23. April 2022
Buntes

Glory und Ira glücklich vereint

Während der Krieg in der Ukraine tobt, erlebt eine Familie in Braunschweig ein kleines Wunder

Nach 28 Tagen endlich wieder glücklich vereint: Ira und Glory. Das Kätzchen der ukrainischen Familie war an der Stadthalle entlaufen. Foto: Beate Gries

Viewegs Garten. Die Meldungen aus der Ukraine werden immer bedrohlicher. Aber die Geschichten, die ein gutes Ende nehmen, die ein Zeichen für Hoffnung sind, die gibt es trotzdem.

Nach 28 Tagen des Bangens ist die junge Katze Glory wieder mit ihrer Familie vereint. Fast einen Monat hat sie sich allein draußen in unbekannter Umgebung durchgeschlagen. Eine lange Zeit für eine Katze, die bislang nur in der Wohnung gelebt hat. Aber nun ist sie zurück.
Ein bisschen dünn ist Glory geworden. Das Fell staubig,ein paar Zecken hat sie auch, aber keine Verletzungen – so hat die junge Ukrainerin Ira sie wieder in ihre Arme schließen dürfen. Und Katzenfreund Rikki ließ es sich nicht nehmen, Glory nach ihrem Outdoor-Abenteuer ausgiebig zu putzen.
Beate Gries, Vorsitzende des Vereins Stadttiere, hat etliche Nachtwachen hinter sich gebracht, um Glory, die an der Stadthalle aus dem Haustierzelt entwischt war, wieder einzufangen. Eine Überwachungskamera lieferte Bilder und Erkenntnisse, wann Glory den für sie bereitgestellten Futternapf besucht. Ira, ihre Brüder sowie die Mutter schauten sich die Videoaufnahmen in Dauerschleife an. Sie waren so froh, ihr Kätzchen lebend zu sehen.

Einsatz und Mühe wurden belohnt: Am Ostersonnabend um 20:23 Uhr ist Glory dann in die Falle gegangen. Kurze Zeit später saß sie schon in der bereitgestellten Transportbox. Beate Gries freut sich, dass es so schnell und reibungslos und damit stressfrei geklappt hat.
Im neuen Zuhause, in das die ukrainische Familie in der Zwischenzeit ziehen konnte, versteckte sich Glory zunächst hinter einer Gardine. Noch einmal war Geduld gefragt. Aber schon wenig später ließ sie sich von Ira hervorlocken und auch streicheln. Die Freude war riesig. Für Ira und für Glory. Ira schrieb Beate Gries später: „Du hast mir das Liebste zurückgegeben.“
„Jemandem ein solches Geschenk machen zu dürfen, ist das Beglückendste, das ich mir vorstellen kann“, sagt Beate Gries in der Rückschau. Von Anfang an war klar, dass es um Glorys Leben ging und darum, diese Welt wieder ein bisschen heiler zu machen.

Beate Gries bedankt sich bei allen, die sich an der Suche mit Hinweisen und Hilfsangeboten beteiligt haben, darunter auch etliche NB-Leserinnen und Leser. Ein großes Dankeschön geht an ihren früheren Ratskollegen Helge Böttcher. Er hatte die Katze nämlich nach der Ratssitzung in der Stadthalle am 29. März um 21:45 Uhr an der Ottmerstraße gesichtet und sich noch in der Nacht hilfesuchend an Beate Gries gewendet. Da war Glory schon 12 Tage fort. „Ohne seine Besonnenheit wäre Glory wohl noch immer da draußen an der Stadthalle“, mutmaßt Beate Gries.

Und dann ist da noch ein Mensch mit dem Herz am richtigen Fleck: Gunnar Michels von den Johannitern, der sich um die Tiere der geflüchteten Familien aus der Ukraine kümmert und den Kontakt zu der ukrainischen Familie hergestellt hat. Gunnar Michels hat selbst zwei Katzen und macht das alles ehrenamtlich nach Feierabend, organisiert über eine Facebook-Gruppe Spenden für Futter, Einstreu, Spielzeug und Näpfe, Leinen und Geschirre und was sonst noch so gebraucht wird. Ohne Menschen wie ihn geht es nicht.

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