„Geiz ist absolut nicht geil“

Jörn Domeier spricht über seine Ansichten zur Landwirtschaft

Jörn Domeier. Foto (Archiv): oh

Von Erik Beyen, 19.12.2017

Rottorf am Klei. Die Landwirtschaft wird sich verändern, da ist sich Jörn Domeier sicher. Der SPD-Politiker vertritt mit seiner Kollegin Veronika Koch (CDU) zusammen den Landkreis im Niedersächsischen Landtag und glaubt: Die Digitalisierung in der Landwirtschaft, sprich Landwirtschaft 4.0, könnte für Vielfalt auf den Äckern sorgen. In einem Pressegespräch im Rahmen der NH-Serie „Landwirtschaft zwischen Quantität und Qualität“ bezog Domeier klar Stellung und forderte ein Umdenken und zwar sowohl bei der Landwirtschaft als auch beim Verbraucher: Immer größer funktioniere ebenso wenig wie immer billiger.
„Wir müssen weg von billig will ich“, sagte er, Geiz sei absolut nicht geil.
Billig, so Domeier, sei letztlich der Tod für alles. Und darum müsse man sich von diesem Prinzip verabschieden. Dass das nicht einfach ist, sei ihm klar, denn für eine Abkehr müssten strukturelle Veränderungen her.
Ein Beispiel: Vor Jahren gaben die Haushalte 30 Prozent des monatlichen Einkommens für die Ernährung aus. Heute sind es nur noch 10 Prozent. „Mehr Geld haben die Menschen trotzdem nicht in der Tasche“, so Domeier.
Die Kosten seien schlichtweg an anderer Stelle explodiert.
Domeier spricht „billigen“ Lebensmitteln nicht die Qualität ab, stellt aber fest: „Fleisch und Kohlehydratprodukte sind günstig“, und zitiert Studien, die einen Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit, Einkommensituation und Ernährung herstellen. Deren Fazit: Wer wenig Geld zur Verfügung hat, greift zu günstigen Produkten und ernährt sich unausgewogener.
Vor diesem Hintergrund beginnt der Teufelskreis also nicht bei den Landwirten. Diese bedienen letztlich den Bedarf, der sie im Umkehrschluss unter Preisdruck setzt. Dennoch: Man müsse sich bewusstmachen, dass es auch anders geht, so Jörn Domeier. Mit diesem Satz spielt er auf die Versorgung mit regionalen Produkten an, auf Landwirte, die der Billig-Entwicklung trotzen, indem sie eine Nische besetzen, etwa bei Eiern, Milch, Rindfleisch oder auch Gemüse- und Obstprodukten – auf direktem Wege an den Kunden gebracht.
Die Grundversorgung gibt es regional, da ist sich Domeier sicher, aber:
„Regional und Bio dürfen nicht zu Verzicht führen“, sagt er und landet am Ursprungsproblem: dem Geld.
Domeier hat im Zuge des Gespräches zu vielen Themen rund um die Landwirtschaft Stellung bezogen. So sieht er ein Ende der immer größer werdenden Maschinen, die auf immer größeren Feldern arbeiteten.
Landwirtschaft 4.0 bedeutet für ihn etwa drei Fruchtsorten auf einem Feld, Vielfalt.
Die Zukunft auf den Feldern könnten Pflanzroboter sein. Er wünscht sich eine Abkehr von Pflanzenschutzmitteln, wie Glyphosat, denn genau das führe zum Insekten- und Bienensterben, wenn nicht direkt aber doch indirekt, weil den Tieren unter anderem die Lebensgrundlagen entzogen würden. Am Rande lies er durchblicken, dass man auch am Gebührensystem für Kontrollen und Prüfungen bei Landwirten arbeiten müsse, aber: Es müsse gleiches Recht für alle gelten, das heißt:
Wenn das System verändert wird, darf davon nicht alleine die Landwirtschaft profitieren.

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