Für die Freifläche gibt es schon Pläne

Eckgrundstück an der Petrikirche: P2-Gruppe fragt Verwaltung nach Nutzungsmöglichkeiten

Die Landeskirche prüft die Möglichkeiten einer Bebauung zu den Straßenseiten hin. Die Partei und die Piraten hatten die Stadtverwaltung nach Nutzungsplänen gefragt. Foto: Marion Korth

Von Marion Korth

Braunschweig. Für die einen ist es eine Baulücke oder Brachfläche, für die anderen Freifläche, Grünanlage oder sogar Experimentierfeld mit Potenzial: Es geht um das Eckgrundstück Lange Straße/Gördelinger Straße, direkt angrenzend an die Petrikirche und neben dem BZV-Medienhaus. Mit ihrer Anfrage über Nutzungsmöglichkeiten hat die P2-Gruppe aus Partei und Piratenpartei das Thema öffentlich auf die Tagesordnung der Sitzung des Stadtbezirksrates Innenstadt am Dienstag geholt.

Was die beiden Parteien nicht wussten – im Hintergrund gibt es bereits erste Überlegungen für eine Bebauung, und nicht die gesamte Fläche gehört der Stadt. Denn genau danach, nach Nutzungsplänen für das Grundstück, wird die Stadtverwaltung gefragt. Eine Frage, die nicht nur Partei und Piraten beschäftigt. „Wir sind bei unserem Stadtspaziergang regelrecht darüber gestolpert“, sagt Martin Bonneberg (Piratenpartei). Die Spaziergänge, an denen jeder teilnehmen kann, sind als Beitrag zum Bürgerdialog gedacht. „Jeder geht mit einem anderen Blick durch die Stadt“, erläutert Bonneberg. Egal, ob Mängel oder Möglichkeiten, die beiden kleinen Parteien seien offen für Hinweise und Ideen. „Wir verstehen uns auch als Impulsgeber“, sagt Bonneberg. Die Frage, wo es noch städtische Freiräume gibt, ist die Triebfeder. Das (noch) unbebaute Grundstück in exponierter Lage fiel beim Spaziergang im Januar sofort auf. Selbst Verkehr und damit verbundener Lärm seien generell kein Problem, meint Bonneberg. Ein Stadtgarten, ein Camp oder anknüpfend an die Bars an der Langen Straße eine „Open-Air-Biermeile“, da sei viel vorstellbar.
Die Antwort der Stadtverwaltung wirkt angesichts solcher Ideen ein bisschen ernüchternd. Das Eckgrundstück befindet sich nur teilweise in städtischem Besitz, diese Fläche liegt unmittelbar im Einmündungsbereich Lange Straße/Gördelinger Straße, zweiter Eigner ist die evangelische Landeskirche, die an die Stadt herangetreten sei. Die Kirche hat das gesamte Grundstück im Blick. „Die evangelische Landeskirche beabsichtigt, die Brachfläche mit einer straßenbegleitenden Bebauung zu fassen. Dadurch kann eine qualitativ hochwertige lärmgeschützte Freifläche entstehen“, teilt die Stadt mit.
Das neue Gebäude, das der Landeskirche vorschwebt, soll Platz für Wohnungen, auch günstige Sozialwohnungen sowie Räume für die Kirchengemeinde unter seinem Dach haben. „Wir befinden uns in einer Phase von Voruntersuchungen. Gemeinsam mit der Stadt Braunschweig bereiten wir derzeit die Beauftragung von Braunschweiger Architektenbüros vor. Diese sollen Entwürfe für ein Gebäude entwickeln, das vermietbare Wohnungen, Räume für die Kirchengemeinde sowie zu 20 Prozent Sozialwohnungen umfasst. Ergebnisse werden im Frühsommer dieses Jahres erwartet“, teilt die evangelisch-lutherische Landeskirche mit. Eine abschließende Entscheidung, ob das skizzierte Bauprojekt realisiert wird, dürfte im Herbst fallen.
Die Verwaltung steht Bebauungsplänen nicht ablehnend gegenüber, durch eine straßenbegleitende Bebauung könne eine „qualitativ hochwertige lärmgeschützte Freifläche“ entstehen. Davon könne derzeit angesichts von Verkehr und Lärm keine Rede sein, die Verwaltung sieht deshalb nur „wenig Aufenthaltsqualitäten“. Eher kritisch beurteilt die Verwaltung auch eine zwischenzeitliche Nutzung, bis Bagger und Bauarbeiter anrücken. Ohnehin komme diese nur für den städtischen Grundstücksteil infrage. Eine aufwendige Umgestaltung der Rasenfläche stehe aus Kostengründen in keinem Verhältnis zur Nutzungsdauer.
An dieser Stelle kommen dann vielleicht doch noch die Piraten mit ihrer Idee eines Biergartens oder Sommercamps ins Spiel. Ansonsten bleibt der Griff zur Blumensamentüte …

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