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„Freu Dich nicht zu spät, genieße den Moment“

NB-Interview mit Horst Lichter – Zurück auf der Live-Bühne: Am 24. Februar mit „Herr Lichter sucht das Glück!“ in der Stadthalle Braunschweig

Horst Lichter. Foto: oh

Braunschweig. Nach drei Jahren Abstinenz kehrt der Mann mit dem berühmtesten Bart Deutschlands nun zurück auf die Live-Bühne, am 24. Februar ist er in der Stadthalle zu Gast. In seinem neuen Bühnenprogramm „Herr Lichter sucht das Glück!“ erzählt Horst Lichter aus seinem Leben und berichtet von ungewöhnlichen Treffen mit den unterschiedlichsten Menschen, denen er aber immer gleich begegnet: mit einer gehörigen Portion Neugier.

Egal ob Handwerker oder Arzt, ob der ältere Herr von nebenan oder die junge Dame aus dem Supermarkt, er interessiert sich für sie und ihre Geschichten. Und insbesondere für ihre Interpretation vom Glück. Im Interview mit der NB erzählt Horst Lichter davon. Und von seinem Lebensmotto: „Freu Dich nicht zu spät, sondern genieße den Moment“.

Herr Lichter, Ihr Bühnenprogramm wird angekündigt mit: ein Mann, ein Mikro und seine Suche nach dem Glück. Was dürfen die Zuschauer von Ihnen erwarten?

Das klingt spannend, oder? Ich brauche kein großes Bühnenbild, ich muss nichts aufbauen, was ablenkt, ich werde keine Band auftanzen lassen und keine Filme einspielen. Ich denke, meine Stimme und Person werden reichen. Ich möchte den Menschen einen unvergesslichen Abend bereiten, an dem sie Tränen lachen, aber vielleicht auch mal nachdenken. Auf jeden Fall sollen sie nachher rausgehen und sagen: Das ging jetzt aber schnell vorbei! Und nicht, weil es kurz, sondern weil es kurzweilig war.

Was bedeutet Ihnen ganz persönlich Glück?

Dass ich es bemerke! Die meisten Menschen bemerken das Glück leider nicht. Das ist immer so schade. Wie oft sitzt man mit Freunden zusammen und lacht Tränen über etwas, was man mal erlebt hat: gestern, damals, früher… Und erzählt davon, worauf man sich freut, was noch kommt: morgen, übermorgen oder in der Zukunft. Und vergisst dabei, dass man vielleicht gerade in diesem Augenblick unglaublich glücklich ist, weil man in so netter Gesellschaft ist, so viel lacht und erzählt. Ja und von dem Abend erzählen sie erst wieder beim nächsten Mal: Weißt du noch, als wir das letzte Mal zusammen saßen? Was hatten wir da für einen Spaß!

In Ihrem Bühnenprogramm erzählen Sie von ungewöhnlichen Treffen mit den unterschiedlichsten Menschen. Wer hat Sie in Ihrem Leben am meisten beeindruckt und womit?

Es gibt viele Menschen, die mich in meinen verschiedenen Lebensphasen beeindruckt haben, was auch mein Leben mit beeinflusst hat. Eine schöne Geschichte ist von einem Freund, die habe ich oft erzählt und erzähle sie immer wieder gerne: Der hat mir die Pünktlichkeit beigebracht –mit einem einzigen Satz, für den Rest meines Lebens. Ich hatte immer schon viele Freunde und Bekannte, die bedeutend älter und reifer waren als ich. Und ich war noch ein junger Mann, ich war Anfang 20 und besuchte einen meiner Freunde, mit dem ich um 14 Uhr einen Termin hatte. Und ja – ich hab das als junger Mann mit der Pünktlichkeit nicht so genau genommen. Das war zwar 14 Uhr, das konnte bei mir dann aber auch halb zwei, oder 15 Uhr sein. Und ich kam also eine halbe Stunde zu spät. Und da komme ich bei ihm rein ins Büro – ein ganz feiner Geschäftsmann – und eigentlich waren wir per du. Ich komm also rein, ich sag „Hallo Eckes“, er guckt mich nur an, lehnt sich zurück und sagt: „Herr Lichter! Dass, was Sie heute getan haben, kann ich Ihnen nie mehr verzeihen! Sie haben mir eine halbe Stunde meines endlichen Lebens unwiederbringlich gestohlen, in dem ich auf Sie gewartet habe und meine Zeit nicht selbstbestimmt verbringen konnte. Machen Sie das nie wieder“. Und das hat so gesessen bei mir, dass ich nie wieder irgendwo zu spät hinkomme. Ich bin immer zu früh da, ich rechne immer aus: Wie lange brauche ich für die Fahrstrecke? Was muss ich mit einkalkulieren? Ich fahre immer viel zu früh los, aber ich möchte nie mehr Menschen Zeit stehlen von ihrem Leben, was zeitlich begrenzt ist. Und das ist zum Beispiel eine dieser Begegnungen. Ich hab mit dem Mann viel, viel Spaß gehabt und wir sind bis heute ganz enge Freunde, aber das werde ich ihm nie vergessen.

Ihre Sendung „Bares für Rares“ ist ja ein absoluter Dauerbrenner, über 700 Folgen wurden davon bereits gesendet – reizt Sie das Format trotzdem noch? Gibt es da immer noch neue und spannende Geschichten zu erzählen?

Tatsächlich jeden Tag. Und das sage ich jetzt nicht als Werbung für die Sendung. Ich bin so privilegiert, dass ich das machen darf, das freut mich unglaublich. Jeden Tag neue Menschen, die ich kennenlerne, mit den unterschiedlichsten Lebensgeschichten. Jeden Tag lerne ich etwas, ganz locker und leicht. Wenn ich jetzt zu einem Juwelier gehen würde und würde sagen, ich guck mir ein paar Ringe an, würden die mich überhaupt nicht interessieren. Aber sobald ein Mensch damit in Verbindung steht, und mein Experte mir auf einmal anhand von vielen kleinen Dingen etwas erklärt, bekommt es eine Bedeutung. Und es kommen jeden Tag irgendwelche Verrücktheiten, die ich so in meinem Leben noch nicht gesehen hab, wo ich denke: Das ist ja unglaublich, dass es sowas gibt. Dann überrascht mich jedes Mal die Vorstellung: Was möchten die Menschen? Was ist es wirklich wert und was bekommt man zum Schluss? Das ist mal ‘ne Tragödie, mal ‘ne Komödie, mal ein Kriminalfall. Das finde ich nach wie vor wahnsinnig faszinierend. Außerdem hab ich das Glück, dass ich ein Umfeld habe, wo ich mich wahnsinnig wohlfühle. Das heißt: Mein ganzes Team gibt mir das Gefühl, dass sie mich mögen. Selbst, wenn es nicht stimmt, machen Sie es hervorragend. Auf jeden Fall mag ich die! Und deswegen ist das für mich auch keine Belastung oder Arbeit.

Sie waren Fernsehkoch, TV-Moderator, Buchautor, jetzt sind Sie Live-Entertainer mit einem Show-Programm. Was haben Sie denn noch in petto? Womit überraschen Sie als nächstes?

Ach Gott im Himmel. Das hört sich nur so heftig an, wenn man das so liest, oder wenn das jemand aufschreibt oder erzählt. Aber unterm Strich habe ich ja nie etwas anderes getan, als was ich immer tue: Ich hab immer schon Menschen unterhalten. Wenn ich überlege: Ich bin 15 Jahre auf Bühnen kreuz und quer durch Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs gewesen. 60 Abende pro Jahr. Vor drei Jahren habe ich aufgehört mit der Bühne, weil ich gesagt habe: Jetzt ist gut, ich habe kein Programm mehr. Kein Programm mehr heißt für mich: Ich kann nur auf die Bühne gehen, wenn aus mir selber etwas entspringt, wo ich sage, da lohnt es sich drüber zu erzählen und damit kann ich die Menschen so positiv unterhalten, dass die wirklich begeistert nach Hause gehen. Und jetzt war es so, dass ich gesagt habe: OK, ich hab da was, aber ich werde nur zehn Abende machen. Um mich zu schützen, weil ich nicht noch mehr arbeiten darf, irgendwann ist ja mal gut. Aber diese zehn Abende werde ich unfassbar genießen und deswegen gehe ich damit fast kreuz und quer durch Deutschland. Da freue ich mich sehr drauf.

Wie schaffen Sie sich persönlich einen gesunden Ausgleich zu all dem, was Sie so machen?

Das ist für mich relativ einfach. All die Dinge, die ich mache, mache ich sehr gern. Und Stress macht man sich selber. Ich mache mir keinen Stress, ich arbeite nur gerne viel. Viele sagen zu mir: Mensch Horst, du machst 230 Sendungen „Bares für Rares“ pro Jahr, plus die Abendshows – ist das nicht zu viel Arbeit? Dann kann ich immer nur antworten: Jeder Mensch in Deutschland geht jeden Tag zur Arbeit. Immer zur gleichen Arbeit, mit den gleichen Kollegen und mit den gleichen Dingen, die er tun muss. Das ist Arbeit. Auf meiner Arbeit lachen wir jeden Tag. Es gibt nicht einen Tag, wo wir nicht herzhaft gelacht hätten beim Dreh. Ich bin mit Menschen zusammen und lerne jeden Tag noch neue kennen. Das ist doch wunderbar! Die Dinge, die ich mache, machen mir Freude, deswegen sind sie keine Belastung. Ich muss halt nur darauf achtgeben, dass ich auch noch Momente habe, die nur für mich und meine Frau sind.

Und was machen Sie in solchen Momenten?

Was ganz normale Menschen auch machen. Abends zu Hause sitzen, was Leckeres kochen – das macht aber meine Frau – Erzählen, Spazieren gehen, mit dem Motorrad fahren. Ganz normale Dinge eben, nix Aufregendes. Wir suchen keinen roten Teppich, deshalb bin ich da auch so selten zu sehen, wir gehen auf keine großen Partys, weil wir da nicht mal unter uns wären. Wir treffen uns gern mit lieben Freunden, lachen, erzählen aber auch mal ernst oder traurig, auch das kann nämlich mal ein wunderschöner Abend sein.

Sie sagten gerade, ihre Frau kocht zu Hause. Ist das Kochen bei Ihnen gänzlich in den Hintergrund getreten?

Bei mir tatsächlich im Moment ja, aber ich habe auch schon immer offen darüber gesprochen, dass das Kochen mein Beruf ist, aber nie meine Berufung war. Ich werde oft gefragt, ob ich nochmal eine Kochsendung mache. Dazu habe ich immer gesagt: Wenn ein Produzent kommt und hat eine Idee, die in drei Sätzen erklärt ist und die mir so viel Freude macht, das ich sage, ich möchte sie machen – dann werde ich auch wieder kochen.

Ich habe im Internet gelesen, dass Sie auch einige Produkte mitentwickelt haben: Bier, Tütensuppen und Pfeifentabak….

Keine Tütensuppen, halt, stopp das ist falsch! Derjenige, der das geschrieben hat, wusste nicht, wovon er redet, er hat es auch nicht gesehen. Er hat nur gedacht: Oh, der Herr Lichter hat für Maggi Werbung gemacht – also für Tütensuppen! Aber der hat sich nie mit dem Produkt mal kurz auseinandergesetzt. Die Firma Maggi hat noch nie in ihrer Geschichte von weit über 100 Jahren mit einem Testimonial Werbung gemacht. Mit mir das erste Mal. Warum? Die haben mich geholt und haben gesagt: Herr Lichter, wir würden gern ein Produkt entwickeln ohne Konservierungsstoffe, ohne Geschmacksverstärker, wo der Mensch frisch einkaufen muss, aber nachher eine Gelinggarantie hat dafür, dass das Essen so ist, wie es sein soll. Dann habe ich bei denen mit ganz vielen Köchen ewig gekocht, gemacht und getan. Auf dieser Tüte – natürlich war es eine Tüte – stand draußen drauf, was man frisch kaufen muss: Fleisch, Gemüse – die ganzen Zutaten. Und in der Tüte selber, da war im Prinzip nichts anderes drin, als ein Soßenbindungsmittel mit Gewürzen – damit es nachher so schmeckt, wie das Rezept es angibt. Ich habe auch mal mit einer ganz kleinen Brauerei ein Bier entwickelt. Und dieses Bier hat damals unter 600 Biersorten als bestes Bier im Test gewonnen. Ich habe es in Holzkisten verkauft, die ich selber konzipiert habe und die in einer Behindertenwerkstatt gebaut wurden. Und ich habe aufgehört mit dem Bier, weil die Brauerei aufgekauft wurde. Der neue Brauer wollte Geld verdienen, viel Geld, und deswegen wollte er mein Bier in Plastikkisten verkaufen. Ich sagte: „Dann ist aber diese Behindertenwerkstatt arbeitslos!“ Als habe ich mit dem Bier aufgehört. Wenn ich für irgendetwas Werbung gemacht habe in meinem Leben oder mal ein eigenes Produkt gemacht habe, dann haben wir uns vorher sehr lange damit auseinandergesetzt, weil ich weiß, wenn ich meinen Namen oder mein Gesicht für etwas gebe, kann ich mit einer Sache mein Leben zerstören. Und so geldgierig könnte ich in meinem Leben nicht sein.

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