Film-Nostalgie im Hinterhof | Neue Braunschweiger
16. Januar 2018
Kultur

Film-Nostalgie im Hinterhof

Antiker Filmprojektor ziert Grundstück der Familie Pesenecker

Sascha und Vater Joachim Pesenecker (von links) freuen sich als Inhaber der Kammerlichtspiele über die guten Besucherzahlen.

Von Werner Gantz, 16.01.2018

Königslutter. Was es wohl mit dem merkwürdigen Gerät aus Metall auf dem gemauerten Sockel auf dem Hof eines Grundstücks an der Parkstraße auf sich hat – das fragen sich seit einigen Tagen Passanten in Königslutter. Insider wissen: Es kann nur etwas mit Kino zu tun haben, denn es handelt sich um einen ausrangierten Filmprojektor, der das rückwärtige Grundstück der Familie Pesenecker mit den Kammerlichtspielen an der Braunschweiger Straße 36 ziert.
Der in vierter Generation zuständige Kino-Mann Sascha Pesenecker (40) möchte mit der öffentlichen Ausstellung deutlich machen, mit welch großer Leidenschaft er das Geschäft seines Urgroßvaters fortführt. Conrad Riedel eröffnete 1924 mit den damals möglichen technischen Einrichtungen die Kammerlichtspiele. Viele Jahrzehnte war das ausrangierte Gerät hier im Einsatz. Das Bildmaterial dafür kam von Verleihern per Express in Filmspulen, deren Gewichte je nach Länge der Zelluloidstreifen zwischen 25 und 50 Kilogramm betrugen.
Die Digitalisierung ermöglicht es nun, erheblich einfacher Filme von den Anbietern (Verleihern) zu beziehen und mit moderner Technik auf die Leinwand zu projizieren. Die Umstellung wurde in den Kammerlichtspielen im Jahr 2011 vorgenommen und weckte mit neuesten Angeboten zunehmend das Interesse der Gäste. Aktuell hergestellte Kopien von neuen Filmen sind zeitnah zu bekommen. Der Versand kann neben der Übertragung per Satellit und Datenleitung auch auf externen Festplatten per Zustellung erfolgen.
Junge Menschen in Königslutter und Umgebung haben keine Möglichkeit zum Disko- oder Kneipenbesuch mit adäquatem Musik- und Unterhaltungsangebot. „Daher kommen sie ebenso wie ältere Kinobesucher gern in unser Haus, und wir füllen damit auch eine gesellschaftliche Lücke“, berichten Sohn Sascha und Vater Joachim Pesenecker als Inhaber und freuen sich über die guten Besucherzahlen.
Der Erfolg sei auch mit Restaurierungen und einhergehenden Investitionen gekommen. Die Summen seien nicht unerheblich. Begonnen wurde 1998 mit einer neuen Bestuhlung, dem Bühnenvorhang, dem Fußboden, neuer Beleuchtung im Saal und im Toilettenbereich.
Die gut besuchten Aufführungen waren in zurückliegender Zeit unter anderem die Neuauflage von „James Bond“, „Herr der Ringe“ und „Star Wars“. Die Kinder- und Jugendvorstellungen sind ebenfalls begehrt. Zum Beispiel war die erste Vorstellung mit „Hexe Lilli“ um 11 Uhr am Heiligabend schnell ausverkauft, und es wurde um 13 Uhr ein zweiter Termin angeboten.
Saschas Bruder Dominik ist für die Pflege des Internetauftrittes zuständig. Vorschauen, Öffnungs- und Spielzeitangaben gibt es unter www.kammerlichtspiele.com, auch Eintrittskartenreservierungen können vorgenommen werden. Dafür stehen auch mit info@kino-am-elm.de eine E-Mail-Adresse und natürlich der Telefonanschluss 05353/22 73 zur Verfügung.

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