Ferien im Haus des Hirten | Neue Braunschweiger
24. Januar 2021
Buntes

Ferien im Haus des Hirten

Der Duomo von Siena. Foto: privat

„Casa il pastore“ – das Haus des S c h ä f e r s oder des Hirten, so hieß unsere Unterkunft im Agriturismo „Baccoleno“ in Asciano. Der kleine Ort liegt mitten in einem Dreieck zwischen Siena, Arezzo und Pienza. Jeder dieser Namen klingt für mich nach Urlaub. Wie schön wäre es, sich jetzt dorthin „beamen“ zu können – in die Toskana.

Ok, vielleicht nicht genau jetzt, denn momentan sind die Temperaturen dort auch nur im einstelligen Bereich. Aber in Gedanken gehe ich schon einmal auf die Reise über den Brenner, durch die Berge, bis in die hügelige toskanische Landschaft. Ob Hofhund Othello die Gäste von Baccoleno noch immer stürmisch begrüßt? Der putzige Jack Russel Terrier war damals, vor fünf Jahren, gerade als Welpe bei den Besitzern unseres Feriendomizils eingezogen und hatte das Herz meiner Töchter im Sturm erobert.

Die Beiden hatten – bis dahin vornehmlich hotelverwöhnte Pauschalurlaubs-Touristinnen – unsere Urlaubspläne mit einer gewissen Skepsis verfolgt. Eine Ferienwohnung auf einem Bauernhof in der Pampa klingt für eine 15- und eine 18-Jährige erst einmal wenig spannend, auch wenn sie in „Bella Italia“ liegt. Aber kostenloses W-LAN und ein Pool direkt vor der Tür wirkten sich durchaus positiv auf die Zustimmungsbereitschaft aus. Und das Abenteuer ging gut. Dank des traumhaften Wetters und dank der vielen „coolen“ Ausflugsziele in der näheren und weiteren Umgebung von Asciano. Cool deshalb – weil für die Mädels und ihre Social-Media-Kanäle so viele spannende Fotomotive dabei heraussprangen. Mit Begeisterung haben wir uns sämtliche Sehenswürdigkeiten in Florenz und Siena und die berühmten Geschlechtertürme in San Gimignano, dem mittelalterlichen „Manhattan“ der Toskana angeschaut. Wir waren in Monteriggioni, das mit seiner historischen Stadtmauer und den imposanten Befestigungsanlagen auf dem Berg Monte Ala thront, sowie in Pienza, in Volterra und im beschaulich-romantischen San Quirico d’Orcia.

Ein Muss war auch der Trip nach Montepulciano, wenn auch mit ganz unterschiedlichen Prioritäten: Meinen Mann und mich zog es wegen des Weines dorthin – unseren Nachwuchs, weil hier einige Szenen der „Twighlight“-Vampirsaga gedreht wurden. Wir haben viel gesehen in diesen zwei Wochen. Und wenn es darum ging, unsere Sightseeing-Ausflüge mit kleinen Shopping-Einheiten zu garnieren, spielte uns die interfamiliäre
weibliche Überzahl bei den demokratischen Abstimmungen immer in die Karten. Kulinarisch fühlte sich die komplette Familie im siebten
Himmel. Etwa, wenn wir als Selbstversorger durch den Supermercato streiften und dort nach Herzenslust und mit großem Heißhunger den Einkaufswagen mit allerlei Köstlichkeiten füllten, um sie später auf unserer Terrasse zu genießen: Tomatensalat mit Thunfisch, köstlich
gebratene Friggitelli, Antipasti, Spaghetti, Käse, Ciabatta und natürlich Vino…

Jeden Morgen hing bereits ein Beutel mit den von uns vorbestellten Brötchen und Backwaren an der Tür unserer „Casa il pastore“ und so manchen
Abend verbrachten wir auf der Aussichtsterrasse der Osteria und Pizzeria „La Terrazza“ auf einem Hügel im winzigen Chiusure. Die Pizza unschlagbar gut und günstig, das Birra Moretti eisgekühlt und der Ausblick unbezahlbar. Kurzum: Es wurde ein rundum gelungener, traumhaft
schöner Urlaub, von dem wir als Familie heute noch gern sprechen. OK, das versprochene WLAN funktionierte nur mäßig, aber das hatte zumindest keine anhaltenden Tobsuchtsanfälle zur Folge. Frustriert, aber noch halbwegs gelassen, schlichen unsere Töchter abends häufig suchend durchs Ferienhaus, um bei plötzlich gefundenem Empfang abrupt stehen zu bleiben und exakt von dort das Smartphone für die Kontaktaufnahme mit
der restlichen Welt zu nutzen. Ein Bild für die Götter und eine Anekdote, über die wir heute noch lachen.

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