Friedlich für Vielfalt demonstriert

Mehrere Tausend Menschen am Montag bei Bragida-Gegendemonstration vor dem Schloss.

Zum Teil hatten die Menschen sehr persönliche Protestnoten oder auch Botschaften zur Kundgebung am Montagabend mitgebracht. Foto: Thomas Ammerpohl

Von Marion Korth, 27. Januar 2015.

Braunschweig. Nein, es waren nicht so viele wie am Montag vergangener Woche, trotzdem gingen mehrere Tausend Menschen – die Polizei spricht von rund 2500, die Veranstalter von 4500 Teilnehmern – für ein weltoffenes und gastfreundliches Braunschweig auf die Straße.

„Gemeinsam sind wir stark“, „Salzgitter ist Charlie“ oder „70 Jahre nach Auschwitz – fassungslose Verzweiflung, nie wieder Faschismus!“ – der Protest gegen Bragida zeigte sich am Montag in seiner ganzen Vielfalt, mit lauteren und leiseren Tönen, ein bisschen kämpferisch oder eben leise und nachdenklich.
Die Veranstaltung verlief völlig ruhig und ohne jede Zwischenfälle, die Polizei stellt sich bereits auf einen weiteren Einsatz am nächsten Montag ein, Bragida will erneut eine Versammlung abhalten.
Trotz Kälte und Dauerregens schwenkten die Menschen unverdrossen Fahnen und sorgten dafür, dass der Schlossplatz so bunt war, wie es sich das Bündnis gegen Rechts nur wünschen konnte.
„Das Wetter ist so beschissen, wie der Anlass für diese Versammlung“, hatte Sebastian Wertmüller als Vertreter des Bündnisses gesagt und damit die Versammlung der Islamkritiker wenige Meter weiter gemeint. Umso herzlicher hieß er anschließend die „demokratische Öffentlichkeit der Stadt“ willkommen.
Rainer Ottinger, Vizepräsident von Eintracht Braunschweig, drückte die Hoffnung aus, dass aus der Anti-Bragida-Bewegung ein langanhaltendes Bewusstsein wächst und gemeinsam an einem Braunschweig-Image der Weltoffenheit gearbeitet wird. „Rechtspopulistische Bewegungen sind dafür schädlich“, sagte Ottinger. Jeder Form der Ausländerfeindlichkeit müsse die rote Karte gezeigt werden. Und er nannte die Namen der Fußballspieler, deren Familien aus anderen Ländern kommen, aber ohne die Mannschaft und Erfolg der Eintracht nicht denkbar wären. Ottinger versprach, dass der Verein sich weiter dafür engagieren wird, auch mit der kleinen Gruppe radikaler Fans ins Gespräch zu kommen. Darüber hinaus seien im Eintracht-Aktionsjahr für Vielfalt, Toleranz und Respekt zahlreiche Veranstaltungen und Projekte geplant.
Die Schar der Bragida-Anhänger war mit rund 320 Menschen ziemlich überschaubar, darunter hätten sich mindestens 100 Personen befunden, die die Polizei der rechtsradikalen oder der Hooligan-Szene zuordnet.
Bei Redaktionsschluss am Dienstagabend lag der Stadtverwaltung eine Versammlungsanmeldung von Bragida für Montag (2. Februar) von 18.30 bis 20.30 Uhr auf dem Europaplatz vor. Ob, wie geplant, ein Aufzug stattfindet, darüber will der Anmelder wie an den vorherigen Montagen kurzfristig vor Ort mit der Polizei entscheiden. Die Stadtverwaltung führt in den nächsten Tagen ein Kooperationsgespräch, Änderungen hinsichtlich Ort und Ablauf sind noch möglich. Eine Gegendemonstration sei noch nicht angemeldet worden, teilt die Stadt mit.

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