Fitness zwischen Hü und Hott | Neue Braunschweiger
13. März 2021
Gesundheit

Fitness zwischen Hü und Hott

Die neuen Lockerungen: Dennis Gerlach darf sein EMS-Studio wieder öffnen – das war nicht immer so

Dennis Gerlach darf sein EMS-Studio in der Innenstadt unter bestimmten Auflagen für Mitglieder öffnen. Er hat sich dafür extra einen Raumluftreiniger angeschafft. Foto: Birgit Wiefel

Innenstadt. Seit Ende Februar ist das Fitnessstudio von Dennis Gerlach in der Straße Hintern Brüdern wieder geöffnet. Ein Gerichtsurteil machte es möglich. Für ihn, Trainer und Kunden gelten zwar sehr strenge Auflagen, „aber alles ist besser als geschlossen zu sein“, sagt er.

Dass der Fitnesssektor seit Monaten in den Lockdown gezwungen wird, ärgert ihn. „Das Thema Fitness gehört für viele Politiker immer noch in den Bereich Freizeitaktivitäten, ohne dass der gesundheitliche Nutzen berücksichtigt wird“, sagt Gerlach. Und auch, dass er mit seinem „Muskelimpuls“ normalen Studios gleichgestellt wird, stößt bei ihm auf Unverständnis. „Wir bieten ein völlig anderes Konzept an“, sagt er über das EMS-Training. Vor allem Ende vergangenen Jahres bedeutete dieses „Über-einen-Kamm-scheren“ eine harte Nervenprobe. „Zu Beginn des Lockdown-light wurde uns der Betrieb des EMS-Studios vom Ordnungsamt Braunschweig untersagt. Zwei Wochen später haben wir dann eine Genehmigung zur Öffnung vom Land Niedersachsen bekommen, da ein 1:1 Personal-Training dem Individualsport zugeordnet wurde. Mitte Dezember – also vier Wochen später – wurden EMS-Studios explizit in die Verordnung mit aufgenommen und damit herkömmlichen Fitnessstudios gleichgestellt. Also mussten wir wieder schließen“, erzählt er.

Jetzt im Februar hat sich die Lage wieder geändert. Der Betreiber eines Fitnessstudios hatte gegen die Schließung geklagt und Recht bekommen. Das Gericht entschied: Er darf seine Einrichtung an Einzelpersonen oder Mitglieder des selben Hausstandes für Individualsport vermieten. Drei Wochen später haben auch die EMS-Studios die Genehmigung vom Ordnungsamt und dem Land Niedersachsen bekommen.
„Es liegt auf der Hand, dass sich die Regelung für die meisten Fitnesscenter nicht lohnt“, sagt Dennis Gerlach mit Blick auf Kosten und Nutzen. Ja, sie sei für sein Training und seine Trainingsform besser umsetzbar, „aber auch nicht mehr als eine Notlösung, die viel Organisation erfordert“, sagt Gerlach.

Um die Sicherheit für seine Trainer und Mitglieder zu gewährleisten, investierte er sogar noch einmal einen vierstelligen Betrag. Denn neben dem Einzeltraining hinter einer Plexiglaswand, neben dem Abstand von zwei Metern zwischen Kunde und Trainer, neben dem regelmäßigen Desinfizieren von Geräten und Flächen und neben regelmäßigem Lüften hat Dennis Gerlach noch einen Raumluftreiniger angeschafft. „Der wird auch im Landtag eingesetzt und hält einen 100 Quadratmeter großen Raum garantiert virenfrei“, verweist er auf Tests. 4 500 Euro hat ihn das Gerät gekostet. Viel Geld für einen Selbstständigen, der wochenlang auf Einnahmen verzichten musste, die Hürden der Corona-Hilfen am eigenen Leib erfuhr und dem das Hü und Hott mit Lockerungen und Lockdowns inzwischen ziemlich auf die Nerven geht, obwohl „ich eigentlich ein optimistischer Mensch bin“, sagt Gerlach.

Natürlich versteht er, dass aufgrund der hohen Infektionszahlen die Fitnesscenter mit der zweiten Welle geschlossen werden mussten. „Aber ich verstehe nicht, warum sie trotz ihrer großen Bedeutung für die Gesundheit der Menschen bei den politischen Beratungen und öffentlichen Diskussionen ein Schattendasein führen und mit als letzte bei den Öffnungen berücksichtigt werden.“ Die Vergangenheit hätte gezeigt, dass in Fitnessstudios bei strikter Umsetzung von Hygienemaßnahmen ein verschwindend geringes Risiko für eine Corona-Infektion bestehe.

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