29. Juni 2019
Kulturelles

Feinschliff auf den letzten Metern

NB-Leser erlebten die Generalprobe von „Hyper! Hyper!“ – Heute Abend ist die Premiere

Goldener Anzug, glänzende Leistung: Gitarrist Tom Bennecke und die Jazzkantine bekamen mehr als einmal Zwischenapplaus. Rüdiger Knuth/Staatstheater Braunschweig

Innenstadt. Arne Stephan hat eine Kladde in der Hand, Lars (Louie) Bottmer einen Textzettel. Sicher ist sicher. „Die Zugabe haben wir heute Nachmittag zusammengeschraubt, deshalb die Spickzettel“, hatte Christian Eitner angekündigt. Das Publikum der Generalprobe am Donnerstagabend hatte das Ensemble von „Hyper! Hyper!“ mit stehenden Ovationen zurück auf die Bühne geholt.

Niemand verbeugt sich – das bringt Unglück. Und das kann keiner heute Abend bei der Premiere gebrauchen. Das Große Haus des Staatstheaters ist so gut wie ausverkauft, auch in den anderen Vorstellungen wird es eng.

Bühne voller Talente

Christian Eitner als Jazzkantinenchef und musikalischer Leiter und Peter Schanz (Inszenierung) sind ein eingespieltes Team, aber das allein würde nicht reichen. Wären da nicht all diese Talente wie Arne Stephan, Louie, Michel Begeame (ein echtes Kraftpaket auf der Bühne) und Markus Schultze, dessen Wandlungsfähigkeit beeindruckt, und die herausragende Maike Jacobs, die das bewährte Konzept erst tragfähig machen. Und wären da nicht die Musiker der Jazzkantine, die nicht nur wegen ihrer güldenen Anzüge glänzten.

Nervosität weggespielt

Von der Musik her hauen diese 1990er nicht auf Anhieb so rein wie die Musik der 80er (einst zu hören in „Da, Da, Da“). Ist wahrscheinlich eine Altersfrage. Die Inszenierung schafft hier die nötigen Spannungsmomente: Wie sich Spice Girls und Backstreet Boys in einer Art Sängerwettstreit gegenseitig die Show stehlen, das ist toll gemacht. Oder als umgeschaltet wird zu „Daily“, der täglichen Talkshow, und Manuela („Diese Schlampe!“) ihrem Ex auf die Fresse hauen will, da wird im Jahrzehnt der Oberflächlich- und Geschmacklosigkeit der gesellschaftliche Tiefpunkt ausgelotet.
Schließlich hatte der Spielfluss die Nervosität fortgeschwemmt. Es lief. „Ein schöner Abend“, meinten die Gewinner der von der NB verlosten Karten.

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