22. Mai 2021
Umwelt

Gefahr auf leisen Pfoten?

Halter von Freigängerkatzen sehen sich Angriffen ausgesetzt

Süß und gefährlich: Eigentlich müssen Katzen nicht mehr auf Beutefang gehen, die meisten werden von ihren Besitzern versorgt. Freigänger leben allerdings ihren Jagdtrieb aus und suchen sich auch Vögel als Beute. Foto: Pixabay

Braunschweig/Hondelage. Seit April gilt für Hunde Leinenpflicht. Wer im Wald, auf Feldwegen oder Wiesen unterwegs ist, muss seinen Vierbeiner zum Schutz der Vögel kurz halten. Für Katzenbesitzer gilt das nicht – und genau das führt immer wieder zu Auseinandersetzungen, denn Freigängerkatzen dürfen ihren Jagdtrieb im Prinzip ungehemmt ausleben und sind damit eine potenzielle Gefahr für Vogeleltern und deren Jungen.

Welche Ausmaße die Angriffe auf Katzenhalter nehmen können, hat Martina Ulbrich (Name von der Redaktion geändert) erlebt. Vor rund zwei Wochen steckte bei ihr ein anonymes Schreiben im Briefkasten, das sie in Angst und Schrecken versetzte.

Der Schreck saß tief. Als Martina Ulbrich an einem Montagmorgen ihren Briefkasten in Hondelage öffnete, glaubte sie ihren Augen nicht zu trauen: Ein anonymes Schreiben vom „Reichssingvogelschutz Ackerweg-Troppaustraße“ drohte damit, ihre Katzen zu vergiften, wenn sie den Samtpfoten weiterhin Freigang gewähren sollte.

Die Begründung: Der „Reichssingvogelschutz“ hätte beobachtet, wie „das Katzenvieh Singvögel jagt und mordet“ und will das nicht länger dulden. „Wir werden nicht nur auf unseren Grundstücken das seit Jahrzehnten bewährte Katzenex auslegen. Halten Sie Ihr Katzenvieh in der Wohnung, sonst droht Ex“, heißt es in dem Schreiben.
Nicht nur Martina Ulbrich war alarmiert. Auch andere Halter von Freigängerkatzen in Hondelage hatten den Brief erhalten.
Ulbrich hat sich deshalb an die Polizei gewandt und ein Ermittlungsverfahren bei der Braunschweiger Staatsanwaltschaft beantragt. „Ich wohne seit knapp 26 Jahren in Hondelage, habe immer zwei Katzen gehabt, die bei mir begrenzten Freigang haben, dass heißt, dass die Katzen nur in meiner Anwesenheit heraus dürfen und nachts in der Wohnung sind. In der Nachbarschaft gibt es mehrere Freigänger-Katzen und in all den Jahren gab es nie Probleme“, teilt sie gegenüber der NB mit.

Wir haben uns bei der Polizei nach der Gruppierung erkundigt, deren Namen an die „Reichsbürger“ erinnert. „Nein“, sagt Jonas Brockfeld von der Pressestelle der Polizeiinspektion Braunschweig, der Begriff „Reichssingvogelschutz“ sei den zuständigen Kollegen vom Staatsschutz nicht bekannt. „Natürlich ist es nicht per se verboten, einer solchen Gruppierung anzugehören“, stellt Jonas Brockfeld fest, „aber wenn Straftaten angedroht oder verübt werden, ist das schon ein Problem und sollte der Polizei umgehend gemeldet werden.“ Er persönlich glaubt nicht, dass hinter dem Namen Reichsbürger stecken, sondern eher eine Person oder eine Gruppe, die Katzen hasst. Martina Ulbrich hofft nun, dass die Drohbriefe in Hondelage enden.

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