11. Dezember 2021
Soziales

Grenzen für das Ehrenamt

Spendenregal wurde abgebaut – Initiative Schrill hofft auf neue Ideen

Ein Bild von den Anfängen: Kolja Beuleke und Hannah Hemsing bauen für "Schrill" ein Regal für Spenden am Theologischen Zentrum, Schützenstraße, auf. Mittlerweile ist es wieder abgebaut worden. Foto: Bernward Comes

Innenstadt. Das Spendenregal an der Brüdernkirche war für anderthalb Jahre Treffpunkt für Menschen in Not. Jetzt ist es abgebaut. „Wir haben die Kräfte nicht mehr“, sagt Hannah Hemsing als Vorsitzende der Initiative Schrill. Schrill hat das Projekt aufgebaut und organisiert. Komplett im Ehrenamt.

Noch immer werden Spenden abgelegt, aber das regal gibt es nicht mehr. Foto: Ingeborg Obi-Preuß

Angefangen hatte alles im ersten Lockdown, als Anlaufstellen wie der Iglu-Tagestreff für Obdachlose, Fairkauf und die Tafel geschlossen waren. Aus der Bürgerschaft wurde zu Spenden aufgerufen und ruckzuck hingen Beutel mit Brot, Obst, Zahnpasta oder warme Jacken am „Gabenzaun“ neben dem Karstadt-Rondell.
Es wurde schnell zu viel des Guten. „Vertreter der Stadt haben uns gefragt, ob wir diese Art von Spenden organisatorisch betreuen können“, erzählt Hannah Hemsing.
Die studierte Architektin hat das Regal entworfen – gut organisierte Fächer und Flächen für die verschiedenen Arten von Spenden. „Ein befreundeter Tischler hat die Pläne für uns in eine hochwertige Holzkonstruktion umgesetzt“, blickt Hemsing zurück.

Sie und ihr Team bauten das Regal dann in Absprache mit dem Theologischen Zentrum an der Brüdernkirche auf. „Wir spürten sofort, wie gut dieses niedrigschwellige Angebot angenommen wird“, berichtet Hemsing. Noch während des Aufbaus war mindestens eine aus dem Helferteam damit beschäftigt, Passanten und Besuchern das Projekt zu erklären.
Aber – es gab auch Probleme. Professionelle Händler haben die besten Sachspenden abgeholt, um sie später auf Flohmärkten oder ins Ausland zu verkaufen, es gab Gerangel und Geschubse.
Und zuletzt Vandalismus. „Das Regal ist mutwillig zerstört worden“, sagt Hemsing. Die „Schrillos“, wie sich die Initiativmitglieder nennen, wussten keinen Rat mehr. „Wir mussten abbauen. Wir haben erkannt, dass so ein Projekt nicht nur im Ehrenamt begleitet werden kann.“

Hannah Hemsing kennt Beispiele aus anderen Städten, in denen ähnliche Aktionen von Streetworkern oder Profis organisiert werden. Sie hofft, dass sich eine neue Lösung für ein ähnliches Angebot finden wird.
Von der Stadt Braunschweig heißt es: „Das Spendenregal beruhte auf ehrenamtlicher Initiative. Es gibt derzeit keine Überlegungen in der Stadtverwaltung zu dem Thema.“

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