Stichwort Ostern

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