Gangster-Rapper und Prinzessin Lillifee

Hat „#MeToo“ Braunschweig verändert? – Das sagen Polizei und Beratungsstellen

Wollen Betroffenen von Anmache und Vergewaltigung helfen (v.l.) Ines Fricke von der Polizeiinspektion Braunschweig sowie Sozialarbeiterin Nadine Wehner und Diplom-Psychologin Ann-Kristin Hartz von der Frauen- und Mädchenberatungsstelle bei sexueller Gewalt. Foto: Wiefel

Innenstadt. „Solange Jungen Gangster-Rapper toll finden und Mädchen für Prinzessin Lillifee schwärmen, wird sich wohl nicht so schnell etwas ändern.“ Ines Fricke von der Polizeiinspektion Braunschweig gibt sich keiner Illusion hin.

Die Hauptkommissarin arbeitet im Präventionsteam und bietet regelmäßig Workshops in Selbstschutz und Zivilcourage an.Einfach mal Nein sagen fiele Frauen immer noch vielen schwer, dabei hat sich durch „#MeToo“ auch in Braunschweig Einiges bewegt.

„Die mediale Aufmerksamkeit, der bessere Opferschutz und auch der Rechtsanspruch auf psychosoziale Begleitung haben dazu geführt, dass die Betroffenen eher ihr Schweigen brechen“, sagt Ann-Kristin Hartz von der Frauen- und Mädchenberatung bei sexueller Gewalt in der Münzstraße. Dennoch: Die Nachfrage nach Beratung reißt nicht ab. „Der Bedarf ist groß“, sagt die Diplom-Psychologin. Für Ines Fricke, Hauptkommissarin bei der Polizeiinspektion Braunschweig, liegt ein Grund dafür in der traditionellen Rollenverteilung.

„Orange your city“: Auch Braunschweig beteiligte sich an der UN-Aktion zur Ächtung der Gewalt gegen Frauen. Archivfoto: Lüer

Sucht nach Harmonie

„Trotz Emanzipationsbewegung, trotz Standing im Beruf – wir sind immer noch das weiche Geschlecht, die klassischen Vermittler“, sagt Fricke über Frauen. „Wir sorgen für Harmonie, haben Angst, abgewiesen zu werden oder jemanden zu verletzten.“
Das könne in bestimmten Situationen zum Problem werden. „Wer einen Mann mit einem Nein abweist und dabei verlegen lächelt, sendet keine eindeutigen Signale, sondern im schlimmsten Fall eine Einladung aus, es weiter zu versuchen“, so Fricke.
Anmache, Betatschen oder gar eine Vergewaltigung kommen nicht aus heiterem Himmel, weiß auch Diplom-Psychologin Ann-Kristin Hartz. „Der Täter sitzt nicht unbedingt im Gebüsch. Es ist eher der nette Paten-Onkel, der Ehemann oder der Vorgesetzte, der schon vorher einmal versucht hat, wie weit er gehen kann“, sagt Hartz.

Es geht um Macht

Oft ginge es auch gar nicht um sexuelle Befriedigung sondern um Dominanz – „und die wird schleichend verstärkt“, weiß Sozialarbeiterin Nadine Wehner. „Wenn du etwas sagst, bringe ich dein Haustier um“, „Wenn du zickig wirst, lasse ich dich durch die Prüfung fallen“ sind typische Drohungen, mit denen die Betroffenen eingeschüchtert werden. „Sieben Mal muss ein Kind – wenn es überhaupt den Mund aufmacht – ansetzen, damit jemand reagiert“, sagt Wehner und nennt damit ein weiteres Problem, warum es so schwer für das Opfer ist, Hilfe zu suchen – und zu finden.

„Wer betatscht wird, ist meist erst einmal irritiert, schämt sich, fühlt sich manchmal sogar mitschuldig“, sagt Wehner. Dann reagiert das Umfeld mit Vorwürfen: „Warum hast du auch so einen kurzen Rock angezogen.“
Für alle, die mit diesen Zweifeln kämpfen, hat Hauptkommissarin Ines Fricke nur einen Rat: „Ein kurzer Rock ist keine Einladung und ein Nein ist ein Nein. Wenn Sie sich unwohl fühlen, dann sagen Sie es – ruhig, entschieden und wenn das nicht hilft zur Not auch mit Klauen und Zähnen.“

Service

In der Frauen- und Mädchenberatung bei sexueller Gewalt bietet ein Team aus Sozialpädagoginnen und Psychologinnen in der Münzstraße 16 Hilfesuchenden Rat und Unterstützung an. Info- Telefon 0531 / 2 33 66 66

Informationen über das Präventionsangebot der Polizeiinspektion Braunschweig gibt es unter der E-Mail-Adresse praevention@pi-bs.polizei.niedersachsen.de.

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