„Fiestaphobia“: Noch ein letztes Mal | Neue Braunschweiger
19. August 2018
Kultur

„Fiestaphobia“: Noch ein letztes Mal

Die legendäre Partyreihe kommt zurück – Am 27. Oktober wird das Schlosscarree zum Tanzclub

„Fiestaphobia“ auf dem Flughafen: Gleich neben dem Rollfeld befand sich die Tanzfläche. Kai Blome und Robert Pillardy scheuten keine Mühen, um Orte zu Partyorten zu machen. Heute organisiert die Blome & Pillardy Event GmbH Unternehmensveranstaltungen.

Braunschweig. Den Kaffee gibt es in einer orangefarbenen „Fiestaphobia“-Tasse. Kai Blome, Chef der Blome & Pillardy Event GmbH, hat sämtliche Restbestände zusammengekramt, dazu eine Kiste voller Baseballcaps und Sonnenbrillen mit orange getönten Gläsern, außerdem zwei Aktenordner voller alter Zeitungsausschnitte. „Dein erster Artikel über uns muss hier auch noch sein“, sagt er und blättert durch die Klarsichthüllen. Seine Mutter hat aus alten Partytagen alles gesammelt, ausgeschnitten, gebügelt und abgeheftet. Kai Blome und Robert Pillardy, Freund und Geschäftspartner, wollen es noch einmal wissen. „Ein allerletztes Mal Fiestaphobia“, sagt Kai. Die Resonanz auf diese Ankündigung sei gigantisch. Am nächsten Mittwoch beginnt der Kartenvorverkauf.

„Fiestaphobia“ war der Titel einer Partyreihe, die die beiden jungen Männer, damals noch Studenten, ab 2001 auf Entdeckungstour durch die Stadt geführt hat. Raffteichbad, Hauptbahnhof, Flughafen, Bahnausbesserungswerk, Burgpassage – alles Orte, die tagsüber ein bekanntes Leben führten und nun über Nacht – aufgeschminkt und ins rechte Licht gesetzt – als Partyorte Premiere hatten.

Lauter Erinnerungen an damals: Flyer, Zeitungsausschnitte und eine der wenigen „Fiestaphobia“-Kaffeebecher, die noch im Umlauf sind. Eingerahmt hat Kai Blome die Urkunde über die „Fiestaphobia“-Namensrechte.
Fotos (2): Korth

Tanzen, während hinter einem ein Jet abhebt – das hatte etwas. Kein Partygast ahnte, dass die Veranstaltungen bis zu fünf Jahren Vorlauf hatten, bis alle organisatorischen Details geklärt, alle Genehmigungen zusammen waren. Die Idee der beiden Jungunternehmer (Kai hatte den Businessplan für die gemeinsame Firma als Studienarbeit geschrieben) schlug ein, zur ersten „Fiestaphobia“ im Raffteichbad hatten die beiden mit 1000 Besuchern gerechnet, 2500 kamen. Jürgen Scharna, unter dessen Leitung die städtischen Bäder damals standen, war ein Unterstützer der ersten Stunde. Kai hat ihn nicht vergessen, genauso wenig wie all die anderen, die sich auf eine Zusammenarbeit mit den beiden Studenten einließen – keine Selbstverständlichkeit. „Ich habe keine Ahnung, ob wir damals 1000 Mark auf dem Konto hatten“, sagt Kai Blome. Das Startkapital war die gemeinsame Idee und der eigene Arbeitseinsatz. Noch heute meint er, dass man es ohne Startkapital, aber mit einer guten Idee schaffen kann. Das Büro bestand anfangs aus einem Schreibtisch, einem Telefon und einem Computer im Schlafzimmer in Roberts Wohnung im Kanzlerfeld. „Jedes Mal dieses Zittern“, sagt Kai. Kommen genug Gäste? Hält das Wetter? Fast immer ging die Rechnung auf. Mehr noch, „Fiestaphobia“ brachte viel Geld ein und hat sich damit praktisch selbst abgeschafft. Denn von vornherein stand für die beiden Unternehmensgründer fest, dass es mit den Partys und deren nervenaufreibender Organisation vorbei sein sollte, sobald sich die Firma finanziell selbst trägt. „Das war schon 2005 so, wir haben also sogar noch länger gemacht, bis 2009.“

Zum 15. Geburtstag der Eventagentur, die sich von der Neugründung zum Unternehmen mit rund 30 Mitarbeitern an drei Standorten (Braunschweig, Wolfsburg, Hannover) entwickelt hat, wird es nun zu einer Neuauflage kommen. Wieder an einem besonderen Ort: im Schlosscarree, in dem viele Flächen derzeit frei sind, allein 700 Quadratmeter stehen in dem früheren Asiarestaurant zur Verfügung, sogar eine „Geheimtanzfläche“ wird im Gebäude versteckt entstehen. Früher hätte es Fassbier getan, dem Zeitgeist geschuldet sind nun aber Gin-Bar und Craft-Beer-Ausschank. Kai Blome ist gespannt, wie die Mischung aus jungem Partyvolk, das „Fiestaphobia“ nur vom Hörensagen kennt, und den Gästen von einst, die Lust auf eine Zeitreise haben, harmonieren wird. Einige DJs von damals haben schon zugesagt, nach einem Gastspiel werden sie an diejenigen, die heute angesagt sind, das Musikpult übergeben. „Und dann“, sagt Kai“, wollen wir vielleicht auch mal ein Bier an der Theke trinken.“ Selbst zu feiern, dazu sei er früher niemals gekommen.

Verlosung:

Wann: 27. Oktober, Einlass ab 22 Uhr.
Wo: Schlosscarree, Ritterbrunnen 7.
Kartenvorverkauf: Start am Mittwoch (22. August) um 8.22 Uhr im Internet unter fiestaphobia.de.
Wie in alten Zeiten verlost die NB zweimal je zwei Freikarten. Bitte bis zum 22. August eine Mail mit Namen und Kontaktdaten sowie dem Stichwort „Fiestaphobia“ an die Adresse
gewinnspiel@nb-online.de schicken. Wir freuen uns über ein paar persönliche Worte. Wer schon bei früheren „Fiestaphobia“-Partys gefeiert hat, darf gern schreiben, welche Erinnerungen er daran hat. Die Gewinner werden bis zum Wochenende benachrichtigt.

Auch interessant