Gleicher Genuss, weniger Müll

Seit gestern gibt es den Pfand-Becher im Braunschweig-Design – Bis zu 1000 Mal befüllbar

Coffee to go wird umweltfreundlicher: Der Mehrwegbecher im Braunschweig-Design ist seit gestern zu haben. Bis zu 1000 Spülgänge soll er halten. Marion Korth

Innenstadt. Ex und hopp das war einmal, jetzt kommt „reCup“, der Mehrwegbecher für den Kaffeegenuss im Gehen. Seit gestern gibt es die Pfandbecher in der Bäckerei Sander und in mehr als 20 anderen Bäckereien und Cafés.

Die Initiatoren und Organisatoren wollen damit vor allem eines erreichen: weniger Müll, weniger überfüllte Papierkörbe. Und nebenbei wollen sie noch Werbung für die Stadt machen, denn der Becher im Braunschweig-Design hat eine Bordüre am Rand mit Dom, Burg, Löwe, Rizzi-Haus, Haus der Wissenschaft und einem „Hallo-Braunschweig“-Schriftzug.

Ein Euro Pfand

Annegret Ihbe, SPD-Ratsfrau, lobte das Eiltempo, mit dem der mehrheitliche Ratsbeschluss in die Tat umgesetzt worden ist. Auf Initiative der SPD war der Ratsbeschluss im Oktober 2018 gefallen, danach hatte das Stadtmarketing die Systeme verschiedener Anbieter miteinander verglichen und sich für das der reCup GmbH, ein junges Unternehmen aus München, entschieden. Fabian Eckert, einer der Firmengründer, war beim Pressetermin dabei: „Wir sind mit 50 Annahmestellen im Mai 2017 gestartet, heute gibt es 3050 Stellen zwischen dem Allgäu und Sylt.“ Auf einer digitalen Landkarte oder mobil über eine App kann sich der moderne Kaffeetrinker informieren, wo er seinen Becher abgeben oder sich einen neuen befüllen lassen kann. Das Pfand je Becher beträgt einen Euro.

„Wenn Sie samstags durch die Stadt gehen, dann sehen Sie, wie viele Becher herumliegen“, sagte Galerist Olaf Jaeschke, Vorsitzender des Arbeitsausschusses Innenstadt. Den Innenstadtkaufleuten sei sehr an einem schönen Stadtbild gelegen. „Und auch der Recyclinggedanke ist für uns wichtig“, betonte Jaeschke. Deshalb unterstützt der AAI genauso wie Dehoga, Tourismusausschuss, die Bäckereien Ziebart, Richter, Brotinsel und Sander und sogar die Brauerei Wolters die gemeinsame Initiative.

Dies sind nur einige der Organisatoren und Unterstützer, die das Pfandsystem für Keffeebecher in Braunschweig an den Start gebracht haben. Foto: Marion Korth

„Das ist ein Riesenkreis, wir wollten alle an einen Tisch holen“, sagte Stadtmarketingchef Gerold Leppa. Damit weniger Einwegbecher im Müll landen, soll die Kampagne werbewirksam mit 30 000 Braunschweig-Bechern und Flyern begleitet werden. Geschäftsleute können sich ohne große Kosten und ohne Risiko an dem System beteiligen (Registrierung www.recup.de/mitmachen).

Kein Sammlerstück

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Der Becher gehört nicht als Sammlerstück zu Hause in den Geschirrschrank oder die Vitrine. Das Pfandsystem funktioniert nur, wenn die Becher schnell wieder in Umlauf gebracht werden. Gern auch in München oder Düsseldorf – wegen der Stadtwerbung. 1000 Mal Waschen in der Gastrospülmaschine überlebt der Polypropylenbecher unter Idealbedingungen. „Das haben wir getestet“, sagte Firmengründer Fabian Eckert. Ausgemusterte Becher sammelt seine Firma, dann kommen sie ins Recycling. In der Region macht außerdem Wolfsburg mit.

Der Deckel muss extra gekauft werden und bleibt persönliches Eigentum, der Becher rotiert im Pfandsystem. Foto: Marion Korth

In Sachen Müllvermeidung soll noch mehr geschehen: ReCup testest derzeit eine wiederverwendbare Essensbox, und das Stadtmarketing stellt bei eigenen Veranstaltungen wie demnächst der Mummegenussmeile auf nachhaltiges Einweg- und Mehrweggeschirr um.

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