Fünf Jahre Streit um neue Fenster

Landeskriminalamt empfiehlt Handwerker

Sieht auf den ersten Blick nett aus, aber mit ihren neuen Fenstern haben die Müllers nur Ärger. Seit fünf Jahren zieht sich der Streit mit dem Handwerksbetrieb hin. Foto: oh

Braunschweig. Kaum hatten wir über den kostenlosen Beratungsservice der Kriminalpolizei zur Einbruchssicherung berichtet (siehe NB vom 20. Juni), da rief uns Horst Müller an (Name von der Redaktion geändert): Bei ihm ist die Aktion gründlich schief gegangen. „Die angeblich einbruchsicheren Fenster, die bei den Müllers eingebaut wurden, passen vorn und hinten nicht. Pfusch hoch drei“, beurteilt Polizeihauptkommissar Peter Voiß die Lage.

2013 hatten sich die Müllers vorgenommen, ihr 1981 gebautes Eigenheim mit neuen Fenstern auszustatten. „Es ging uns vor allem um Wärmedämmung und Lärmschutz“, blickt Müller zurück. Dann sprach ein Bekannter ihn auf das Thema Einbruchsschutz an. Die Müllers nahmen sich den Rat zu Herzen und suchten einen Fensterbauer, der ihre Wünsche erfüllen konnte. Sicherheitsstandard RC2 wollten sie haben. 12 000 Euro Anzahlung – und nur Ärger. „Die Fenster sind nicht richtig dicht, schließen am Boden nicht ab, ständig kommen Ameisen in unser Haus, eines der Elemente ist schlichtweg zu groß, von Sicherheitsstandard RC2 ganz zu schweigen. Wir haben nicht einmal abschließbare Fenstergriffe.“

Irgendwann traf Müller auf Peter Voiß. Der Sicherheitsberater der Polizei war am Infostand in der Burgpassage. „Ich habe mir das ganz Drama angehört und bin dann rausgefahren zu den Müllers“, sagt Voiß. Als Polizeihauptkommissar Peter Voiß sich die neuen Fenster bei den Müllers ansah, konnte er nur noch mit dem Kopf schütteln. Und als er hörte, wie lange das Ehepaar Müller schon um eine Lösung kämpft, fühlte er sich wieder bestätigt: „Das ist einfach eine Schweinerei“, schimpft der Sicherheitsberater der Polizei, „es ist und bleibt ein Skandal in diesem Land, dass Verbraucher so schwer zu ihrem Recht kommen, die Klageverfahren dauern viel zu lange, die Kosten liegen zunächst beim Kläger, das schreckt viele ab.“

Das „Gezerre zwischen Anwälten und Gutachtern“ geht an die Nerven der Betroffenen, weiß Voiß. „Und in diesem Fall war auch noch ein Gutachter im Spiel, der nachweislich keine Ahnung vom Fensterbau hatte“, ärgert sich Voiß.
Die Müllers sind seit fünf Jahren mit Gutachtern und Rechtsanwälten beschäftigt. „Der Fensterbauer hat zwischendurch kleinere Nacharbeiten durchgeführt, aber unsere Mängelliste ist nach wie vor lang. Er hat uns Nachrüstungen angeboten. Aber wir wollen keine nachgerüsteten Fenster, wir wollen neue.“
Der Streit zieht sich weiter hin, eine Lösung ist nicht in Sicht. Erfreulich: „Wir lassen uns davon nicht unseren Alltag vermiesen“, betonen die Müllers, aufgeben wollen sie auf keinen Fall.

Polizist Peter Voiß verweist noch einmal eindringlich auf seine Beratungsstelle. „Wir händigen dort auch eine Liste aus, auf denen Handwerksbetriebe stehen, die vom Landeskriminalamt überprüft und für gut befunden wurden. Damit ist der Kunde auf der sicheren Seite.“ Für Braunschweig sind dort sieben Betriebe genannt.
„Wir hatten damals auch die Liste, aber wir waren schon vor den Sicherheitsüberlegungen mit einem Handwerksbetrieb im Gespräch. Und der Chef hatte sich sehr um uns bemüht, wir haben uns gut aufgehoben gefühlt.“
„Das war offensichtlich ein Fehler“, urteilt Peter Voiß und lädt erneut alle Bauherren, aber auch alle Wohnungsbesitzer und Mieter zur kostenlosen Beratung ein: Unter der Rufnummer 0531/4 76 20 05 können Termine vereinbart werden. Die Beamten kommen nach Hause und beraten vor Ort, oder aber potenzielle Bauherren werden direkt in die Beratungsstelle an der Friedrich-Voigtländer-Straße eingeladen und erleben Einbruchsschutz live.

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