„Gibt’s hier Geld? Wow!“

Barbara Sukowa und Margarethe von Trotta kamen zur Filmfest-Preisverleihung in die Stadt.

Schauspielerin Barbara Sukowa (l.) und Regisseurin Margarethe von Trotta. Foto: André Pause

Von André Pause, 13.11.2013.

Braunschweig. Barbara Sukowa, der Gewinnerin des Hauptpreises „Die Europa“ beim 27. Internationalen Filmfest Braunschweig, ist bei der offiziellen Pressekonferenz wenige Stunden vor der Verleihung offensichtlich gar nicht bewusst, dass die Auszeichnung mit 10 000 Euro dotiert ist.

Fragend guckt sie sich im Saal um und dann Regisseurin Margarethe von Trotta an: „Gibt’s hier Geld? Wow!“
Sukowa und von Trotta arbeiten seit Langem zusammen, zuletzt haben sie dies für den Film „Hannah Arendt“ (2012) getan – ihre sechste gemeinsame Produktion. Im Frühjahr stehen wieder Drehs an. Für einen Schwesternfilm, viel mehr wolle Margarethe von Trotta, in Braunschweig die Laudatorin für Sukowa, noch nicht verraten. Außer, dass Katja Riemann die Schwester von Barbara Sukowa spielen werde.

Die neue Preisträgerin betrachtet die Arbeit mit ihrer Leib-und-Magen-Regisseurin als unglaubliches Geschenk und großes Glück. „Wir sind Freundinnen geworden. Margarethe von Trotta macht auch immer Sachen, die spannend sind, und von denen man selbst etwas lernen kann. Dadurch, dass sie selbst Schauspielerin war, weiß sie einfach, was Schauspieler brauchen“, erzählt Sukowa, die davon überzeugt ist, dass sie ohne die Besetzung durch von Trotta den aktuellen, wie auch manch anderen Preis nie erhalten hätte. „Ihre Filme sind sehr auf bestimmte Personen bezogen. Die Person ist der Film.“ Sie besitzt Vergleichsmöglichkeiten. Mit Regiegröße Rainer Werner Fassbinder hat sie Filme wie „Lola“ oder „Berlin Alexanderplatz“ gedreht. Margarethe von Trotta habe anfangs auch Angst verspürt.

Heute könne sie sich eine Produktion ohne Sukowa gar nicht mehr vorstellen. Die Regisseurin schätzt vor allem die Genauigkeit und Wandlungsfähigkeit der Schauspielerin. Außerdem sei sie sehr belesen. Was im Fall des Films „Rosa Luxemburg“ sogar zur Redeoptimierung geführt habe, „ich wäre doch schön blöd, diese Ideen nicht zu nutzen.“ Ausgelassen philosophiert das Duo unter anderem noch über den Film als Kunstform der Einheit Europas, über Fassbinders quicke Arbeitsweise, Finanzierungssorgen der Filmschaffenden und die Veränderung des Einsatzes filmischer Mittel.
Mit der Gala im Staatstheater ist das 27. Filmfest am Sonntagabend zu Ende gegangen. Der ebenfalls mit 10 000 Euro dotierte Publikumspreis „Der Heinrich“ wurde für Dan Hartleys Film „Lad: A Yorkshire Story“ verliehen. Die Jury des deutsch-französischen Jugendfilmpreises „Kinema“ entschied sich für die Produktion „Suzanne“ von Regisseurin Katell Quillévéré. „Der Leo“ für das Zusammenspiel von Bild und Musik in einem Kurzfilm ging an den Regisseur Ben Cady und den Sounddesigner Joe Gilder für „Anomalies“.

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