27. Juli 2021
Kultur

Freundschaft trägt, Humor tröstet

Die Komödie am Altstadtmarkt spielt „Golden Girls“ im Heinrich-Biergarten

Golden Girls der Komödie im Stadtpark: Marion Reck, Sabine Schmidt-Kirchner, Botond von Gaal, Gaby Blum und Helene Ruthmann Foto: Komödie am Altstadtmarkt

Stadtpark. Wo gibts denn sowas? Alte Schachteln im Fernsehen? Und dann noch erfolgreich? „Die Golden Girls“ haben es geschafft. Die Serie war von Anfang an der Knaller. Geradezu unerhört. 1992 wurde sie nach sieben Staffeln und 30 Jahren (!) eingestellt. Und ist noch immer nicht tot. Im Gegenteil. Gerade hatte die Kult-Sitcom Premiere im Heinrich. Die Komödie am Altstadtmarkt hat die „Golden Girls“ auf die Open-Air-Bühne gestellt.

„Der 24. Theaterabend und nur einmal Regen“, sagt ein dankbarer Florian Battermann seinen Gästen bei der Premiere. Bis eben stand „Loriot“ auf dem Programm, nun also die „Golden Girls“. Die Theaterabende im Heinrich-Biergarten sind aus der Coronanot im vergangenen Jahr geboren, und waren ruckzuck so beliebt, dass sie in diesem Jahr weiterlaufen. „Danke auch an den Heinrich-Chef Thomas Tägtmeyer, der uns hier mietfrei spielen lässt“, betont Battermann. Immerhin sind die Engagements für viele der Schauspieler ein wichtiger Arbeitsplatz in diesen besonders für Künstler schweren Zeiten.
Regisseur Oliver Geilhardt hat sich aus der Serie verschiedene Episoden rausgepickt, Komödienchef Florian Battermann hat noch mal nachgefeilt. Dennoch, hier hat der Abend seine kleinen Schwächen. Die mitunter durchaus ernsten und berührenden Themen, die unter der ulkigen und witzigen Oberfläche glimmen, werden nicht zu Ende erzählt. Ein roter Faden wäre hilfreich.

Aber – die Frauen sind umwerfend. Jede auf ihre Art. Wie in der Serie. Wie im richtigen Leben. Und sie verkörpern glaubhaft einen Traum: In der Rente mit den besten Freundinnen (oder Freunden) in einer Alters-WG leben – vorzugsweise in einer geräumigen Villa in Florida, so wie Dorothy, Blanche, Rose und Sophia.

Und die sind erstaunlich gut gealtert. Die Frauen – und auch die Serie. Die Themen von damals sind nach wie vor aktuell. Vor allem für Frauen: Altersarmut, Einsamkeit, Diäten, Sex im Alter, dicke Hintern und potente Männer.
Es sind amüsante Geschichten um die naive Witwe Rose (Helene Ruthmann), die in erotischen Träumen und der Hoffnung auf einen Mann verfangene Blanche (Gaby Blum), die sarkastische Dorothy (Sabine Schmidt-Kirchner) und deren rabiate Mutter Sophia (Marion Reck), eine mit reichlich Ironie, Zynismus und Lebenserfahrung gesegnete gebürtige Sizilianerin.
Die Frauen leben, lieben, kämpfen, zicken und umarmen sich. Und sie trösten sich mit Kuchen.
Botond von Gaal kommt als Heiratsschwindler dazu, Andreas Werth als schwuler Regisseur.

Aber die Frauen sind der Mittelpunkt. Sie schaffen es, die Angst vor dem Alter aufzulösen, ihr intelligenter, beißender Humor, die Warmherzigkeit und die authentisch wirkende, bei allen Unterschieden unerschütterliche Freundschaft zwischen den vier Frauen, machen den Theater-Abend zu einem Mut-mach-Abend. Von wegen alte Schachteln.

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