Graffiti-Kunst statt doofer Schmiererei | Neue Braunschweiger
16. Juni 2020
Buntes

Graffiti-Kunst statt doofer Schmiererei

Michael Schulze lebt seine große Leidenschaft seit 15 Jahren in und um Braunschweig aus

Was immer seine Auftraggeber sich als Motiv wünschen, setzt Michael Schulze mit vollem Einsatz und akribisch um. Foto: privat

Schandelah. Als die NB vor kurzem von drei „tierischen“ Kunstwerken in einem Waldstück bei Schandelah berichtete, wussten wir (noch) nicht, wer diese angefertigt hat. Kurz darauf schickten uns Leser ein Foto von Folienresten mit der Vermutung, der unbekannte Künstler habe offenbar mehrere Versuche gestartet und die angefallenen Reste einfach im Wald liegen lassen. Und nach dieser Veröffentlichung meldete sich Michael Schulze in der NB-Redaktion: „Ich möchte einfach klarstellen, dass ich mit Sicherheit nichts im Wald zurückgelassen oder entsorgt habe. Ich bin direkt am Tag, nachdem das Foto erschienen ist, in den Wald gegangen und habe nachgesehen.“

Alle Folienbilder seien noch intakt gewesen und auch die fotografierten Reste habe er nirgendwo finden können. Das Problem aber blieb. „Der Vorwurf an mich steht im Raum und hat sich negativ ausgewirkt. Jeder spricht mich darauf an.“
Wir treffen also den jungen Mann, der seit rund 15 Jahren als Graffiti-Künstler in und um Braunschweig aktiv ist. Erst vor kurzem ist er nach Schandelah gezogen und lebt auch hier seine Leidenschaft aus: Sein aktuelles Kunstwerk entsteht gerade auf dem ehemaligen Firmengelände von Elwe-Technik. An der langen Wand der großen Lagerhalle prangt Meister Yoda aus Star Wars, links daneben ein weißer Stormtrooper-Helm. Michael Schulze hat ihn dort – wenn auch nicht verewigt – so doch zumindest erst einmal für eine ganze Weile „platziert“.

Michael Schulze. Foto: Privat

„Alles begann in der Schule. Da gehörte außer Sport und Englisch auch Kunst zu meinen Lieblingsfächern und die begleitet mich nun schon mein ganzes Leben lang“, erzählt er. Kunst sei nicht nur Geschmackssache, sondern auch eine schöne Art, sich auszudrücken. „Man fühlt sich frei und kann seine Gedanken laufen lassen“, so seine Erfahrung. So ist der 32-jährige eigentlich ständig auf der Suche nach freien Flächen für seine Kunst und immer in der Akquise. In Kürze setzt Michael gleich zwei Projekte für den Wasserverband Lehre um. Dann entsteht auf einer Immobilie in Dibbesdorf die Skyline von Braunschweig, und in Schandelah „was Landschaftliches“. Das dortige beschmierte Gebäude am Ortsrand hat Schulze bei einem seiner ersten Spaziergänge am neuen Wohnort entdeckt, sich kurzerhand die Telefonnummer vom Schild am Zaun notiert und angerufen. „Fragen kostet schließlich nichts“, sagt er. Hat ja geklappt.

Hauptberuflich arbeitet der gebürtige Braunschweiger als Werbetechniker, ist zudem gelernter Maler und Lackierer. Das kommt ihm bei seiner Kunst natürlich auch immer wieder zugute. Schon so einige Haus- und Garagenwände, Kinderzimmer und andere Objekte hat Schulze verschönert. Teils, um vorhandene Schmierereien kunstvoll zu überdecken. Je nach Größe des Projektes hängt er sich mehrere Stunden oder eben mehrere Tage richtig rein. Und je nach Motiv fällt da auch einiges an Materialkosten an. Oft genug zahlt er die aus eigener Tasche – froh darüber, dass ihm jemand eine „Leinwand“ für seine Leidenschaft zur Verfügung gestellt hat. Aber

der Idealfall ist das nicht. Wenn die Materialkosten übernommen werden, ist das natürlich auch eine Wertschätzung seiner Kunst. Größere Projekte und bezahlte Aufträge wickelt er über seinen Wolfenbütteler Arbeitgeber Werbeanker ab und ist ansonsten als freier Künstler unterwegs. Mit einer Mission, die ihm am Herzen liegt: „Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass es noch genügend freie Flächen in Braunschweig und Umgebung gibt.“ Michael Schulze nennt Brücken, Pfeiler und Unterführungen an Bahnstrecken und Autobahnen wie der A39 oder der A391: „Alles Flächen, die seit vielen Jahren beschmiert sind und ein großer Hingucker werden könnten.“ Entweder als Auftragsarbeit und oder zur freien Gestaltung. Ideen hätte er mit Sicherheit genug

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