24. Oktober 2021
Politik

Führung mit Herz und Haltung

Emotionale Verabschiedung von Oberbürgermeister Ulrich Markurth im Städtischen Museum

Oberbürgermeister Ulrich Markurth mit seiner Frau Susanne bei der feierlichen Verabschiedung im Städtischen Museum. Umrahmt von Stadtrat Christian Geiger (links) und Ministerpräsident Stephan Weil sowie von Ehrenbürger Gerhard Glogowski und dem neuen Oberbürgermeister Thorsten Kornblum. Foto: Peter Sierigk

Braunschweig. „Normalerweise hört man solche Laudationen ja nicht, weil man dann schon tot ist“, kommentierte Ulrich Markurth launig die anerkennenden Reden zu seiner Verabschiedung und kaschierte mit der flapsigen Bemerkung ein wenig seine Emotionen.

Ministerpräsident Stephan Weil, Vize-Verwaltungschef Christian Geiger und OB-Nachfolger Thorsten Kornblum hatten im Städtischen Museum vor rund 200 Gästen auf unterschiedliche Weise das Bild von einem Mann gezeichnet, der neben vielem anderen vor allem eines hat: Haltung und Herzenswärme.
Stephan Weil sprach von der „eierlegenden Wollmilchsau“, die für das Amt des Oberbürgermeisters nötig ist: Eine Verwaltung führen, einen Mischkonzern leiten, mit einem ehrenamtlichen Rat zusammenarbeiten, eine Großstadt repräsentieren und und und. Und als ob das alles nicht genug sei, war die siebenjährige Amtszeit Ulrich Markurths durch Krisen in bisher nicht gekanntem Ausmaß gekennzeichnet: 2015 die hohe Zahl an Geflüchteten und seit zwei Jahren die Pandemie.

„Du hast großartige Arbeit geleistet“, sagt Stefan Weil, „Braunschweig hat allen Grund, dir dankbar zu sein, das Land jedenfalls sagt von Herzen danke.“
Für den sonst eher kühl wirkenden Stadtrat Geiger war seine Abschiedsrede sehr emotional. Er sprach von einem „seismographischen Gespür“, mit dem Ulrich Markurth umschalten und sich auf komplett unterschiedliche Situationen und Menschen blitzschnell einstellen könne. Und er lobte das „enzyklopädische Wissen“ seines Oberbürgermeisters: „Sie kennen jede Schule, jede Kita.“ Geiger zählte einige Beispielerfolge aus Markurths Amtszeit auf: 6000 neue Wohnungen, ein neues Umweltdezernat, Stadtbahnausbau, Bürgerbeteiligung am Stadtentwicklungskonzept, Ausstieg aus der Kohle, Ganztagsbetreuung für Schüler und vieles mehr.

In der täglichen Arbeit und auch in den wöchentlichen Dezernentenkonferenzen habe er erlebt, wie Markurth Konflikte bewältigen und Fliehkräfte bändigen könne. „Ich habe Sie nie laut oder aggressiv erlebt“, sagte er, „allenfalls sehr deutlich. Sie haben immer eine gesichtswahrende Lösung für alle gesucht. Geholfen hat dabei auch und nicht zuletzt Ihr Humor.“

Ulrich Markurth packte diese offizielle Chance beim Schopf und sprach zum Abschied über die Bedeutung der kommunalen Ebene. „Kommunen können Krisen“, sagte er, „sie müssen Krisen können.“ In der zermürbenden und nervenaufreibenden Zeit der Pandemie habe seine Kommune gezeigt, was sie leisten kann: „Multifunktionale Teams unter der Leitung von Sozialdezernentin Christine Arbogast und Feuerwehrchef Torge Malchau haben großartig funktioniert.“
Für die Zukunft mahnte er Richtung Land vor allem eine ausreichende finanzielle Unterstützung der Kommunen an. Er sprach vom notwendigen Erhalt der Braunschweigischen Landessparkasse, der überfälligen Modernisierung des Staatstheaters und dem Angebot des städtischen Klinikums zur Ärzteausbildung – und damit der finanziellen Absicherung als Uniklinik.

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