Frauen haben das richtige Gespür

Unterwegs im Twingo: Drei von vier Fahrern des legendären Renaults sind weiblich

Überall, wo der Parkraum eng ist, fühlt sich der Twingo mit seinen etwas über dreieinhalb Metern Länge wohl.

Der Renault Twingo stammt ursprünglich aus einer Zeit, in der es noch nicht vollkommen politisch unkorrekt war, ihn als Frauenauto zu betiteln. Seine Monospace-Karosserie gepaart mit charmanten Kulleraugen und zwei weit öffnenden Türen eroberte 1992 die Herzen. Auch heute sagt Renault, dass man vor allem auf junge Großstadtbewohnerinnen ziele, drei Viertel aller Twingo-Fahrer seien weiblich.

Furchtlos nehme ich dennoch das Angebot an, den Twingo einmal einem Alltags-Check zu unterziehen – Mobilität hat ja nichts mit dem Geschlecht zu tun. Die knuffige Optik, vor allem ausgelöst durch die seit einer Modellpflege im Mai jetzt c-förmigen Scheinwerfer und die kugelige Karosserie, kann man dem Twingo ohne Frage immer noch bescheinigen, aber ich bin fest überzeugt, dass er auch eine praktische Seite hat.

Die Instrumente und Bedienelemente sind stimmig angeordnet. Fotos: Konrad

 

Da sind in erster Linie einmal vier Sitzplätze, die tatsächlich auch ihren Namen verdienen. Das ist in dieser Fahrzeugklasse nicht überall so. Das Sondermodell „Le Coq Sportif“, benannt nach einem französchichen Sportartikel-Hersteller, ist im Innenraum in schwarz-weiß-rot gehalten, stimmig sind Armaturen und Multimediagerät integriert.

Der Kofferraum reicht für den Einkauf aus und lässt sich durch Umlegen der Rücksitze und des Beifahrersitzes vergrößern.

 

Das überdurchschnittliche Raumangebot ist der Konstruktion des Twingo zu verdanken: Der Motor ist im Heck verbaut, quasi im Untergeschoss des Gepäckraumes. Die Räder sitzen sehr weit auseinander und unter der kurzen vorderen Haube müssen nur ein paar Behälter für Flüssigkeiten Platz finden. Legt man Rückbank und Beifahrersitz um, lassen sich sogar Gegenstände mit bis zu 2,3 Meter Länge transportieren – wenn das keine praktische Seite für ein Stadtauto ist!

Der turbogeladene Dreizylinder in unserem sportlichen Hahn treibt die Hinterachse an und schiebt ihn absolut flott nach vorne, Fahrspaß nicht ausgeschlossen. Ein weiterer Vorteil des Heckantriebs: Der Einschlagwinkel der Vorderräder wird nicht durch Antriebswellengelenke beschränkt, dadurch verringert sich der Wendekreis auf herausragende 8,6 Meter. Das hilft auch sehr beim Einparken. Unterstützt von der Rückfahrkamera lässt sich der Twingo so in die kleinsten Lücken zirkeln – die Königsdisziplin eines Stadtautos.

Unverzichtbar für moderne Großstadtbewohner ist natürlich heutzutage das Handy. Und so bekommt es im Twingo ein eigenes Ablagefach mit USB-Schnittstelle, das sich durch einen flexiblen Teiler daneben als Getränkehalter verwenden lässt.

Punkten kann der Twingo aber auch auf der Autobahn. Bis er bei 165 km/h spürbar abregelt, kann er bei normaler Fahrweise auf Augenhöhe mitschwimmen. Sehr komfortabel ist dabei der Tempomat, der sich leicht über die Bedienknöpfe am Lenkrad steuern lässt.

Es ist also schon fast eine Diskriminierung, den Twingo allein auf sein knuffiges Aussehen zu reduzieren. Wenn es nicht gerade mit Familie und Gepäck in den Urlaub gehen soll, deckt der Twingo das Maß an Mobilität ab, das im Alltag notwendig ist.

 

Technische Daten

Renault Twingo TCe90 Sondermodell „Le Coq Sportif“ Länge x Breite x Höhe (in m): 3,62 x 1,65 x 1,54
Radstand (m): 2,49
Motor: Reihendreizylinder, DOHC, Hinterradantrieb
Getriebe: 5-Gang-Schaltgetriebe
Hubraum: 898 cm3
Leistung: 68 kW/93 PS
Max. Drehmoment: 135 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 11,1 Sek
Verbrauch (komb.): 4,7 Liter/100 km
CO2-Emissionen: 108 g/km
Leergewicht/Zuladung: 1015 kg / max. 350 kg
Kofferraum: 219 bis 980 Liter
Wendekreis: 8,6 m Basisversion: 10 290 Euro
Preis Testwagen: 15 390 Euro

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